Viel Neues bei Citavi 3.0

Erste Eindrücke konnte man vom großen Upgrade Citavi 3.0 auf der Firmenpräsentation und am Stand von Citavi beim Bibliothekskongress 2010 erhalten.

Die Leute von Citavi entschuldigten sich auf der Firmenpräsentation für ihren terminlichen Verzug. Citavi 3.0 sollte eigentlich bereits Winter 2009 erschienen sein. Doch man hat sich entschieden, das beste Produkt zu veröffentlichen. Dafür verschiebt man dann lieber den Veröffentlichungstermin.

Bedienbarkeit
Citavi setzt auf eine noch bessere Benutzerfreundlichkeit. “Klarer, einfacher, übersichtlicher” heißt das Motto. Der erste Eindruck des neuen Userinterfaces bestätigt dies erfolgreich. Die neue Oberfläche wirkt kompakter und weniger knubbelig. Es ist modulartig aufgebaut.


Benutzeroberfläche
Citavi kann auf Deutsch und auf Englisch genutzt werden. Die Englische Version der Oberfläche ist aber noch nicht unbedingt fehlerfrei. Citavi bittet, englische Muttersprachler einen Blick auf übersetzten Begriffe zu werfen und mitzuteilen, ob bei den übersetzten Fachbegriffen sich Fehler eingeschlichen haben.

Die verbesserte Bedienbarkeit beginnt mit der Listenanzeige. Es werden an der linken Seite immer mehrere Titel angezeigt und man kann in dieser Liste bequem scrollen.

In der Mitte folgen unter der Kurzanzeige des aktuellen Titels die Registerkarten, die ebenfalls neue Funktionalitäten enthalten und alte Funktionen in entschlackter Version enthalten. Rechts ist nun die kontextsensitive Hilfe zu finden. Die einzelnen Spalten lassen sich individuell in ihrer Breite einstellen oder ganz ausblenden. So wird die Navigation deutlich verbessert.

Die Regsiterkarte ist deutlich übersichtlicher gestalten. Die Karte “Inhalt” enthält nur noch die Felder für den Abstract und das Inhaltsverzeichnich sowie ein Feld für die Bewertung (früher Kommentar) mit entsprechenden Bewertungssternen. Hier greift man eine einfache Form des Relevance Rankings auf.

Die Registerkarte Bezug enthält die Felder für Schlagwörter und Kategorien. Der Bereich Rezensionen wurde zu Verweisen umgestaltet. Hier kann man nun auf andere Titel verweisen oder die Titel aufnehmen, die auf den Titel verweisen.

Auch die Registerkarte Zitate konnte deutlich übersichtlicher gestaltet werden. Die Form der Zitate wurde aufdröselt. Zukünftig wird es möglich nebenen wörtlichen Zitaten und Bildzitaten auch indirekte Zitate, Zusammenfassungen und Kommentare aufgenommen werden. Ziel ist, so den den roten Faden einer Arbeit besser durch Citavi abbilden zu können.
Die vierte Registerkarte heißt Aufgaben/Orte. Dort werden zu erledigende Aufgaben und Standorte der Medien zusammengefasst. Auch elektronische Standorte fallen darunter.

Ganz neu ist die erste Registerkarte dieses Mittelteils. Hier wurde das Ziel einer weniger technisch wirkenden Citavi-Oberfläche gut umgesetzt. In dieser Übersicht werden alle Details angezeigt. Auf Wunsch kann man von dieser Registerkarte aus die Inhalte der einzelnen Felder direkt in einem sich öffnenden Bearbeitungsfenster modifizieren. Die Navigation innerhalb des Programmes wurde so erheblich verbessert. Der Nutzer kann auch einstellen, was er sehen möchte, in welcher Größe usw. Auch die Reichenfolge der einzelnen Elemente lässt sich per Drag&Drop individuell anpassen.

