Location Based Services?

Sind Location Based Services wie Foursquare oder LocalMind etwas für Bibliotheken?

Verschiedene Bibliotheken setzen FourSquare bereits ein, z.B. die ETH-Bibliothek Zürich, die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg und die ZBW (Kiel, Hamburg). Dieses ist das weitverbreiteste Tool. Besonders der spielerische Aspekt soll Nutzer zum Einloggen animieren. So kann man dort Punkte sammeln, um z.B. Bürgermeister (Major) eines Ortes zu werden. Dort teilnehmende Institutionen können auch Bonusprogramme (z.B. Gratiskaffee beim zehnten Einloggen, Gratisbuch oder USB-Stick beim Einloggen in eine Bibliothek als Willkommensgeschenk) und Gewinnspiele ausloben.

LocalMind ist weniger bekannt, bietet aber für Bibliotheken sicherlich die bessere Alternative für einen Location Based Service. Man könnte in diesem Angebot eher ein digitales Auskunftstool sehen. Nutzer loggen sich für einen bestimmten Ort ein und können dann an die dort vorhandenen Nutzer Fragen stellen. Für die Beantwortung einer Frage gibt es dann als Belohnung Punkte.

Die Einrichtung eines Accounts ist für Institutionen problemlos möglich. Sie können als “Besitzer eines Venues” (Foursquare) auftreten. Die Nutzer der Bibliothek müssen jedenfalls einen Account besitzen, um sich in den Ort einzuloggen. Kosten entstehen dabei für beide Seiten nicht.

Für Bibliotheken liegt der Aufwand bei der Erstellung von Tipps zur Location und dem regelmäßigen aktualisieren der Informationen zur Einrichtung in einem recht überschaubaren Rahmen. Hinzu kommt jedoch eine Sicherstellung der Verfügbarkeit (Online sein) mit einem geeigneten (mobilen?) Gerät. Zudem kann das Angebot mit anderen Social-Media-Accounts verknüpft werden, was sicherlich die Sichtbarkeit der Bibliothek im Social Media-Umfeld erhöht. Doch viele Nutzer empfinden Statusmeldungen von Foursquare als Spam und reagieren darauf negativ. Zudem muss in der Bibliothek ein Umfeld geschaffen sein, dass ein aktives Aufgreifen der sich ergebenen Kommunikationsmöglichkeiten erlaubt, sprich es muss mindestens eine Person regelmäßig und möglichst zeitnah Rückmeldungen geben können.

Location Based Services erlauben über den spielerischen Aspekt eine engere Kundenbindung, die jedoch eher für kommerzielle Nutzer von Interesse sein kann. Kundenbindung für Bibliotheken wird vermutlich dadurch weniger erreicht, weil die Gründe für die Nutzung einer Bibliothek andere sind. Durch die Bewertungsfunktion kann jedoch die Location ein positives Image aufbauen (oder auch verlieren…), welches eben nicht auf “Eigenwerbung” beruht. Je mehr Nutzer sich dort einloggen, desto eher wird die “Bibliothek als Treffpunkt” sichtbar. Diese Apps können von unseren Lesern genutzt werden, um sich zu verabreden oder Arbeitsgruppen spontan zusammenzurufen.

Desweiteren könnte z.B. LocalMind als ein weiterer Kommunikationskanal für die Auskunft angesehen werden. Zudem bieten sich diese Services für ein Monitoring an, da dort die Meinungen unserer Besucher konkret zu unserem Ort gebündelt werden. Die Services, zumindest Foursquare, bieten auch Nutzerstatistiken an und eine E-Mail-Benachrichtigung bei Aktivitäten.

Genug Vorteile aufgezählt? Sind Sie begeistert? Dann kommen wir jetzt zu den problematischeren Bereichen dieser Services.

Diese Services ermöglichen es, bei häufigem Einloggen ein Bewegungsprofil zu erstellen. Unsere Nutzer werden dazu verleitet, persönliche Daten herauszugeben, ggf. auch Mitarbeiter, die sich als Person zu erkennen geben wollen. Wenn man bei Facebook in Bibliotheken von einem Sündenfall spricht, konzentriert man sich auf AGB und das Thema Datenschutz, so wird es bei Foursquare noch problematischer. Die Server stehen in den USA. Die verwendeten AGBs (Foursquare, LocalMind) sind primär auf amerikanisches Recht ausgelegt, wenn auch kleinere Abschnitte ans europäische Recht angepasst worden sind. Dennoch verlieren die Nutzer alle Rechte am eingestellten Content. Foursquare selbst ist nur für einen kleinen Betrag haftbar zu machen, sollte es zu Rechtsverletzungen kommen. Der Rest wird auf den entsprechenden Nutzer abgewälzt. Die von den Nutzern hinterlegten Daten können komplett von Foursquare und LocalMind ausgewertet werden, für den Verkauf der Daten an Dritte und für personenbezogene Werbung.

Hier sind wir als Bibliothekseinrichtung gefragt. Nutzen wir diesen Service? Verleiten wir unsere Nutzer, solche Servies zu verwenden? Oder lehnen wir eine solche Nutzung ab und klären auf? Wie gehen wir mit neuen Diensten um? Probieren wir einfach aus oder prüfen wir die AGBs und entscheiden dann, was mehr zählt: Die Vorteile, die wir durch eine solche Nutzung gewinnen, oder die Nachteile und rechtlichen Probleme? Sind wir enthusiastisch und probieren aus oder zögerlich und ablehnend? Schauen wir, wie viele Nutzer sich für ein Angebot finden (bei Location Based Services ist der Zuspruch noch sehr gering)?

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