Screenshot: Ausschnitt des Covers des Berichts zur Lage der Bibliotheken.

Da isser … der neue Bericht zur Lage der Bibliotheken 2020/2021

Screenshot: Ausschnitt des Covers des Berichts zur Lage der Bibliotheken.

Der Bericht zur Lage der Bibliotheken : Zahlen und Fakten2020/2021 ist erschienen und kann heruntergeladen werden.

Es gibt tolle Zahlen (siehe S. 4) und dann verschiedenste Forderungen (S. 5 ff.)

Der dbv fordert: Die Krise als Treiber der digitalen Transformation in Bibliotheken nutzen

  • flächendeckend hybride Bibliotheksangebote schaffen – bedarf einer technischen, rechtlichen und räumlichen Ausgestaltung

Der dbv fordert: Potenzial von Bibliotheken zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele stärken

  • Bibliotheken per se schon nachhaltig, aber wünschenswert mehr Würdigung / Unterstützung seitens Politik und Verwaltung

Der dbv fordert: Auf veränderte Nutzererwartung und steigenden Nutzungsdruck reagieren und Baumaßnahmen finanzieren

  • zur Deckung der Anforderungen seitens aktueller und künftiger Nutzenden an die Bibliothek, als barrierefrei, multifunktionale Räumlichkeiten müssen auf Seiten der Politik Maßnahmen ergriffen werden, damit Bibliotheken modernisiert oder sogar neu gebaut werden können.

Der dbv fordert: Forschungsdateninfrastruktur nachhaltig finanzieren und erforderliche Personalressourcen sichern

  • Zu Unterstützunbg von Bibliotheken und Wissenschaftler*innen muss das Forschungsdatenmanagment im Sinne von Open Science und Fair Data dauerhaft verstärkt personell und finanziell unterstützt werden.

Der dbv fordert: Leseförderung als bildungspolitische Priorität setzen

  • Bibliotheken müssen von ihren Unterhaltsträgern und der Politik mit zusätzlichen Ressourcen gestärkt und systematisch in Bildungspläne eingebunden werden.

Der dbv fordert: Bibliotheken als Einrichtungen der Medienbildung in der kommunalen Bildungslandschaft stärken

sowie:

Der dbv fordert: In Bibliotheken als Orte der Gemeinschaft und der Informationsvermittlung investieren

  • Hierfür werden dauerhaft Ressourcen benötigt.

Quelle:

Der Deutsche Bibliotheksverband e.V. (dbv): Bericht zur Lage der Bibliotheken : Zahlen und Fakten2020/2021

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Bibliotheken gegen Rassismus (Teil 3)

Wie antirassistisch sind eigentlich (öffentliche) Bibliotheken im deutschsprachigen Raum? Deniz Utlu fragte bereits 2013 in Bezug auf Sprache in Medien und Literatur: “Wo beginnt Rassismus?” Hermann Rösch war auf dem virtuellen diesjährigen Bibliothekartag  #vBIB20 der Meinung, dass “Bestände möglichst neutral und ausbalanciert sein sollen, so dass sich mündige Bürger in der Bibliothek selbst gut und ausreichend informieren können. Die Menschen brauchen hier kein Wahrheitsministerium, das ihnen eine Auswahl vorgibt.” Doch ist die Übernahme rassistische Literatur in den Bestand einer Bibliothek dann tatsächlich noch neutral oder ausbalanciert? Natürlich spricht nichts gegen eine Besprechung eines rassistischen Buches durch ein Lektorat, doch weshalb müssen rechte Verlage & Autor*innen diesbezüglich noch unterstützt werden? Mündige Bürger können doch aber genauso gut rassistische Bücher gut finden und daher klingt mir das alles zu floskelhaft. Ist denn jeder mündige Bürger in der Lage rassistische Konnotationen und Inhalte auseinander zu halten? Was sind denn eigentlich linke Verlage? Sind das Verlage, die ein kritisches Verhältnis zum Rassismus haben? Da bin ich aber anderer Meinung, wenn das unter einem linken Verlag zu verstehen ist. Diese Rechts-Links-Schemata erscheinen mir etwas zu kurz gegriffen. Rechte Verlage sind nicht einfach rechte Verlage, denn am Beispiel des Antaios Verlags, der von Götz Kubitschek betrieben wird, muss doch klar werden, dass es sich nicht einfach um einen rechten Verlag handelt. Wenn das Institut für Staatspolitik nun vom Verfassungsschutz zurecht als rechtsextremistisch eingestuft wird, dann ist es mit Sicherheit so, dass ein Großteil des Verlags, der in denselben Händen des Herrn K. liegt, auch rechtsextremistische Literatur vertreibt. Muss eine Bibliothek diese dann anschaffen, wenn sie “ausbalanciert” sein will? Man nehme nur eines der von Akif Pirinçci in den letzten Jahren veröffentlichten Bücher als Beispiel, ist dieser unbestrittene rassistische Müll tatsächlich eine Anschaffung wert? Bereitet man solchen Autoren nicht noch eine zusätzliche Plattform/Einkommensquelle? Sind Hate-Speech/Haßrede nicht etwas, wogegen auch Bibliotheken vorgehen sollten? Es leuchtet mir einfach nicht ein. Diese Fragen hätte ich gerne Herrn Rösch selbst gestellt. Ähnlich lauteten die Argumentationen französischer Bibliothekarinnen, mit den ich mich vor einigen Jahren darüber unterhielt und mir erklären ließ, warum “Mein Kampf” dort ganz normal im Bücherregal zu finden ist und es für Deutsche nur schwer nachvollziehbar ist. Es wäre durchaus wünschenswert gewesen, wenn bei dieser virtuellen Diskussion auch Rassismusexperten zu Wort gekommen wären, die sich außerhalb des bibliothekarischen Spektrums bewegen und eine noch kritischere Perspektive eingenommen hätten.

