Forschungsbibliothek in Gotha beherbergt "Interventionen"

Ich freue mich schon auf unsere Exkursion am 02. September nach Gotha in die Forschungsbibliothek auf Schloss Friedenstein. Ich bin nicht nur auf die Bibliothek neugierig, sondern auch auf die Ausstellung der Studierenden des Fachbereichs Kunst der Universität Erfurt. Diese stellen seit dem 13. Juli ihre Arbeiten in der Forschungsbibliothek aus. „Interventionen“ lautet der Titel ihrer Ausstellung.

Unter dem Projekt-Titel “Die Bibliothek als Labor” setzten sich die Studierenden im Sommersemester diesen Jahres mit den Beständen der Bibliothek und der Geschichte ihres Gebäudes, dem Schloss Friedenstein, auseinander. Lelah Ferguson, Marina Sawal und Stefan Wilke, die das Projekt betreuten, präsentieren Performances, Video-Arbeiten, Skulpturen sowie Klang-Installationen in dieser Ausstellung.

Die 18 Kunstprojekte sind sehr unterschiedlich.

So versucht ein Projekt von Corinna Kaiser, die spezifischen Gerüche der Räume und der Gegenstände einzufangen und zu katalogisieren. Und Julia Roth will an den Wert des Buches als bedeutenden Kulturschatz erinnern. Ihre Audio-Installation ist außerdem eine treffende Hommage an alle “Pssssssst”-sagende Bibliothekarinnen.

Wer selbst diese Ausstellung besuchen möchte, kann jeden Mittwoch an Führungen durch die Ausstellung teilnehmen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 13. Oktober.

Quellen:
„INTERVENTIONEN“ IN DER FORSCHUNGSBIBLIOTHEK : Studierende des Fachbereichs Kunst der Universität Erfurt zeigen ihre Arbeiten in Gotha, Magazin Gotha (Juli 2011)
Eberlein, Susann: Ausstellung “Interventionen” auf Schloss Friedenstein eröffnet, Thüringer Allgemeine, 14. Juli 2011

Aufmerksam geworden über:
Nospers, Claudia: “Interventionen” in der Forschungsbibliothek, Archiv

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Bücher als Dekor

Der Weg, dass aus Büchern Dekor1 wird, ist gar nicht so weit weg. Das “Kinderboekenmuseum” in Den Haag verwendet ausgemusterte, nicht mehr gelesene Bücher für die Wandgestaltung.

Kinderboekenmuseum in Den HaagVon Pascal \o/ unter einerCC-BY-NC

Das Museum bekam für seine Kinderbuchausstellung so viele Bücher, die vermutlich niemand mehr lesen würde, so dass es gar nicht mehr wusste, wohin damit. Die Lösung war, die Bücher für die Wandgestaltung der des Kinderbuchmuseums in The Hague zu nutzen. Somit waren 40.000 Bücher effektvoll untergebracht.

How do you mount a museum exhibit about books, when supposedly no one reads them anymore? One answer: Turn them into decoration. Horizontal gestapelt wirken sie wie eine Festung der Printgeschichtet. Drumherum wurde ein Schloss mit modernen digitalen Medien errichtet mit jeder Menge interaktiver Spiel und modernen Rechnern, an denen die Kinder ihre eigenen Märchenfiguren erschaffen können – womit ein Anreiz geschaffen werden soll, dass die Kids auch heute neugierig aufs Lesen werden.

Entworfen wurde die “Papiria, das Land der Kinderbücher” vom dänischen Designstudio Grob Enzo in Zusammenarbeit mit dem Museum. Fotos und Infos zum Konzept (in niederländisch) sind auf der niederländischen Platvorm zu finden.

Quelle:
Labarre, Suzanne: A Museum Exhibit On Books, Made Of 40,000 Books, Fast Company’s Co.Design

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  1. Punkt 4 der Statements unter “Was soll sich in den nächsten fünf Jahren in Bibliotheken ändern?” hier im Blog. []

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Pop-Up Bücher Ausstellung im Bowdoin College: nicht nur für Kinder

In der Bibliothek des Bowdain College in Brunswick, Maine findet eine Ausstellung über Pop-Up Bücher statt. es handelt sich um eine Sammlung eines ehemaligen Studenten: Harold M. Goralnick.

