Die etwas andere Fahrbibliothek III. – Neues aus Kolumbien

Bereits zweimal habe ich an dieser Stelle vom Biblioburro, was nichts anderes als „die Bibliothek des Esels“ heißt, berichtet. Diese ungewöhnliche kolumbianische Bibliothek wurde vor 10Jahren von dem Lehrer Luis Soriano ins Leben gerufen. Dieser bringt mit seinen beiden Eseln Alfa und Beto jedes Wochenende Bücher ins Hinterland. Dort wird er mittlerweile von Groß und Klein erwartet. Die strahlenden Kinderaugen und die wachsende Nachfrage sind dabei sein einziger Lohn.

Die Bücher seiner Fahrbibliothek hat er bis vor kurzem in seinem eigenem Haus aufbewahrt, doch damit ist jetzt Schluss. Dank einer Finanzhilfe einer lokalen Finanzierungseinrichtung konnte nun eine kleine Bibliothek mit 4000 Bücher gebaut werden. So wurde nun aus einem Bedürfnis Kindern Bildung zu vermitteln eine Institution. Trotz dieser positiven Entwicklung reitet Luis Soriano immer noch jedes Wochenende von Dorf zu Dorf, um dort den Kindern Bücher zu bringen und ihnen bei den Schularbeiten zu helfen. Für die Kinder in dem Gemeindedepartement von Nueva Granada kann man nur hoffen, dass er dies noch sehr lange tun kann und er ihnen noch viele Wochenenden die Welt in Form von Büchern in ihre Dörfer bringt.

Ursprüngl. Artikel:
Chelala, César: Biblioburro – Bibliothek des Esels: Mit Büchern Frieden nach Kolumbien bringen via Epoch Times online


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4 Kommentare

  • Pingback: Nach dem Esel kommt nun das Kamel : Bibliothekarisch.de

  • Wolfgang Kaiser

    An dieser Stelle sei erwähnt, dass Luis Soriano diese Woche zum „CNN Hero of the Week gewählt wurde“. Unter dem folgenden Link gibt es ein aktuelles Video zu BILIOBURRO: http://www.cnn.com/video/#/video/living/2010/02/25/cnnheroes.soriano.extra.cnn

    Soriano begründete sein Engagement folgendermaßen: „For us teachers, it’s an educational triumph, and for the parents [it’s] a great satisfaction when a child learns how to read. That’s how a community changes and the child becomes a good citizen and a useful person,“ Soriano fügte noch hinzu. „Literature is how we connect them with the world.“

    Hierzulande gibt es öffentliche Bibliotheken und Kinder, denen die Möglichkeit offensteht mehr als das von der Klassenleiterin empfohlene Buch hinaus zu lesen, aber meinen Beobachtungen zufolge und den Ergebnissen der letzten KIM-Studie (2008), nimmt der Anteil der Kinder, die gar nicht lesen, zu (http://oebib.wordpress.com/2009/02/16/kim-studie-2008-kinder-lesen-gerne-aber-zahl-der-buchverweigerer-steigt/). Er liegt bei 17 Prozent, mit deutlich steigender Tendenz im Verlauf der letzten Jahre. Gestern erzählt mir ein junger Realschullehrer wie er von einem Schüler ausgelacht wurde, wozu Lesen denn gut sei. Das war kein Einzelfall – er war diesbezüglich insbesondere beim männlichen Geschlecht alles andere als hoffnungsvoll. Ein Freund, der an einer FH Wirtschaft studierte berichtete von einer Mit-Studentin, die stolz war bisher das Lesen von Büchern möglichst vermieden zu haben.Ein Abiturient, den ich letzte Woche in Niedersachsen traf, erzählte mir mit großem Stolz wie er Referate zu Klassenlektüren wie u.a. Gerhard Hauptmann anfertigte ohne die Bücher je gelesen zu haben und glaubte die Lehrer somit ausgetrickst zu haben. Brauchen wir in unserer westlichen Welt nicht auch mehr Luis Sorianos, die mit Idealismus und Leidenschaft Bildung schätzen und deren Wert an andere weitergeben? Sind Lesen, Kontemplation und Transzendenz nicht mehr „in“?

  • Julia Burkhardt

    Wozu lesen denn gut sei?
    Diese Frage wurde mir auch schon gestellt. Vielleicht sollte man die Frage damit beantworten, dass manchmal die Lektüre von gewissen Inhalten auch dazu führen kann, dass man nicht übers Ohr gehauen wird. Ich würde gerne mal zurückfragen, ob die Antileser auch einfach jeden Vertrag unterschreiben, der ihnen unter die Nase gehalten wird, ohne ihn vorher durchgelesen zu haben.
    Und was die Lektüre in der Schule betrifft? Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mich während der Schulzeit durch die letzten Kapitel der Buddenbrooks gekämpft habe. Wir mussten das Werk nicht zu ende lesen, ich habe es trotzdem getan. Mein Ehrgeiz hatte mich gepackt und hinterher war ich Stolz auf mich! Natürlich ist das erzwungene Lesen in der Schule manchmal eher Kontraproduktiv und viellleicht fasst der Schüler nie wieder einen Klassiker an, weil er sich latent nur an den Zwang erinnern kann. Auf der anderen Seite findet er vielleicht aber auch Gefallen an Werken, die er sonst nie gelesen hätte.
    Ich frage mich allerdings, wie die Schüler ihre Klassenarbeiten überleben und wie ein Lehrer so gar nicht merken kann, wenn das Buch überhaupt nicht gelesen wurde…

  • Wolfgang

    Unter dem folgenden Link gibt es ein weiteres Video zu „Biblioburro“ und Luis Soriano: http://www.linktv.org/video/4619/biblioburro-the-donkey-library
    Auf der Webseite der Produktionsfirma Ayoka Productions finden sich weitere Infos zu Biblioburro und der Bestellmöglichkeit eines DVD-Films (10 Minuten Dauer). Zudem gibt es zwei weitere „Eselbibliotheken“ in Venezuela (http://news.bbc.co.uk/2/hi/6929404.stm) und Äthiopien, zu welchen sich ebenfalls Informationen finden (http://www.ethiopiareads.org/_blog/Blog/post/New_Video_Featuring_Mobile_Donkey_Libraries/).