Gibt und gab es einen Anlass auf aktuelle Ereignisse zum Thema Rassismus auch hierzulande zu reagieren? 2011 berichtete ich im Blog über einen rassistischen Vorfall in einer Bibliothek in Deutschland und verwies auf das Beispiel Großbritannien, in denen Mystery-Shopping-Analysen von Schwarzen (Angehörigen der BAME-Minderheiten) Testpersonen/Besucher*innen durchgeführt wurden. Das wäre mit Sicherheit noch ein zu bearbeitendes Thema für eine Abschlussarbeit, ob durch Studierende des Bibliothekswesens, der Soziologie oder aus anderen Fächern.

Wie wurden eigentlich die jüngsten Ereignisse in den USA, die mit zahlreichen Demonstrationen auch in Deutschland einhergingen in deutschsprachigen Bibliotheken rezipiert? Die Stadtbibliothek Reutlingen gibt auf ihrer Homepage aktuelle antirassistische Medientipps und macht dabei deutlich, dass sie zu diesem Thema für eine “kleine” Großstadtbibliothek recht gut aufgestellt ist.

Wie sieht es dahingehend mit anderen Bibliotheken im deutschsprachigen Raum aus? Natürlich gibt es jährlich, die Wochen gegen Rassismus, bei denen Bibliotheken hierzulande mitmachen, ich will das Engagement nicht kleinreden, aber gerade aktuellen Ereignisse könnten Anlass sein, selbst über die eigene Rolle als Einrichtung neu nachzudenken Gewissheiten und Althergebrachtes infrage zu stellen.

Die British Library hat auf ihrer Homepage zwei Schwarze Schüler*innen in Schuluniform abgebildet (eindeutig zu wenig), auf der anderen Seite des Eurotunnels setzt sich die französische Nationalbibliothek auf ihrer Homepage aktiv mit dem Thema Rassismus auseinander, stellt Quellen auf Gallica und auf RetroNews (Pressedossiers der Geschichte) zur Verfügung. Dabei wird die Kolonialgeschichte des Landes sehr gut deutlich und die Entwicklung bis zum heutigen Tage. Der deutsche Kolonialismus sollte auch hierzulande ein größeres Thema als bisher sein, denn welches Land ist denn für den ersten Genozid im 20. Jahrhundert verantwortlich? Das ist natürlich eine rhetorische Frage.

Die Nationalbibliothek und die Landesbibliotheken könnten Quellen zur Verfügung stellen und dieses Thema transparenter machen als bisher.  Das Thema Kolonialismus ohne den vorhandenen und noch existierenden Rassismus abzuhandeln wird dem ja überhaupt nicht gerecht.

Das Chartered Institute of Library and Information Professionals in Schottland stellt auf seiner Homepage Ressourcen zum Thema Rassismus zur Verfügung und im Gegensatz zum britischen Bibliotheksverband ist das mehr als ich erwartet hätte. Zudem gibt es einen Newsletter, der sich mit dem Thema der Dekolonisierung und Befreiung von Bibliotheksbeständen befasst. Diese Mailingliste bietet eine gute Archivierungsfunktion, um sich beispielsweise die aktuellen Debatten um die Diversität von Bibliotheksbeständen zu verfolgen. Ferner gibt es ein sogenanntes BAME (Black, Asian, and minority ethnic) Network, das sich aus Angehörigen von Minderheiten des Berufsstandes zusammensetzt. Es bietet diesen Information Professionals die Möglichkeit des Austauschs und der Vernetzung untereinander, um sich gegenseitig zu unterstützen. Ziel ist es eine größere Vielfalt  innerhalb der Profession, der Bibliotheksbestände des Wissens und der Informationen zu erreichen. Diese Gruppe von Bibliothekar*innen und Information Professionals veröffentlichte kürzlich auch eine Stellungnahme zum Thema Rassismus, deren wichtigste Aussagen an dieser Stelle veröffentlicht werden:

“This requires that we understand what is racism, acknowledge it, that we reflect on our behaviours and change where necessary, that we are pro-active in lending our voice and our privilege to confront racism in all environments, that we actively support anti-racist policies and services within our organisations and wider society and that we create an environment where we positively and publicly support anti-racism. Library, information and knowledge professionals have a key role to play in dismantling racism. The CILIP BAME Network calls on professionals to pro-actively deliver collections, services, space and teaching with the objective of creating an anti-racist society. We ask everyone to personally reflect and take action.”