Neben dem Video, bietet die Bibliothek auch eine Virtuelle Führung auf ihrer Seite.

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[Veranstaltungshinweis] Leipziger Bibliothek zeigt Lesezeichen aus aller Welt

In der Leipziger Bibliothek Plagwitz in der Zschocherschen Straße können zur Zeit in einer Ausstellung „Lesezeichen aus aller Welt“ bewundert werden. Diese zeichnen sich durch eine Vielfalt von Farben, Formen und den Materialien aus. Es gibt Exponate aus Textilien mit persönlich gedachten Stickereien und Lesezeichen aus Metall mit interessanten Kunst-Motiven. Andere Lesezeichen bestehen aus unterschiedlichen Kunststoffen und natürlich gibt es viele aus Papier. Ein Schwerpunkt liegt zudem auf Lesezeichen für Kinder mit Bastelanleitungen oder auch ein Lesezeichen-Puzzle, das aus mehreren Lesezeichen zusammengesetzt wird.

Zur Verfügung gestellt werden diese Exponate durch die private Sammlerin Rosemarie Abel aus Duisburg, die vor 25 Jahren begann, Lesezeichen statt Postkarten aus dem Urlaub als Erinnerungsstück mitzubringen. Auch eBay ermöglichte es ihr, ihre Sammlung zu erweiteren. Über dieses Internetauktionshaus erhielt sie Kontakt zu Sammlern aus vielen Ländern. Die ältesten Exemplare ihrer umfangreichen Sammlung sind inzwischen 140 Jahre alt.

Seit 2007 stellt Rosemarie Abel ihre Lesezeichen aus. Auf die Bibliothek Plagwitz als Ausstellungsort ist sie über das Internet aufmerksam geworden – in diesem Haus voller Bücher wollte sie Ihre Sammlung unbedingt präsentieren.

Kerstin Andruschow, welche die Ausstellung vor Ort betreut, begeistert sich für die Lesezeichen aus Belgien, die dort als Andenken verkauft und geklöppelten Lesezeichen nachempfunden werden. Aber auch die Metalllesezeichen gefallen ihr, da sie kunstvoll verarbeitet worden und eher ein ungewöhnliches Material sind.

Wenn Sie neugierig geworden sind, können Sie die Ausstellung während der Öffnungszeiten der Bibliothek (Mo, Di, Do, Fr: 10-18 Uhr, Mi: 13-18 Uhr) noch bis zum 31.März besuchen.

Quelle:
Bibliothek Plagwitz zeigt Lesezeichen aus aller Welt , Leipzig Fernsehen

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Bücher brennen bei 233 Grad Celsius

Bücher sind mehr als nur Bücher. Sie gibt es inzwischen hochklassig digitalisiert, multimedial gefasst im Internet. Es ist schon faszinierend, z.B. die Manessische Handschrift im Netz durchblättern zu können, wo doch das Original für zu kostbar ist, um es jedermann zugänglich zu machen. Das digitale Buch dabei kann sogar aus kleinen schwarz-weiß bedruckten Flächen vor einer Webcam bestehen, die auf dem Computerbildschirm dann Poesie erzeugen.

Sprache und Literatur wandeln sich mit den Möglichkeiten der neuen Medien. Diesen Wandel erkundet der Kunsttemple mit seiner Ausstellung “233° – eine andere Bibliothek”. Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf Ray Bradburys Verfilmung von François Truffauts Science-Fiction-Roman “Fahrenheit 451”, in dem jeder Bücherbesitz verboten ist und durch andere Medien ersetzt wird. Bei 233 Grad ist die Temperatur erreicht, bei der Bücher verbrennen.

Die Fragestellung ist dahinter, was Bibliotheken bieten könnten, wenn alle Bücher verbrannt sind. Da wären Hörbücher, Verfilmungen von Gedichten und Lyrik im Netz, per Zufallsgenerator entstandene Poesie. Gezeigt wird auch, wie die Grenze zwischen Buchseite und Bildschirm verschwindet, wie in dem Projekt von Amarant Borsuk und ihrem Mann Brad Bouse, beide Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, USA. Sie stellen im Kunsttempel ihre Internet-Animation “www.betwenpageandscreen.com” vor.

