Bibliotheken in der Wüste am Beispiel der Stadt Timbuktu (Mali)

9.03.2010 | von Wolfgang Kaiser | 4 Kommentare » |

En Afrique, quand un vieillard meurt, c’est une bibliothèque qui brûle.  In Africa, when an old man dies, it's a library burning. Jedes Mal, wenn in Afrika ein Greis stirbt, brennt eine Bibliothek. (Amadou Hampaté Bâ, 1960 at l'UNESCO) Dieses Zitat, welches u.a. in einer Daueraustellung des Pigorini National Museum of Prehistory and Ethnography in Rom verwendet wird und vom wohl bekanntesten malinesischen Schrifsteller Amadou Hampaté Bâ stammt, bestimmt nach wie vor den eurozentrischen Blick auf den Kontinent Afrika, dass das kulturelle Gedächtnis von Stämmen und Kulturen nur alleine aus der oralen Tradition heraus weitergegeben wird und die Erwähnung der Existenz einer Schriftkultur bisher kaum thematisiert wurde. Es wurde dabei aber außer Acht gelassen, dass es beispielsweise in Mali, aber auch in anderen Ländern bereits seit dem 11. Jahrhundert eine Schreibkultur gibt, die weit über den Koran hinausging und wissenschaftliche und philosophische Schriften beinhaltete. John Hunwick, ein englischer Professor für Afrikawissenschaften, Religion und Geschichte, sprach vom "song and dance" Stereotyp, das heutzutage weiterhin über den Kontinent Afrika verbreitet ist. Er merkte dazu folgendes an: "We want to demonstrate that Africans think and write and have done so for centuries." (Wir wollen zeigen, dass Afrikaner seit Jahrhunderten denken und schreiben.) Der südafrikanische Historiker und Autor des Buchs "The Meanings of Timbuktu", Shamil Jeppie, gibt pauschal den Kolonialisten aus Europa die Schuld die geistige Geschichte Westafrikas verdrängt zu haben. Hierzulande werden im Volksmund Timbuktu und die  Walachei gerne in einem Atemzug genannt, wenn sprichwörtlich jemand eine ungeliebte Person ins Nirgendwo schicken will. Timbuktu wurde ...

Bibliothek des Jahres 2009 der Niederlande: das “Library Concept Center” in Delft

9.01.2010 | von Wolfgang Kaiser | 4 Kommentare » |

Am 18. Dezember 2009 wurde dem innovativen  Library Concept Center in Delft der Titel De Beste Bibliotheek van Nederland 2009 verliehen. Im Rahmen einer Preisverleihung, die in Utrecht stattfand,  hielt Frank Huysmans die Laudatio. Besonders spannend und attraktiv empfand ich im Rahmen meines Besuchs Anfang November 2009 den Jugend- (Dok jeugd), den Musik-  (Dok muziek) und Filmbereich (Dok film), sowie die Caféteria. Auf der Webseite Flickr finden sich seit Baubeginn 2005 fast 7.000 Fotos über die Aktivitäten der Bibliothek, die weit über normale  Leseveranstaltungen hinausgehen und die unterschiedlichsten Zielgruppen erreichen.  Darüber hinaus gibt es noch ein Kunstzentrum (Dok kunst), zu dem auch eine Arthothek gehört. Es finden regelmäßig Wechselausstellungen statt. Übrigens arbeiten dort Künstler und keine KunstbibliothekarInnen, die für die Ausleihe, Beratung, den Bestandsaufbau und die Konzeption von Ausstellungen zuständig sind. Außerdem  verfügt die Bibliothek neben dem zentralen Standort im Herzen von Delft noch über zwei weitere Einrichtungen: das DOK Tanthof und das DOK Vorhoof. Obwohl das Gebäude des DOK Library Concept Centers erst seit 2007 existiert, gewann es seitdem jährlich Preise.  Auf der niederländischen Version der Webseite heißt es Op naar de modernste bibliotheek ter wereld! - auf zur modernsten Bibliothek der Welt! Der Slogan der Bibliothek lautet de wereld te leen - im Sinne von "man kann sich dort die Welt ausleihen". Einen Blick auf die Webseite kann ich nur empfehlen, denn sie bietet eine große Vielfalt an Informationen und Dienstleistungen, wie ich sie bisher selten fand. Im Folgenden werden die Bibliotheken tabellarisch angezeigt, welche die Plätz zwei bis zehn belegten: 1. Delft 8.3 2. Amsterdam 8.2 2. Stadskanaal 8.2 4. Lelystad 8.1 5. Heerhugowaard 8.0 6. ...