Die Diskussionen zum Thema Rassismus, Diversität und Dekolonialisierung scheinen im schottischen Bibliothekswesen weitaus fortgeschrittener zu sein als beispielsweise hierzulande.

Wie lässt sich nachweislich überprüfen, ob Bibliotheken dazu beitragen Rassismus abbauen? Die Angehörigen unseres Berufsstandes sollten ihre (politische) Rolle stärker betonen und aktiv ausüben. Hierzu bedarf es nicht nur Empfehlungen, Trainings, sondern auch einer Haltung und einem gewissen Commitment. Es bleibt eine ständige Aufgabe, denn, wie auch der Bundespräsident Steinmeier diese Woche sagte, “es reiche nicht aus kein Rassist zu sein, sondern wir müssen Antirassisten sein.”

 

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Bibliotheksheld Rami Al-Maskari

Das folgende Video findet sich seit kurzem auf dem YouTube-Bibliothekskanal des Deutschen Bibliotheksverbands.

Weitere Informationen zum Thema #bibheld: http://netzwerk-bibliothek.de/de_DE/e…

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Gelesen in Biblioblogs (44.KW’13) – Vertretung Lesewolke

Wir von Bibliothekarisch.de haben auch diese Woche wieder vertretungsweise die “Blogschau” von Liane Haenschs Lesewolke übernommen. Ja leider etwas spät diesmal, aber nun ja, alle technischen Störungen sind behoben und das Blog ist wieder erreichbar. 😉

Wikidata feierte vor kurzem seinen ersten Geburtstag. Ziel dieses Projekts ist es, Daten, die in der Wikipedia verwendet werden, zentral zu speichern und semantisch zu verknüpfen. Das ermöglicht es, die Daten für verschiedene Zwecke zu nutzen, auch außerhalb der Wikipedia (und da wird es für Bibliotheken interessant). Ein schönes Beispiel, was man mit Wikidata anstellen kann, ist die Visualisierung von Ereignissen im amerikanischen Bürgerkrieg. In der Wikipedia werden mittlerweile zum Beispiel die Einwohnerzahlen von Städten aus Wikidata gespeist, die vorher in jeder Sprachversion einzeln eingetragen  und aktualisiert wurden. Auch die Links zwischen den verschiedensprachigen Artikeln zum selben Thema werden mittlerweile aus Wikidata generiert. [LR.]

Der Dachverband der Bibliotheksverbände, Bibliothek & Information Deutschland (BID) verlieh die Karl-Preusker-Medaille 2013 an den Anglisten und Buchwissenschaftler Professor (Dr. Dr. h. c.) Bernhard Fabian. Die Auszeichnung wurde am 31. Oktober in der Universitäts- und Landesbibliothek Münster übergeben. Die Bundesvereinigung würdigt damit Fabians Lebensleistung auf dem Gebiet der historischen Buchwissenschaft, insbesondere seine Arbeit als Herausgeber des Handbuches der historischen Buchbestände“. Das Handbuch gilt als “grundlegendes Nachschlagewerk für die Kenntnis der Altbestände der Bibliotheken in Deutschland, Österreich und der Schweiz”. “Mit seiner 1983 erschienenen Publikation “Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung” gab Prof. Bernhard Fabian den Anstoß zur Gründung der “Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke“, die einen herausragenden Beitrag zur Wahrung des nationalen kulturellen Gedächtnisses leistet.” [CK.]

In einem Interview mit BID hob Prof. Fabian die Rolle des Bibliothekswesens deutlich hervor. Seine Prognose lautete:

“Das öffentliche Bibliothekswesen wird sich viel stärker noch als bisher im Bildungsbereich engagieren müssen. Je ineffizienter das Bildungswesen im schulischen Bereich wird, desto wichtiger wird der durch Bibliotheken und Museen repräsentierte Bereich.”

Hier ein Foto des Preisträgers Bernhard Fabian, das ihn in seinem Arbeitszimmer mit Bibliothek in seinem Haus bei Münster zeigt. [WK.]

Thomas Meyer/ OSTKREUZ

Ein Porträt aus der Welt der Fahrbibliotheken: Der Bücherbus der Stadtbücherei Taunusstein. Die hier vorgestellten, oft sehr schmal finanzierten, Fahrbibliotheken leisten unverzichtbare Kulturarbeit. [CK.] Im österreichischen Magazin erwachsenenbildung.at wurde vor kurzem eine ähnliche Initiative vorgestellt. Diese Arbeit wird konkret als Teil der „Community Education (Gemeinwesenarbeit) bezeichnet. Wann werden es Bibliothekskonzepte und –initiativen hierzulande in eine Fachzeitschrift für Erwachsenenbildung schaffen? [WK.]