Entspricht bei ihrem Projekt noch die Form dem Inhalt?

Ihre Computer-Animation (unter betweenpageandscreen.com), die sich per Buch steuern lässt, hat etwas so Spielerisches, wie sich die beiden Liebenden mit Worten umkreisen.

Auch andere Kuriositäten lassen sich in der Vernisage bewundern. So gibt es die mit 400 Bänden größte Schüttelreim-Sammlung zu bewundern, die Manfred Hanke der Stiftung Brückner-Kühner überlassen hat. Die steht ausnahmsweise ganz konventionell im Bücherregal. Dann gibt es Filmrequisiten zu bewundern, die vom Berliner Buchbinder Markus Rottmann hergestellt wurden und unter denen sich u.a. Hitlers Dokumentenmappe aus der Eichinger-Produktion „Der Untergang“ und Dachauer KZ-Akten aus Scorseses Drama „Shutter Island“ befinden.

Die Vernissage läuft bis zum 21.11. im Kunsttempel, Friedrich-Ebert-Str. 177, Kassel statt und kann von Donnerstag bis Sonntag von 15.00 – 18.00 Uhr besucht werden. Führungen werden nach Vereinbahrung angeboten (Tel. 0561/24304).

Quelle:

Busse, Mark-Christian von : Jenseits der Gutenberg-Galaxie, HNA.de

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Wo die Bücher wachsen

Im kanadischen Jardin de Metis auf einer Waldlichtung steht der “Jardin de la Connaissance”, ein Kunstprojekt das zum internationalen „Festival des Jardins de Metis“ entstand ist. Ein Kunstprojekt mitten im Wald?

Ja und zwar eines, das aus 40.000 Büchern (etwa 35 Tonnen) besteht. Aus den Büchern entstanden Wände, Bodenbeläge und Bänke, die zusammen Räume bilden. So entstand in Kanada mitten im Wald eine Bibliothek aus alten Büchern. Diese Bücher stammen aus verschiedenen Bibliotheken, aus deren Bestand sie ausgesondert worden sind.

Die Idee zu diesem Projekt stammt von dem Landschaftsarchitekten Thilo Folkerts und dem Künstler Rodney Latourelle. Auf der Homepage von Folkers wird der “Jardin de la Connaissance” als sinnlicher Lesesaal, als Bibliothek, als Informationsträger und als eigene Welt des Wissens beschrieben. Dem Festivalthema Paradies folgend wurde hier ein Garten geschaffen, der sich im Konzept der mystischen Verbindungen zwischen Wissen und Natur bedient. Dem Motto des paradiesischen Gartens folgend sind auf einigen der Bücher Pilze kultiviert worden, um die Vergänglichkeit und den Zerfall von Wissen zu symbolisieren. Es handelt sich dabei im übrigen um Speisepilze, für deren Kultivierung die Bücher vorher befeuchtet werden mussten, um das Wachstum der Pilze zu garantieren.

Dies ist ein Projekt, welches zeigt, dass man in Räumen nicht nur Bücher beherbergen kann, sondern auch Räume aus Büchern bauen kann. Bei der Betrachtung der Bilder hat man nicht das Gefühl, dass der “Jardin de la Connaissance” ein Fremdkörper im friedlichen Wald ist, vielmehr scheint er auf beeindruckende Weise mit seiner Umgebung zu verschmelzen. Ein beeindruckendes Kunstprojekt das dort in Kanada entstanden ist.

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Wissensstädte – Bibliotheken in Afrika: Eine Ausstellung über die Geschichte und die Gegenwart von Bibliotheken in afrikanischen Städten noch bis 31.07.10 im ZMO Berlin

Bereits seit dem 11. Januar und noch bis zum 31. Juli 2010 ist im Zentrum Moderner Orient in Berlin-Nikolassee die Ausstellung Wissensstädte – Bibliotheken in Afrika: über die Geschichte und die Gegenwart von Bibliotheken in afrikanischen Städten zu sehen. Sie wurde von  Brigitte Krause, Robert Liebscher und Tobias Mörike konzipiert. Ein Besuch der Ausstellung ist nur werktags zwischen 10 – 16 Uhr möglich.