Die größte Änderungen gibt es auf der rechten Seite. Auf den ersten Blick wirkt der große rechte Bereich für die kurze, kontextsensitive Hilfe viel zu groß. Dieser Bereich der Schnellhilfe dient auch der Vorschau von Daten. PDF-Dateien lassen sich unabhängig von einem Adobe Acrobat Reader anzeigen. Das hochgeladene PDF lässt sich bearbeiten. So können Hervorhebungen gemacht werden und Notizen im Text verankert werden. Außerdem lassen sich die Zitate mit den im Text vorhandenen Formatierungen übernehmen. Citavi erkennt Absätze, entfernt Worttrennungen und kursive Hervorhebungen. Außerdem ist dieses Feature mit einer Rechtschreibkorrektur verbunden. Die Wörterbücher dazu wurden aus dem Bereich des Open Office und von Firefox übernommen. So lassen sich Zitate bequem mit einem Knopfdruck übernommen werden, allerdings müssen teilweise die Seitenzahlen per Hand übernommen werden. Neu ist, dass für die Zitate ebenfalls Schlagworte vergeben werden können.

Im integrierten Browser können auch andere Dokumente angezeigt werden, z.B. HTML-Dateien, die im internen Cache zwischengespeichert werden können. Dieser Cache ist frei konfigurierbar. Neben PDF und HTML lassen sich auch Word-, OpenOffice- und Epub-Dokumente anzeigen. Allerdings gibt es keinen Texteditor für die so eingelesenen Dokumente.

Ein Schwerpunkt der Verbesserungen lag auch auf den Suchmöglichkeiten. Bei “Gehe zu” (zu finden über der Listenanzeige der Titel), der internen Suche, kann man nun in Citavi recht günstig nach aufgenommenen Titeln suchen. Sehr schnell wird die interne Datenbank durchsucht und dort passende Titel als Vorschläge angezeigt.

Titelupload
Neu ist, dass Artikeldaten jetzt auch per DOI, Pubmed-ID und URN in Citavi importiert werden können, nicht mehr nur Buchdaten per ISBN. Im Anschluss kann man dann nach dem Volltext eines Titels recherchieren. Ist man per Virtuell Private Network (VPN) mit seiner Bibliothek verbunden, kann man diese Texte auch aus IP-geschützten kommerziellen Datenbanken hochladen.

Zudem kann man jetzt in Citavi ein formatiertes Literaturverzeichnis einlesen. Einfach die gewünschten Quellen auswählren und live nachrecherchieren. Auf diese Weise gelingt es Citavi die Recherche nach dem Schneeballsystem abzubilden. Citavi erkennt zwar nicht die einzelnen Bestandteile einer Titelaufnahme, kann aber über eine Art “Freie Suche” (Vollfeld/-textsuche) einzelne Bestandteile suchen.

Auch lokale Daten können mit Citavi verknüpft werden. Citavi scannt beim Verknüpfen automatisch nach entsprechenden Titelmetadaten und erfasst diese sofort.

Online-Recherche
Bisher war für Laien nicht unmittelbar erkennbar, dass weitere Datenbanken hinzugefügt werden können für die Recherche. Dies wurde verbessert. Beim Punkt Online-Recherche sucht man in einfach nach der entsprechenden Datenbank/ dem entsprechenden Bibliothekskatalog und es wird gleich live mitgefiltert, z.B. “Zürich Geschichte”, “leipzig medizin”. Zusätzlich kann der Nutzer nach Datenbankprovider, Fachgebiet und Land filtern. Der Nutzer soll nun direkt in etwa 4400 Bibliothekskatalogen und Fachdatenbanken zudem mit erweiterten Rechercheoptionen aus Citavi heraus suchen können.

Auch die Suche in den Datenbanken/Katalogen wurde verbessert. Ein Problem lässt sich auch durch Citavi nicht ändern. Jede Datenbank besitzt eine andere Syntax. Damit lassen sich bei der kumulierten Metasuche nur noch bestimmte Felder für die Suche nutzen. Rechts wird nun angezeigt, welche Suchmöglichkeiten funktionieren und welche nicht. Kombiniert man verschiedene Datenbanken, werden diese live der ausgewählten Suchkombination angepasst. Die einfache Suche bietet die Felder Freie Suche, Autor und Titel. Die erweiterte Suche passt sich den Möglichkeiten des einzelnen Katalogs an bzw. der Kombination von mehreren und ermöglich so jetzt eine vollwertige Suche in Datenbanken/Bibliothekskatalogen. Einige lizenzierte Datenbanken können innerhalb des freigeschalteten IP-Ranges automatisch sofort mit durchsucht werden.