Silvester 2009/ Neujahr 2010

31.12.2009 | von Dörte Böhner | Keine Kommentare » |

Das Autorenteam von Bibliothekarisch.de wünscht allen einen schönen (wenn gewollt ruhigen) Silvesterabend und einen guten Start ins Jahr 2010, das hoffentlich allen, die fieberhaft danach suchen, Arbeit bringt, mehr Zweisamkeit und was sonst so für dieses Jahr sich gewünscht wird. [caption id="" align="aligncenter" width="500" caption="Feuerwerk"][/caption] Wir danken allen Lesern für ihre Treue im ablaufenden Jahr und werden unser möglichstes tun, Sie im nächsten Jahr mit neuen, interessanten Beiträgen informieren zu können.

Frohe Festtage

24.12.2009 | von Dörte Böhner | Keine Kommentare » |

Liebe Leser und Leserinnen, [caption id="" align="aligncenter" width="375" caption="Heiligabend"][/caption] wir wünschen Ihnen ein paar besinnliche Feiertage, einen kräftigen Magen für die feinen Sachen, die an diesen Tagen den Weg auf den Tisch finden, und ein paar schöne Stunden im Kreise der Lieben. Ihr Autorenteam von Bibliothekarisch.de

[Adventskalender] 24. Dezember

24.12.2009 | von Katharina Lachmann | 2 Kommentare » |

Des Forschers Heiligabend oder: Deadline 24th December Gerhard Frank [caption id="" align="alignright" width="240" caption="Frohes Fest"][/caption] Es ist schon still im Institut, sogar das Telefax jetzt ruht. In sanftem Licht bei schwachem Scheine stehen die Terminals alleine. Schneeflocken fallen leis' und sacht', weil das der Bildschirmschoner macht, ganz lautlos über'n Monitor. Kein Druckerschnarren dringt an's Ohr, nur die Standby-Diode brennt und flackert leicht. Es ist Advent. Da schließt der Forscher ohne Eil' g'rad' noch sein letztes Backupfile. Und als er legt die Akten hin, geht ihm so manches durch den Sinn. Er denkt an die Vergangenheit: "Von wegen gute alte Zeit! Manch' Stund' hat man mit Zeug verbracht, das heut' der Rechner ruck-zuck macht." Er denkt mit mitleidsvoller Mine an Blaupapier und Schreibmaschine und an das Warten auf die Post - wochenlang von West nach Ost. Heut' mit dem Fax, da geht das fix, und E-Mail erst: null-komma-nix, schon sind die Daten über'n Bus. So kommt er zu dem festen Schluß: "Heut' hat man's besser, keine Frage!" Und jetzt geht's in die Feiertage. Er hatte sich fest vorgenommen, nicht allzu spät nach Haus zu kommen. Heiligabend muß vor allen Dingen ihm Ruhe und Erholung bringen. Doch als er sich zum Heimgeh'n wandt', fällt ihm sein Schlüssel aus der Hand.

[Adventskalender] 23. Dezember

23.12.2009 | von Doreen Thiede | Keine Kommentare » |

Die Weihnachtsmaus James Krüss Die Weihnachtsmaus ist sonderbar (sogar für die Gelehrten), denn einmal nur im ganzen Jahr entdeckt man ihre Fährten. Mit Fallen oder Rattengift kann man die Maus nicht fangen. Sie ist, was diesen Punkt betrifft, noch nie ins Garn gegangen. Das ganze Jahr macht diese Maus den Menschen keine Plage. Doch plötzlich aus dem Loch heraus kriecht sie am Weihnachtstage. Zum Beispiel war vom Festgebäck, das Mutter gut verborgen, mit einem Mal das Beste weg am ersten Weihnachtsmorgen. Da sagte jeder rundheraus: "Ich hab es nicht genommen! Es war bestimmt die Weihnachtsmaus, die über Nacht gekommen." Ein andres Mal verschwand sogar das Marzipan von Peter, was seltsam und erstaunlich war, denn niemand fand es später. Der Christian rief rundheraus: "Ich hab es nicht genommen! Es war bestimmt die Weihnachtsmaus, die über Nacht gekommen." Ein drittes Mal verschwand vom Baum, an dem die Kugeln hingen, ein Weihnachtsmann aus Eierschaum nebst andern leckren Dingen. Die Nelly sagte rundheraus: "Ich habe nichts genommen! Es war bestimmt die Weihnachtsmaus, die über Nacht gekommen." Und Ernst und Hans und der Papa, die riefen: "Welche Plage! Die böse Maus ist wieder da, und just am Feiertage!" Nur Mutter sprach kein Klagewort. Sie sagte unumwunden: "Sind erst die Süssigkeiten fort, ist auch die Maus verschwunden!" Und wirklich wahr: die Maus blieb weg, sobald der Baum geleert war, sobald das letzte Festgebäck gegessen und verzehrt war. Sagt jemand nun, bei ihm zu Haus - bei Fränzchen oder Lieschen - da gäb es keine Weihnachtsmaus, dann zweifle ich ein bisschen! Doch sag ich nichts, was jemand kränkt! Das könnte euch so passen! Was man von Weihnachtsmäusen denkt, bleibt jedem überlassen!