Das ZMO (Zentrum Moderner Orient) ist übrigens die einzige Forschungseinrichtung Deutschlands, die sich interdisziplinär und in historisch-vergleichender Perspektive mit dem Nahen Osten, Afrika, Süd- und Südostasien auseinandersetzt. Im Fokus der Forschung steht die Interaktion überwiegend islamisch geprägter Gesellschaften sowie deren Beziehungen mit den nicht-islamischen Nachbarregionen. Momentan ist dort noch eine Stelle als Praktikant in der Bibliothek ausgeschrieben. Bei letzterer geht es um die wissenschaftliche Erschließung von Archivmaterialien aus dem Nachlass von Prof. Dr. Gerhard Höpp über ein elektronisches Findbuch.

Auf dem 72. PEN-Kongress 2006 in Berlin, an dem ich damals  im Berliner Ensemble teilnahm, meinte die südafrikanische Literaturnobelpreisträgerin von 1991, Nadine Gordimer, dass es in Afrika immer noch viel mehr Investitionen in Gewehre als in Bücher gibt. Ihrer Meinung nach kann das “Grundrecht auf Kultur” nur gewährleistet werden, wenn außer den Schriftstellern, der Literatur in afrikanischen Muttersprachen,  auch die Leser und das Lesen mehr gefördert werden würde. Über die Lese- und Buchkultur in ihrem Heimatland Südafrika äußerte sie sich damals  sehr kritisch:

“Bücher sind in Afrika unverhältnismäßig teuer, weil die meisten aus dem Ausland kommen. Es gibt etwa in Südafrika kaum öffentliche Bibliotheken und die Buchläden sind monopolistisch in der Hand einer einzigen Ladenkette. Lange Zeit war Mandelas Autobiografie “Der lange Weg zur Freiheit” in seinem Land doppelt so teuer wie in England oder Amerika. Nachdem die Freiheit der Meinungsäußerung gesichert ist, regiert nun der Markt. Wir haben immer wieder daran appelliert, die Importzölle auf Bücher abzuschaffen. Es ist uns nur für Sachbücher gelungen, nicht für Literatur und Poesie. Es bräuchte eine große Bewegung unter Schriftstellern und Erziehern.”

Abschließend  forderte sie die Initiierung einer neuen Bewegung, die sich diesen Problemen stärker widmet. Weiterlesen

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Ingolstädter Stadtmuseum stellt Funde zu einer spätmittelalterlichen Keramikwerkstatt aus

[update] Natürlich findet die Ausstellung im Stadtmuseum von Ingolstadt statt und nicht in der Stadtbibliothek. Das war wohl ein freudscher Verschreiber, denn eigentlich hätte sich hier vielleicht auch eine Zusammenarbeit angeboten. [/update]

Archäologen fanden bei Ausgrabungen in der Konviktstraße einen spektakuläreren, in Süddeutschland einmaligen Fund. Sie konnten eine spätmittelalterliche Keramikwerkstätte mit Ofen, Geräten, Modellen und fertigen Kacheln sichern und nun ist es dem Stadtmuseum erstmals möglich, Ingolstadt aus der Perspektive eines Handwerksbetriebes zu zeigen.

Zwar ist über den betreffenden Hafner bzw. Töpfer nichts genaueres bekannt, aber die Werkstatt selber muss mindesten über acht Jahrzehnte produziert haben, bevor sie ganz plötzlich nicht mehr betrieben wurde. Dies beweist eine riesige Menge Kacheln, welche auch zeigen, dass dieser Betrieb gegen Ende des 15. Jahrhunderts eine hoch spezialisierte Keramikwerkstätte gewesen war. Abnehmer waren Herzogschlösser, das Ingolstädter Münsters und die Universität. Der Betrieb produzierte großen Stückzahlen an Kacheln in hervorragender Qualität. Daher trägt die Sonderausstellung in der Stadtbibliothek den Titel trägt: “Meisterwerke in Serie – Kunst und Handwerk einer Residenzstadt”. Der gefundene Ofen selbst wird in Zusammenarbeit mit dem Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim in mehreren Schritten während der Ausstellung in Ingolstadt wieder aufgebaut.