Wenn wir schon in Österreich sind, so bleiben wir auch gleich ein wenig länger hier. 😉 Das hier im Blog von Dörte vorgestellte Video „Lesen und lesen lassen“ darf in der Reihe an guten Best Practice Imagevideos keinesfalls fehlen. Ich denke, ein derartiges Imagevideo könnte auch hierzulande als Vorbild dienen, das peppig & zeitgemäß ist, aber auch die Perspektive der Nutzer und nicht nur die der Bibliothekar_innen einnimmt. [WK.]

Das Radio feierte einen runden Geburtstag: “Achtung, Achtung! Meine Damen und Herren! Wir machen Ihnen davon Mitteilung, dass am heutigen Tage der Unterhaltungsrundfunkdienst auf drahtlos-telefonischem Wege beginnt. Die Benutzung ist genehmigungspflichtig.” Vor neunzig Jahren, am 29.10.1923, startete die Radioübertragung in Deutschland. Bei dradio.de gibt es diverse Beiträge dazu. [LR.] Ist nicht spätestens seit der Schelte von Bundestagspräsident Lammert zum Qualitätsverlust des Fernsehens klar, dass das Radio eines der wenigen Massenmedien ist, das seinen öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag noch ernsthaft erfüllt und erstklassige Arbeit leistet? [WK.]

Persistent Identifier, aber bitte kurz und merkbar? Was es bei URLs schon lange gibt, geht jetzt auch bei DOIs, und zwar mit dem shortDOI-Service der International DOI Foundation. (gefunden über Hinweis von Christian Hauschke in infobib) [LR.]

Open Access wird verstärkt ein Thema im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), das sich bis jetzt mit Stellungnahmen dazu zurückgehalten hat. „Open Access: Das Urheberrecht muss der Wissenschaft dienen“ ist das Motto der neuen Informationskampagne des BMBF und der entsprechenden Internetseite. Heinz Pampel machte auf dieses Angebot und die entsprechenden politischen Entwicklungen http://wisspub.net/2013/10/31/bmbf-open-access auf Wisspub.net aufmerksam. [DB.]

Last, but not least, unterzeichnete die International Federation of Library Associations die Internationalen Grundsätze für die Anwendung der Menschenrechte in der Kommunikationsüberwachung. Die Internationalen Grundsätze wurden unter anderem von NGOs wie etwa Reporter ohne Grenzen, Human Rights Watch und Electronic Frontier Foundation (EFF) verfasst. Die IFLA begründete diesen Schritt am 31. Oktober damit, dass durch:

“[…] die diesjährigen Enthüllungen von regierungsseitiger Datenüberwachung ein neuer Kontext für die Diskussion von Menschenrechten in der digitalen Welt entstanden ist. Die bibliothekarische Fachgemeinde muss sich an dieser Diskussion beteiligen und sicherstellen, dass bei der Bereitstellung von Internetzugang für unsere Nutzerinnen und Nutzer die Grundwerte der Institution Bibliothek gewahrt bleiben.”

Wie können Bibliotheken hierzulande Diskussionen anregen & ein Bewusstsein über die digitalen Menschenrechte erzeugen, wenn doch laut Umfrage 3/4 aller Deutschen die NSA-Affäre für überbewertet halten? Die Gründe hierfür sind laut Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher ein genereller Fatalismus, der bedingt durch die  technologischen Entwicklung in der Bevölkerung weit verbreitet ist. Interessant wäre natürlich auch zu erfahren, welche Haltung Bibliothekare und Bibliothekarinnen hierzulande dazu haben und ob es Unterschiede zum “normalen” Querschnitt der Bevölkerung gibt. [WK.]

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Gelesen in Biblioblogs (43.KW’13) – Vertretung Lesewolke

Wir bei Bibliothekarisch.de haben vertretungsweise für zwei Wochen die “Blogschau” von Liane Haenschs Lesewolke übernommen. Wir tun es auch dieses Mal wieder gemeinschaftlich.

Mussklprozz, Stuttgarter Staddtbibliothek, Mailänder Platz, Nachtaufnahme, 2012 – Wikipedia, CC BY-SA

Die Stadtbibliothek Stuttgart, welche die “Bibliothek des Jahres 2013” geworden ist, war auch ein Thema beim Deutschlandradio Kultur. Man ist nicht länger eine Bibliothek, in der es darum geht “Psst” zu sagen, sondern versteht sich als Lernort. Gerne können Sie diesen Beitrag auch nachhören. Die Archtiktur selbst wird unterschiedlich gelungen wargenommen, wie auch die Diskussion hier im Blog Bibliothekarisch.de zeigt. [DB]