Der Import von Daten aus Datenbanken soll erheblich einfacher werden als er momentan ist. Über den sogenannten “Citavi-Hunter” sollen viele Schritte des Exports und Imports automatisiert werden. So sollen Textfilter und Zeichencodierung zukünftig automatisch erkannt werden. Heute ist die Anleitung für jede einzelne Datenbank anders und ziemlich kompliziert. Die Dateien sollen dabei wie bei Citavi-Picker über eine Fußleiste per Knopfdruck in das Literaturverwaltungsprogramm importiert werden. Damit wird der Kompfort für die Nutzer deutlich erhöht.

Zitationstile
Zitationsstile werden jetzt schon in Menü mit angezeigt und enthaltene Titel von Citavi Voranzeige gleich im entsprechenden Stil angezeigt werden. Auch bei der Einstellung von Optionen werden Änderungen gleich live mit angezeigt. Dieses Livefeature gibt es auch, wenn man einen neu hinzuzufügenden Zitationsstil vom Citavi-Server auswählen möchte.

Multiuser-, Web- und Mac-Version
Im Backend von Citavi wurde die Datenbank gewechselt. Statt auf Open Access setzt man jetzt bei Citavi 3.0 auf SQLite. Dadurch wird Citavi zukünftig auch multiuserfähig. Dabei wird das Datenbankpackage, welches die gemeinsamen Daten speichern soll, auf einem Netzlaufwerk abgelegt. Für Campuslizenzen der Multiuser-Version wird ein Preisaufschlag für 25% fällig. Ein einfaches Upgrade ist im Preis der Lizenz bereits enthalten. Für Mehrfach- und Sonderlizenzen liegen die Preise bei der Hälfte des Neupreises.

Für all jene, die auf eine Webversion hoffen, gab es leider eine negative Mitteilung. Die Arbeiten an der Webversion pausieren zugunsten der Mac-Version von Citavi. Dort ist man gut vorangekommen, aber es gibt noch viel zu tun. Mit dem Bereich der Literaturverwaltung ist man am weitesten vorangekommen. Bei der Programmireung wird auf die mac-typischen Besonderheiten. Die im Programm integrierten Buttons sind kontextsensitiv. Die mit einem Titel verknüpften Dateien können per Drag&Drop hinzugefügt werden und in der Schnellvorschau (Quicklook) angezeigt werden. Bearbeitet man die Zitate, springt die Anzeige im Volltext direkt zum markierten Zitat und hebt dieses hervor. Genauso kann man auch vom makierten Zitat zum Eintrag im Interface springen. Die Texte lassen sich, wie das bei Mac üblich ist, auch bearbeiten.Der Import über DOI ist z.B. auch möglich, entweder per Buttons oder Drag&Drop. Im Ergebnis sollen die Versionen von den Funktionalitäten vergleichbar bleiben, aber Eigenheiten des Betriebssystems beachtet werden.

Release-Zeitpunkte
Im Frühling 2010 soll nun die Beta-Version von Citavi 3.0 veröffentlich werden. Das entgültige Release erfolgt in Abhängigkeit von Rückmeldungen und dem Erreichen der Bugfreiheit. Das Problem ist die englische Version und dort besonders die fachlichen Ausdrücke. Die Mac-Version soll als Beta Ende des Jahres, Version 1 vermutlich im Laufe des Jahre 2011 erscheinen. Erst mit einem erfolgreichen Release dieser beiden Versionen soll effektiv an der Webversion von Citavi gearbeitet werden.

Siehe auch:
Stöhr, Matti: Citavi 3 vielversprechend auf dem BID-Kongress 2010 vorgestellt
Hinweise bei Citavi auf der Homepage: Upgrade auf Citavi Pro 3



 
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10 thoughts on “Viel Neues bei Citavi 3.0

  1. Dörte Böhner

    Wer schon mal einen Blick auf den neuen Look von Citavi 3.0 werfen möchte, sollte kurz mal bei Patrick vorbeischauen:
    Citavi 3.0: Bild und Highlights

  2. Hubi

    Lieber Dörte

    Vielen Dank für diese wichtige und interessante Informationen betreffend Citavi 3.

