Onleihe in Thüringen schwächelt

Was haben sich Bibliotheken nicht alles vom DiviBib-Angebot Onleihe versprochen? Gern glaubte man, dass die Onleihe der Anschluss ans Internetzeitalter ist und dass nun die Bibliotheksnutzer zumindest nur so in die schöne, neue digitale Welt der Bibliotheken strömen würden. Bequem von Zuhause, 24 Stunden, 7 Tagen die Woche. Einzige Hürde sei der Bibliotheksausweis, für den man sich je nach Bibliotheksregel einmal im Jahr in die nächste Öffentliche Bibliothek begeben müsste.

Leider zeigt sich, dass dies nicht ganz so einfach ist und in Thüringen ist die Lage bei der Thüringer Internet-Bibliothek Thuebibnet drei Jahre nach Start gelinde gesagt schwierig. Annette Kasper, die Vorsitzende des Thüringer Landesverbandes im Deutschen Bibliotheksverband, äußerte sich dem MDR THÜRINGEN gegenüber zu diesem Thema. Ein leichter Anstieg bei den Online-Ausleihen lässt sich zwar verzeichnen, aber die Zahl bleibt dennoch hinter allen Erwartungen zurück. So wurden 2009 ca. 17.000 und im vergangenen Jahr rund 27.000 Ausleihen getätigt, so waren es bis Ende September des laufenden Jahres bereits etwa 24.000 Medien. Das heißt, dass wohl vermutlich bis Jahresende nicht jedes Medium in der Online-Bibliothek wenigstens einmal ausgeliehen sein wird. Derzeit werden 34.000 Medien zu Ausleihe angeboten.

Nun will man zur Belebung der recht “toten” Bibliothek eine große Plakataktion starten. Kaspers setzt darauf, dass die Bibliothek davon profitieren wird, denn wann immer für bestimmte Zielgruppen oder ein bestimmtes Angebot geworben hatte, konnte die Bibliothek Zuwächse erreichen.

Die Zahlen sind auch unbefriedigend, legt man ihnen die Zahl der beteiligten Bibliotheken zugrunde. Es beteiligen sich die Bibliotheken von Arnstadt, Erfurt, Gotha, Greiz, Ilmenau, Jena, Meiningen, Nordhausen, Schmalkalden, Sömmerda und Zella-Mehlis. Unterstützt wird das Angebot mit 20.000 Euro pro Jahr. Ob allein eine Plakataktion ausreicht, um eine akzeptable Nutzung des Angebots zu erreichen, halte ich für fraglich. Viel mehr müssen meiner Meinung nach die Nutzungsbedingungen und das Angebot des Thuebibnet überdacht und verbessert werden.

Quelle:
Thüringer Internet-Bibliothek: Kaum Leser – Werbeaktion geplant, MDR Thüringen

Teilen

Ähnliche Beiträge

5 Kommentare

  • Patrick Lürwer

    Über den Blogeintrag bin ich etwas erstaunt. Ich hätte gedacht, dass die Onleihe besser angenommen wird. Allerdings kann ich das nur aus meiner subjektiven Erfahrung heraus einschätzen – zumeist waren die Medien, die ich ausleihen wollte, bereits verliehen. Gibt es für die anderen Bundesländer ebenfalls Zahlen, die diesen Trend bestätigen würden?

    • Dörte Böhner

      Leider sind mir derzeit Zahlen anderer Bundesländer nicht bekannt, die diesen Trend bestätigen. Ich bin kein Freund der Bereitstellungspolitik hinter Onleihe (Stichwort: künstliche Verknappung), allerdings sind Services wie die App fürs Smartphone richtungsweisend. Daher würden mich Einschätzungen anderer Kollegen zu diesem Thema/Trend interessieren.

  • CH

    Ich bin auch erstaunt. Allerdings darüber, dass die Onleihe überhaupt genutzt wird. Aus einigen Bibliotheken habe ich hinter vorgehaltener Hand desaströse Nutzungszahlen verlauten hören.

    Zu den Zahlen: wenn ich richtig informiert bin und sich das Procedere in letzter Zeit nicht geändert hat, gilt ja auch ein “mal runterladen und gucken, was so drin ist” als “Ausleihe”.

    Umgerechnet auf konventionelle Ausleihen wäre das so, als würde man jedes Buch, dessen Inhaltsverzeichnis ein Nutzer mal kurz ansieht, oder das er mal eben durchblättert, für eine Woche aus dem Bestand nehmen und das als Ausleihe verbuchen.

    Das Angebot ist und bleibt eine verdammt teure PR-Aktion. Die so langsam auch noch nach hinten losgeht.

    Ist die Onleihe eigentlich auch ein potentielles Thema für die Rechnungshöfe? Es sind ja ganz schöne Summen, die da Richtung Divibib aus dem Fenster geworfen werden.

  • Ich kann auch nur von den Berichten einiger KollegInnen (die an der onleihe teilnehmen) darauf schließen, dass dieser Dienst ziemlich “hochgejubelt” wird und die tatsächlichen Zugriffszahlen “steigerungsfähig” sind. Für gewöhnlich ist “steigerungsfähig” ein Euphemismus für Flop.
    Ähnliches gilt übrigens für die kostenplichtige Datenbank Munziger Archiv, die primär BibliothekarInnen begeistert und in Konsortien angeboten, von Normalsterblichen aber eher links liegen gelassen wird. Wikipedia tut’s meist auch, führt deutlich schneller zu einem Ergebnis und ist kostenlos (die bekannten Nachteile stören nicht weiter)

  • Pingback: Gelesen in Biblioblogs (41.KW’11) « Lesewolke