Im Vorfeld des „Tages der Bibliotheken“ am 24. November wurde der vierte “Bericht über die Lage der Bibliotheken” veröffentlicht. Der dbv fordert darin unter anderem eine bessere rechtliche und finanzielle Absicherung von Bibliotheken über Bibliotheksgesetze. (via dbv) [LR]

Ein gemischtes Gefühl hat der neue Imagefilm des DBV hinterlassen. Ist dieser Song eine Hymne für Bibliotheken? Verschiedene Blogs haben die Hymne besprochen. Das Blog “Nachrichten für NRW” verlinkt eine Downloadmöglichkeit für den Film, wenn Sie ihn für Ihre eigene Öffentlichkeit nutzen möchten. Auch der Text der Hymne kann als PDF heruntergeladen werden. Ausführlich und kritisch hat sich Steffi Hotze in ihrem Blog Bibliotheksratte damit auseinander gesetzt. Wie sieht Ihre Meinung dazu aus? [SH, LR, DB]

Während der “Tag der Bibliotheken” von vielen Bibliotheken wahrgenommen wird und sich großflächig in Aktionen wiederfindet, stellt Klaus Graf fest, dass die Internationale Open Access Week von deutschen Institutionen nahezu ignoriert wird. [CK] Im Redaktionsblog von Hypotheses.org beschreibt Graf, “Wie Wissenschaftsblogger Open Access fördern können“. [LR] Elke Brehm berichtet im TIB-Blog über Open Access bei der TIB/UB Hannover [CK]:

“Die TIB/UB bietet WissenschaftlerInnen der LUH die Möglichkeit, von ihnen herausgegebene wissenschaftliche Schriftenreihen und Konferenzberichte über die Server der TIB/UB zu publizieren, und berät bei Bedarf zu Open-Access-Lizenzen.”

Michael Schmalenstroer hat einen Aggregator für geschichtswissenschaftliche Blogs erstellt: Planet History
Er schreibt dazu [LR]:

“Ziel dieser Seite ist es, etwas Übersicht in die doch recht zersplitterte Geschichtsblogosphäre zu bringen und gerade kleine Blogs hervorzuheben. Das Themenspektrum ist bewußt breit gefasst – neben rein geschichtswissenschaftlichen Blogs sind auch einige Blogs aus verwandten Themenfeldern wie der Archivwissenschaft, dem Bibliothekswesen oder der Archäologie versammelt.”

Auf den Bus warten und schnell ein paar historische Gebäude georeferenzieren: Das ist das Ziel der Website “Building Inspector” der New York Public Library, die mit “Kill time, make history” wirbt. Vor einiger Zeit gab es bei der British Library schon ein ähnliches Crowdsourcing-Projekt zur Georeferenzierung historischer Karten. [LR]

Blogger werden immer wieder damit konfrontiert, dass sie die neue Rechtschreibung nicht so beherrschen, wie es sein sollte, die Texte nicht unbedingt immer auf Interpunktionen kontrolliert werden usw. Klaus Graf ist daher bei der Lösung der Interpunktionsprobleme auf Archivalia behilflich. [DB]

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Bericht über die Lage der Bibliotheken 2013

Der Deutsche Bibliotheksverband e.V. (dbv) präsentiert inzwischen zum vierten Mal den „Bericht zur Lage der Bibliotheken“. Der Report zeigt, dass die finanzielle Lage Öffentlicher Bibliotheken noch immer unbefriedigend ist, obwohl die gute Konjunktur sich in den kommunalen Haushalten durch bessere Steuereinnahmen sichtbar wird. Immer neue Sparauflaugen setzen Bibliotheken weiter unter Druck. Damit sind digitale Angebote, wie die E-Book-Ausleihe, nicht zu stemmen. Der DBV fordert daher eine Sicherstellung der finanziellen Mittel von Kommunen, damit Bibliotheken davon profitieren können.

Bibliotheken als Ort erhalten eine immer wichtige Rolle, seien es Hochschulbibliotheken als Lernort oder Öffentliche Bibliothekena als Treffpunkt. Daher ist es auch 2013 wichtig gewesen, die Bibliotheksgesetzgebung weiter zu verfolgen. Der DBV fordert entsprechende Bemühungen in allen Bundesländern, die bis jetzt noch kein entsprechendes Bibliotheksgesetz verabschiedet haben. Zudem ist es laut DBV notwendig, neben der Leseförderung durch Bibliotheken auch passende Räumlichkeiten zur Verfügung stellen zu können, die eine Bibliotheksnutzung anregen.

Als Partner des Lebenslangen Lernens müssen Bibliotheken sich zunehmend auch im Bereich des E-Learning beteiligen. Dafür benötigen Sie jedoch entsprechende Fachkräfte und zusätzliche Ressourcen, um ihr kompetente und helfende Ansprechpartner sein zu können. Eine weitere Forderung des DBV im Bericht über die Lage der Bibliotheken betrifft eine nationale Digitalisierungsstrategie, welche nicht nur die Organisation der Kultureinrichtungen untereinander betrifft, sondern auch eine verstärkte Förderung entsprechender Projekte durch die DFG.

