Nach dem Esel kommt nun das Kamel

An dieser Stelle habe ich bereits mehrfach vom Bücheresel aus Kolumbien berichtet, der sich größter Beliebtheit in der einheimischen Bevölkerung erfreut. Eine ähnliche ungewöhnliche Fahrbibliothek gibt es auch in Kenia. Dort bringen allerdings nicht die Esel, sondern drei Kamele Bücher in die abgelegenen Nomadendörfern. Jeden Morgen brechen diese, mit jeweils zwei Bücherboxen ausgestattet, in die Wüste auf, um die umher wandernden Nomaden aufzusuchen. Ähnlich wie in Kolumbien haben auch in Kenia ein Großteil der Bevölkerung keine Bibliothek in der Nähe oder die Möglichkeit diese regelmäßig aufzusuchen, so dass der Service dankbar angenommen wird. Ein Grund für die Einrichtung dieser Bibliothek ist die hohe Rate an Menschen, die nicht lesen können und die Tatsache, dass besonders viele der Nomaden nicht regelmäßig oder nie eine Schule besuchen. Dies soll die Bibliothek auf dem Rücken der drei Kamele ändern. Dass man für den Transport auf Kamele zurückgreift, liegt vor allem am sandigen Untergrund und heißen Klima in Kenia. Für diese Bedingungen sind die Kamele am besten geeignet, um auch die entlegensten Siedlungen erreichen zu können.
An diesem Beispiel und dem des Bücheresels sieht man, dass Not erfinderisch macht und es sich durchaus lohnt, sich nach alternativen Konzepten umzusehen. Sie sind zudem ein Beleg, dass gerade in Gebieten, in denen Bibliotheken keine Alltäglichkeit sind, das Interesse am Service der Einrichtungen und Büchern groß ist. Es zeigt auch, dass in unserer heutigen hochtechnisierten Welt Bücher immer noch der Schlüssel zum Wissen und der Welt bedeuten können.

Aufmerksam geworden durch:
Kenya: The Camel Mobile Library Service via Resource Shelf


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2 Kommentare

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  • Wolfgang

    Gestern lief auf Arte die 43 minütige Reportage „Karawane der Bücher“. Auf der folgenden Webseite ist es möglich, den Dokumentarfilm vollständig zu sehen: http://plus7.arte.tv/de/1697660,CmC=3190340.html

    Dieser informative Film beschreibt anschaulich, wie Leseförderung für nomadische Völker in der Halbwüste Kenias abläuft. Im Infotext zum Film heißt es: „Im Norden Kenias gibt es die einzige Kamel-Bibliothek der Welt. [..] Die Dokumentation erzählt die Geschichte wissensdurstiger Kinder, eines entstehenden Buches und eines ungewöhnlichen Bibliothekars im Herzen Afrikas während der UNESCO-Weltdekade der Alphabetisierung.“ Besonders neu war für mich die Aussage, dass die Volksgruppe der Somalis keine Tradition der Schriftsprache kennt und dass die Zahl von 4.000 jungen angemeldeten LeserInnen (zumeist SchülerInnen) der jeder stationären Bibliothek in den Städten Kenias übersteigt. Der Film ist wirklich sehr sehenswert.