[Adventskalender] 22. Dezember

22.12.2009 | von Dörte Böhner | Keine Kommentare » |

Vom Schenken Joachim Ringelnatz [caption id="" align="alignright" width="240" caption="Schneemann"][/caption] Schenke groß oder klein, aber immer gediegen. Wenn die Bedachten die Gabe wiegen sei dein Gewissen rein. Schenie herzlich und frei. Schenke dabei, was in dir wohnt an Meinung, Geschmack und Humor, so daß die eigene Freude zuvor dich reichlich belohnt. Schenke mit Geist ohne List. Sei eingedenk, daß dein Geschenk du selber bist.

Aus aktuellem Anlass: Kulturstreiks auch in den Bibliotheken von Paris

21.12.2009 | von Wolfgang Kaiser | Keine Kommentare » |

Bereits im April und Mai diesen Jahres gab es Streiks verschiedenster Bibliotheken - ob an der Universität in Marne-la-Vallée oder an der Universität Paris VIII (Vincennes Saint-Denis) oder auch anderswo. Hintergrund der Streiks, die sicherlich weiter fortgesetzt werden, ist das 2007 von Nicolas Sarkozy lancierte RGPP (Révision générale des politiques publiques). Das RGPP will vor allem eine Moderniersierung und Flexibilisierung der Verwaltung und des öffentliches Beamtenapparates erreichen. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es noch sehr viele beamtete BibliothekarInnen in Frankreich. Selbst in anderen Bereichen des öffenliches Dienstes gibt es in der Bundesrepublik Deutschland aufgrund von (Teil-) Privatisierungen im öffentlichen Dienst und der Schröpfung von Beamtenstellen weitaus weniger Beamte als in Frankreich. Auf dem Bild unten ist das Nationalsymbol Frankreichs - die Marianne - abgebildet, wie sie aus einer Flasche gefüllt mit "RGPP-Reformen" trinkt. Das eigentliche Nationalsymbol ist die Trikolore, aber ebenso die Marianne, welche sehr häufig mit einer Jakobinermütze abgebildet ist. Die Mütze ist eine Allegorie der Freiheit und der Republik. Das Bild soll verdeutlichen wie die Generalrevision des öffentlichen Dienstes auf Gemeingüter übergreift, die zu Frankreich gehören wie die Trikolore oder die Marianne. Selbstverständlich ist es ohne Provokation in unserer globalen Mediengesellschaft immer schwerer auf Mißstände aufmerksam zu machen. Auf dem ersten Blick sind diese Ziele meiner Ansicht nach keineswegs “streikwürdig“. Es wird auch die mangelnde Informationspolitik beklagt, da viele BibliothekarInnen sich oftmals vor vollendete Tatsachen gestellt fühlen, obwohl die Webseite der Regierung über die RGPP versucht Transparenz und Aufklärung zu vermitteln. Die Verwaltungen sollen stärker an die Bedürfnisse der Benutzer angepasst werden, was ...

[Adventskalender] 21. Dezember

21.12.2009 | von Dörte Böhner | Keine Kommentare » |

Weihnachten 1944 (Als ich keinen Urlaub bekam) Heinz Erhardt [caption id="" align="alignright" width="160" caption="Winternacht"][/caption] Wenn es in der Weltdezembert und der Mond wie ein Kamembert gelblich rund, mit etwas Schimmel angetan, am Winterhimmel heimwärts zu den Seinen irrt und der Tag stets kürzer wird - sozusagen wird zum Kurztag - hat das Christkindlein Geburtstag! Ach, wie ist man dann vergnügt, wenn man einen Urlaub kriegt. Andrerseits, wie ist man traurig, wenn es heißt: "Nein, da bedaur ich!" Also greift man dann entweder zu dem Blei oder der Feder und schreibt schleunigst auf Papier ein Gedicht, wie dieses hier: Die Berge, die Meere, den Geist und das Leben hat Gott zum Geschenk uns gemacht; doch uns auch den Frieden, den Frieden zu geben, das hat er nicht fertiggebracht! Wir tasten und irren, vergehen und werden, wir kämpfen mal so und mal so ... Vielleicht gibt's doch richtigen Frieden auf Erden? Vielleicht grade jetzt? -- Aber wo? ... Quelle: Das große Heinz Erhardt Buch, Bertelsmann Club, 1984, S. 307-308

[Adventskalender] 20. Dezember

20.12.2009 | von Doreen Thiede | Keine Kommentare » |

Ein Winterabend Georg Trakl [caption id="" align="alignright" width="240" caption="Winterabend"][/caption] Wenn der Schnee ans Fenster fällt, Lang die Abendglocke läutet, Vielen ist der Tisch bereitet Und das Haus ist wohlbestellt. Mancher auf der Wanderschaft Kommt ans Tor auf dunklen Pfaden. Golden blüht der Baum der Gnaden Aus der Erde kühlem Saft. Wanderer tritt still herein; Schmerz versteinert die Schwelle. Da erglänzt in reiner Helle Auf dem Tische Brot und Wein.