Der Bericht macht deutlich, dass die Aufgaben von Bibliotheken vielschichtig sind, von bewahrend bis hin zu zukunftsorienterten Angeboten und in ihrem Aufgabenmittelpunkt immer wieder unsere Gesellschaft steht.

(Download Bericht als PDF)

Quelle:
Bericht zur Lage der Bibliotheken 2013, dbv blog

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Der neue “Imagefilm” für Bibliotheken des dbv – ein Kommentar

Anfang der Woche erschien das neue Video des dbv mit dem Werbung für Bibliotheken gemacht werden soll.
Bevor hier weiter gelesen wird, bitte den Clip anschauen

Bei Youtube findet sich auch gleich der Text zum Video bzw. wurde dieser wohl auch im Anhang der Mail verschickt, mit dem auf das Video aufmerksam gemacht wurde.

An sich finde ich Videos von Bibliotheken in denen gesungen wird recht amüsant. Und rein optisch ist dieses Video auch sehr ansehnlich. Aber, und natürlich gibt es ein “aber”, der Text! Der Text ist schlimm, richtig schlimm. Tut mir Leid für den oder die TexterIn, aber das geht so nicht.

Ein Kommentar unter dem Video lautet daher auch recht passend

Auralibby
Mehr Klischee hat mensch im Text wohl nicht unterbringen können. Davon fühle ich mich als Bibliothekarin nicht vertreten, sorry.

Der Kommentar hat bereits 10 Likes.

Nicht unerwähnt bleiben sollen die auch wohlmeinende Kommentare, die aber bisher keine weiter Zustimmung im Sinne von “Daumen hoch” bekommen haben.

Aber zurück zum Text.

Strophe 1
Wenn du als Mensch am Fenster stehst
Und dich wieder mal um dich selber drehst
Geh hinaus, geh deinen Weg
Geh doch mal in die Bibliothek

Fängt sehr tiefsinnig an. Der Mensch der hier beschrieben wird, weiß scheinbar nicht wie es weitergehen soll. Man rät daher zu frischer Luft und einen anschließenden Besuch in der Bibliothek. Okay… es ist auch ein bißchen “reim dich oder ich fress dich”, aber zur Not noch akzeptabel. Auch wenn ich nicht glaube, dass alles besser wird, wenn man in die Bibliothek geht. Ich empfehle alternativ: Freunde/Familie, Sport, Essen, Kino, Musik/Konzerte oder wenn es wirklich ernsthaft ist auch den Arzt. (Mir ist bewusst dass man in einem Video _für_ Bibliotheken nicht auf Alternativen hinweist, aber ich sehe das hier als weiterführenden Service meinerseits.)

Strophe 2
Ob wir verlieren oder gewinnen
Ob wir allein oder gemeinsam sinnen,
Für Bildung und Zukunft
Bibliothek, Ort der Zusammenkunft

Die ersten zwei Zeilen verstehe ich nicht wirklich. Wer ist “wir”? Wir = Bibliotheken, Wir = MitarbeiterInnen der Bibliothek, Wir = BenutzerInnen, Wir = Benutzer und Mitarbeiter.

Liest man weiter scheint mit “Wir” tatsächlich die Bibliothek gemeint sein. Aber wenn Bibliotheken verlieren heißt dass doch meist weniger Geld oder gleich Schließung und in dem Moment ist man als Ort auch nicht mehr existent.

Immerhin wird hier der Bildungsauftrag der Bibliotheken erwähnt. Finde ich nicht verkehrt. “Ort der Zusammenkunft”… nja, bei Veranstaltungen schon. Ob es ein richtiger Treffpunkt ist zu dem man “einfach so” hingeht oder doch “nur” wenn man irgendetwas für Schule, Studium, Weiterbildung machen muss, ist fraglich.

Chorus
Büchernahrung, neues Land,
Bibliothek und Sachverstand.

Aua! Einzig das Wort “Büchernahrung” finde ich schön. Neues Land hier wohl im Sinne von durch Bücher/Medien seinen Horizont erweitern.
“Bibliothek und Sachverstand” da muss ich immer grinsen.

Break

Davon gibt es drei Stück. Sie zählen Wörter auf die irgendjemand mit Bibliotheken in Verbindung bringt bzw. bringen könnte. Der Ursprung der Worte ist unklar, ich schiebe es aber mal auf BiblitoheksmitarbeiterInnen. Meine Highlightwörter habe ich fett hervorgehoben.

Denken, Counter, Datenbanken, Lernraum, Leihschein, E-books
Ruhe, Sachbuch, Systematik, Wahrheit, Neugier, Stühle

Displays, Chancen, Bücherbusse, Tische,
Selbstverbuchung, Bücher, Opac´s, Unterhaltung, Langzeitarchivierung

Digitalisat, Digitalisat, Digitalisat, Digitalisate
Online-Katalog, Online-Katalog, Online-Katalog, Online-Kataloge

Besonders schön finde ich immer noch “Stühle”. Mein Kommentar auf Facebook dazu war:

Ich finde es ja faszinierend dass sie “Stühle” erwähnen. “Kommen sie in die Bibliothek” Hier können sie sitzen. Auf STÜHLEN!”