    Von Citavi wird im Moment nichts grosses publiziert, man muss einfach warten…

    Gruss, Hubert

    • Dörte Böhner

      Hallo Hubi,

      Citavi arbeitet momentan mit Hochdruck daran, Citavi 3 fertigzustellen. Das, was ich berichten konnte stammt von einer Firmenpräsentation auf dem Bibliothekskongress.

      Gruss
      Dörte

  3. Benjamin

    “Die Arbeiten an der Webversion pausieren zugunsten der Mac-Version von Citavi.”

    Das klingt doch etwas albern, wenn man bedenkt, dass die Konkurrenz (Sente, Mendeley) Cloud-Funktionalitäten, d.h. die Zugänglichkeit der Zitationen, Kommentare und sogar PDF-Dokumente übers Internet, längst standardmäßig mitbringt…

    • Dörte Böhner

      Citavi ist eine kleine Firma und ihr Ansatz war ein anderer als der, der oben genannten Konkurrenz. Man kann streiten, ob die Mac-Version wichtiger ist als die Webversion, aber Citavi bringt bei der Bedienung einen Kompfort mit und eine Ausrichtung der Funktionalitäten auf geisteswissenschaftliche Anforderungen der Literaturverwaltung, die ich von keinem anderen Angebot kenne. Albern kann ich daher an der Prioritätensetzung von Citavi nichts finden.

  4. Benjamin

    Ok, albern war vielleicht etwas hart. Die Prioritätensetzung wollte ich gar nicht kritisieren. In Anbetracht der Tatsache, dass der Marktanteil von Macs unter Studierenden bei ganzen 37% liegt (Siehe: http://bit.ly/amjR1x) finde ich es eher erklärungsbedürftig, dass nicht schon früher in eine solche Version investiert wurde. Was mir etwas albern vorkam, war die künstliche Trennung zwischen einer Desktop- und einer Web-Version. Programme wie Mendeley, aber auch andere Tools wie Evernote etc. unterscheiden völlig zu Recht nicht zwischen den Versionen sondern machen die Daten von vorn herein auch über das Internet zugänglich.

    Wie groß die Firma hinter Citavi im Vergleich zu anderen Startups ist kann ich natürlich nicht beurteilen. Aber meiner Meinung nach ist es nicht wirklich eine Frage der Größe, ob man ein Produkt plattformunabhängig und cloud-fähig konzipiert oder langsam nacheinander an einzelnen Insellösungen arbeitet. Ich finde nämlich, dass auch wir Geisteswissenschaftler technisch mit der Zeit gehen sollten. Ich habe ja selbst einige Jahre gerne mit Citavi gearbeitet, aber dass ich nach der langen Zeit mit einem in die Jahre gekommenen Interface jetzt noch länger auf die Mac-Version warten muss, hat mich dann zur (für Geisteswissenschaftler ebefalls brauchbaren) Konkurrenz gebracht. Auch Studienanfängern, die mit einem Mac arbeiten, konnte ich nur zu Sente oder Mendeley raten. Ich fürchte einfach, dass die Citavi-Macher etwas zu konservativ und PC-zentriert denken (wie ja auch so manches Uni-Rechenzentrum) und so Chancen beim Nachwuchs verspielen…

    • Dörte Böhner

      Woran es liegt, dass man so spät auch für Mac eine Version entwickelt, kann ich nur mutmaßen. Das liegt vermutlich daran, dass die Ursprungsversions von Citavi das Programm Litrat auf Windows-Basis entwickelt wurde und man dies fortgesetzt hat. Damals waren Macs eher eine untergeordnete Gruppe. Auch die Anlage des Programms war eine Desktop-Version. Weshalb man so lange an Access und .NET festgehalten hat, weiß ich nicht.

      Eine ganz strikte Trennung zwischen Web und Citavi soll es so wohl momentan auch nicht mehr geben. So ist es wohl mit der neuen Version möglich, Daten zwischen Bibsonomy und Citavi 3 zu synchronisieren. Genauere Informationen kann man auf diesem Datenblatt oder im Citavi-Forum finden. In der Preview-Version funktionieren nur Teile der Literaturverwaltung bisher.

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