Einen kurzen Einblick bietet auch das Video zur Ausstellung: Neue Ausstellung im Stadtmuseum Ingolstadt.

Jetzt am Anfang der Ausstellung kommen auch die Bibliophilen auf ihre Kosten. Spektakulär ist auch das wertvollste Ausstellungsstück – geradezu eine Sensation:

Mit zwei Millionen Euro ist die Heidelberger Prunkhandschrift “Codex Palatinus Germanicus 146” versichert. Sie ist in den ersten Wochen der Ausstellung, die vom 28. Februar bis 12. September dauert, zu bewundern. Der Psalter – also ein Buch, das Psalmen beinhaltet – ist um 1400 entstanden und laut Schönewald somit gut 100 Jahre vor Luthers Übersetzung der Bibel der erste deutschsprachige Psalter, der eben zudem noch in Ingolstadt geschrieben wurde.

Die Leiterin des Stadtmuseums streicht dabei den Verdienst ihres Vorgängers Herrn Siegfried Hofmann heraus, dem es gelungen sei, die Verwandtschaft der Heidelberger Prunkhandschrift mit der Ottheinrich-Bibel aus der Bibliothek von Ingolstadts Herzog Ludwig des Gebarteten (1368 bis 1447) festzustellen. Grundlage dafür war ein Internet-Handschriftabgleich. Auf Grund dieses Vergleiches ließe sich die Entstehungsgeschichte des Psalters zu den herzöglichen Schreibstuben zurückverfolgen.

Von diesem Psalter ausgehend wird in der Ingolstädter Ausstellung auch die Entwicklung zur führenden Bücherstadt Bayerns mit sehr guten Druckereien dargestellt.

Die Ausstellung können Sie vom 28.02. – 12.09.2010 im Ingolstädter Stadtmuseum besuchen.

Quelle:
Rehberger, Christian: Spektakulärer Fund führt in die Herzogszeit via Donaukurier.de

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[Ausstellung] “Novum opus ex veteri” in der Augsburger Universitätsbibliothek

Die Universitätsbibliothek beginnt zur Feier ihres 40jährigen Bestehens das Jubiläumsjahr mit einer Ausstellung unter dem Motto ‘Novum opus ex veteri – Ein neues Werk aus einem alten’.

Ein neues Werk aus einem alten: So hat Hieronymus sich zu seiner Bibelübersetzung geäußert, die das Ziel hatte, die in Umfang und Wortwahl mitunter stark variierende frühe Überlieferung biblischer Texte zu vereinheitlichen.

In diesem Rahmen werden biblische und apokryphe Papyri sowie Handschriften vom 4. Jahrhundert bis zum Spätmittelalter in der Schatzkammer der Bibliothek präsentiert.

Mittelpunkt der Ausstellung ist das erst vor wenigen Jahren wiederentdeckte apokryphe Judas-Evangelium und ein unpublizierter koptischer Papyruscodex mit den paulinischen Briefen. Den mittelalterlichen Bibeltypus stellen aufwändig illuminierte griechische, lateinische und deutsche Handschriften aus der Sammlung Oettingen-Wallerstein dar, die aus der Zeit von 700 – 1500 stammen.

Durch die aktuellen Forschungen des Ausburger Kirchenhistorikers Prof. Dr. Gregor Wurst, dem die spätantiken Papyri vorübergehend zur Bearbeitung in Augsburg zur Verfügung stehen, wurde diese einmalige Ausstellung möglich.

Bereits gestern konnten geladene und ungeladene Gäste zur Ausstellungseröffnung eine Einführung in die Ausstellung durch Dr. Günter Hägele, Leiter der Sondersammlungen der UB und einen kurzen Exkurs zu den biblischen und apokryphen Handschriften durch Prof. Dr. Gregor Wurst, Lehrstuhl für Kirchengeschichte, erhalten. Über 150 Ausstellungsbesucher konnte die Bibliothek an diesem Abend begrüßen.