Und eine Freundin meinte zum Thema “Digitalisate”

Und diese Überbetonung von “Digitalisaten” – oh ja, Bibliotheken können SCHON mit Computern punkten! So ganz modern und so!

Ich würde gerne Leute in Bibliotheken fragen was ihnen (außer “Bücher”” noch so für Worte zu Bibliotheken einfallen. Ich befürchte fast keins von oben genannten.

Einige Wortmeldungen bei Twitter

 

 

Ich möchte den Menschen die für den Text verantwortlich sind eins sagen: Respekt! Ich habe es nie für möglich gehalten das Wort “Langzeitarchivierung” mal in einem Liedtext wieder zu finden.

Der dbv kann es auch durchaus besser. Vielleicht nicht ideal, aber die Story im Clip ist doch ganz schön 🙂

Also lieber Imagefilmmacher, beim nächsten mal besser Musik, besserer Text oder auf den Text verzichten und Bilder sprechen lassen. Wenn man Bibliotheken bewerben will sollte man nicht seine Sicht einnehmen, sondern derjenigen die man damit ansprechen will. So als Hinweis 😉

Dieser Artikel erschien zuerst bei Bibliotheksratte

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Eine Hymne. Der Bibliotheksspot 2013

Im Rahmen der Kampagne “Treffpunkt Bibliothek 2013” präsentiert der Deutsche Bibliotheksverband e.V. (dbv) seinen neuen Imagefilm für Bibliotheken. Hierzu gibt es auch einen Text, auf den beim Anklicken des YouTube-Video-Kanals des DBV zugegriffen werden kann.

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Gelesen in Biblioblogs (23.KW’13) – Vertretung Lesewolke

Auch diese Woche haben wir im Team verschiedene lesenswerte Beiträge zusammengesammelt.

Netbib macht darauf aufmerksam, dass verschiedene Bibliotheken vom Hochwasser betroffen sind. (SH) Zahlreiche Bibliotheken sind bereits betroffen, z.B. Bibliothek Dresden-Laubegast, Zweigbibliothek Landbau/Landespflege der Hochschule Technik und Wirtschaft in Dresden, Stadtbibliothek Straubing, die Bibliothek des Lentos Kunsmuseums Linz, die Bibliothek der Hochschule Magdeburg-Stendal . In Sachsen gibt es einen “Notfallverbund für Kulturgutschutz”, der rund um die Uhr erreichbar ist. (DB)

Der Deutsche Bibliotheksverband (DBV) stellt die Fragen für die aktuellen Wahlprüfsteine für die Bundestagswahl 2013 vor. Worauf sollten BibliothekarInnen bei ihrer Wahl achten, wenn es um Kultur- und Bildungspolitik in der neuen Legislaturperiode geht. Man erwartet die Antworten der Parteien bis zum 14. Juni. (via Inetbib) (DB)

Für wen wir eigentlich Sachen ins Netz schreiben? André Vatter hat einen kleinen Leitfaden für das Content-Marketing von Bibliotheken von der Bestimmung der Zielgruppe bis hin zu ihrer gezielten Ansprache verfasst. (CK) Sicherlich hilfreich ist dann auch immer wieder zu wissen, welche sieben Fantypen es bei Facebook gibt und wie man sie erreicht. Dies zeigt die Infografik von Allfacebook.de (SH)

An einer Kölner U-Bahn-Station startete die Ausleihe über den weltweit ersten Krimi-Automaten. Ausgewählt kann zwischen etwa 800 Titeln, das Angebot wird wöchentlich aktualisiert. Erforderlich ist ein Mitgliedsausweis der Kölner Stadtbücherei. Die Bibliothek berichtete ausführlich darüber. (CK) Dies ist auch durch andere Weblogs wahrgenommen worden, z.B. Islaperdida.net, Netbib, UnserOrt und auch Die Welt griff das Thema auf.

Und wem die eigene Bücherwand noch nicht reicht: Auf eine “Bücherwand” im wahrsten Sinne des Wortes macht boingboing aufmerksam: Eine Tapete mit Klassikern aus dem Penguin-Verlag. Weitere Büchertapeten gibt es z.B. bei HouseBeautiful oder Basildon Wallpapers. (LR)

Und zum Abschluss noch eine Herausforderung, die vielleicht ja eine Bibliothek hier in Deutschland annimmt. Am 31. Mai hat die Seattle Public Library den Weltrekord der längsten Domino-Kettenreaktion mit Büchern gewonnen, bei der 2131 Bücher umfielen. Das war der Auftakt zu ihrem Sommerleseprogramm. Dieses Video zeigt den Rekord: (DB)

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Diskussion um Nichtnutzerstudie des DBV

Die Nichtnutzertudie sollte uns weiterbringen bei der Frage, warum die Bibliotheken und hier insbesondere die Öffentlichen Bibliotheken nicht genutzt werden. Derzeit poppt zudem eine Diskussion über das methodische Vorgehen bei dieser Studie auf. Ursache ist der Artikel von Frau Nikolaizig et al.1

Herr Philipp Maass möchte diese Diskussion in eine breitere Öffentlichkeit tragen, aus folgendem Grund:

Mir ging es um die Methodik der Studie und die damit einhergehende Diskussion inwieweit ich mich auf Ergebnisse, die vom DBV publiziert werden, verlassen kann. Das war für mich das Schockierende.