Interessenten können diese Ausstellung vom 13.01. – 30.04.2010 von Mo – Fr ab 8.30 Uhr bis 21.00 Uhr in der Schatzkammer der Zentralbibliothek besuchen. Der Eintritt ist frei. Der Ausstellungskatalog (84 Seiten mit über 40 hochwertigen Abbildungen) kann über die Universitätsbibliothek für 10,- Euro + 2,- Euro Versand bezogen werden.

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Die Tinte der Franckeschen Stiftungen

August Hermann Francke hat während seiner Zeit als Waisenhausvater tausende Seiten mit einer selbstgebrauten Tinte beschrieben. Das Rezept dafür galt verloren und wurde jetzt im Archiv wiedergefunden. Die Archivarin und Kuratorin der Franckeschen Stiftungen Carmen Keller hat das Rezept aus dem 18. Jahrhundert entdeckt und nachgekocht.

Franckesche Stiftungen – Ausstellung rund um die Tinte – Link zum Video

Das Rezept wurde in Vorbereitung zur Ausstellung ,Schnörkel Rüssel Gänsekiel’ wiederentdeckt. In der Ausstellung geht um die Schrift und den Schreibunterricht am Waisenhaus, auf die sehr viel Gewicht gelegt worden ist. Das Rezept stammt vom 10. Janur 1760. Dass es ein altes Rezept gab, war bekannt, aber dass dieses Rezept für die Tinte sei, wurde bezweifelt.

Eigentlich sei das historische Dokument eher eine Art Einkaufsliste, auf der Rohstoffe in bestimmten Mengen sowie deren Kosten stehen. Doch Versuch macht klug. So wurden die Zutaten aus der Apotheke des Waisenhauses bezogen: gestoßener englischer Vitriol (Eisenzweisulfat), geraspeltes Brasilienholz (ein Rotholz), Gummiarabicum, Galläpfel und mehrere Kannen Essig. Doch wie wird daraus Franckes Tinte?

Eine Anleitung, in welcher Form und Menge die Zutaten verarbeitet werden sollten, gab es nicht, aber Hinweise auf Töpfe und aufs Kochen. So hat man einfach ein wenig experimentiert. Zerkleinert und vermengt ergibt sich aus den Zutaten schon eine braune Flüssigkeit, die durch Einkochen zu einer sehr dunklen, bräunlichen Tinte wird, mit der sogar Urkunden geschrieben werden kann. Das historisches Rezept und die daraus hergestellte Tinte sind Teil dieser neuen Ausstellung.

Schreibunterricht war eine der wichtigsten Unterrichtsstunden an den Schulen der Franckeschen Stiftungen, denn Francke hatte die Bedeutung einer einheitlichen deutschen Schriftsprache und deren Beherrschung erkannt. Neben der Verwendbarkeit für Wirtschaft und Handel war die Schrift wichtig für die Verbreitung der pietistischen Reformideen.

Die Schrift, die deutsche Kurrentschrift, wurde bald auch Waisenhäuser Hand genannt. Der Schreibunterricht wurde durch Studenten erteilt, die wiederum von Schreibmeistern angeleitet wurden. Im Archiv der Stiftungen befinden sich mehrere Schreibmeisterbücher, in denen steht, wie die Buchstaben auszusehen hatten.

Papier liefert die Kröllwitzer Papiermühle, die damals zu den Stiftungen gehörte. Geschrieben wurde mit einem Gänsekiel, aber trotz Anleitung und Experimenten, gelang es nicht, die Feder so zuzuschneiden, dass die typische, ganz feine Schrift damit geschrieben werden konnte.

Diese Ausstellung findet in der Historischen Bibliothek, Haus 22 statt. Noch bis 15.11. kann man Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr die Tinte und die Schriften betrachten.

Quelle
Crodel, Claudia: Franckes Tintenrezept enthüllt, Mitteldeutsche Zeitung, 06.08.2009

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