Diese Besorgnis lässt sich mit den von Herrn Rogge vorgebrachten Argumenten nicht entkräften, im Gegenteil. Rogge geht davon aus, dass die Qualität der kommunalen Diskussionen nicht besonders hoch ist und man sich dort nicht mit der Studie beschäftigt.

Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass über Bibliotheken auf der Grundlage eigener persönlicher Einschätzungen und Erfahrungen der politischen Entscheidungsträger diskutiert wird? Da ist die Grundgesamtheit der Befragten oft = 1, nämlich die der eigenen Tochter, eines Bekannten oder der eigenen Erlebnisse aus der Studienzeit.

Gerade dann sollten wird sicher sein, dass wir die Qualität dieser Diskussion heben können. Wer die Argumente nachprüfen will, kann das dann nämlich tun.

Schade, dass die Bibliothekswelt dazu neigt, sich um die eigene Argumentationskraft zu bringen.

Eine wissenschaftlich fundierte Studie sorgt für Sicherheit in der eigenen Diskussion. Nur wenn wir mit fachlich fundierten Argumenten unsere Positionen vertreten, können wir sicher sein, dass diese nicht zum schwächsten Glied der Lobbyarbeit werden. Was nützt uns eine unhaltbare Studie, wenn wir damit letztlich als “unfachlich” disqualifiziert werden?

Schwierig in der Diskussion ist, dass man in der Studie sehr rasch als eine reine Lobby-Arbeits-Diskussions-Maßnahme wahrnimmt. Sollten jedoch solche Studien nicht gerade deshalb gemacht werden, um die eigenen Schwächen im System/in der täglichen Arbeit sichtbar zu machen, um hier ggf. gegensteuern zu können?

Barbara Schleihagen, Geschäftsführerin des Deutschen Bibliotheksverband e.V. und Dr. Simone C. Ehmig, Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen reagieren in einer veröffentlichten Stellungnahme auf die Kritik.

Auf Inetbib bedauert Schleienhagen in ihrer Antwort auf Maass:

Wir bedauern, dass die Autorinnen der HTKW gerade zu solchen Fragen den wissenschaftlichen Diskurs nicht gesucht haben. So kann man sich beispielsweise auch durchaus gewinnbringend fachlich darüber auseinandersetzen, ob Tests auf statistische Repräsentativität von Ergebnissen sinnvoll sind, wenn man mit einer Studie Teilgruppen vergleichen, nicht aber Aussagen über die Gesamtbevölkerung machen möchte.

Wann ist Kritik angebracht? Darf sie in einem öffentlichen/schriftlichen Rahmen stattfinden? Ist das nicht der Ausdruck einer aktiven Fachgemeinschaft?
An der Stelle kann man eigentlich nur Plieningers Antwort dazu zustimmen:

Nun, der wissenschaftliche Diskurs muss nicht notwendigerweise privat erfolgen, sondern findet ja in der Öffentlichkeit statt, damit andere auch Stellung dazu beziehen bzw. sich einen Eindruck machen können.

Ich vermisse oft, dass öffentlich kritisch hinterfragt wird. Sachlich fundiert und wissenschaftlich ausgefochten, sind die Mehrwerte für alle Beteiligten ein Gewinn und sollte nicht dazu führen, dass nun keiner mehr sich traut, Probleme aufzugreifen und anzugehen. An manchen Stellen sind Fehler und somit ein “Scheitern” gewinnbringender als ein glattgebügeltes Ergebnis. Es ist gut, dass diese Studie jetzt von verschiedenen Seiten beleuchtet und hinterfragt wird.

Doch es wäre unzureichend, nur die derzeit aktuell laufende Diskussion hier wiederzugeben. Allerdings war die inhaltliche Aussagekraft bereits kurz nach der Veröffentlichung schon als oberflächlich kritisiert worden. Karsten Schuldt hat bereits damals das methodische Vorgehen der Studie hart kritisiert und kommt dabei letztlich zum Schluss:

Diese Studie zumindest hilft dem Bibliothekswesen nicht weiter. Sie lenkt eher von den tatsächlich wichtigen Fragen ab, die da, wie gesagt lauten:

  • Wen wollen wir eigentlich womit erreichen? Wie viel ist für Bibliotheken viel?
  • Wie können Bibliotheken für Nichtnutzende relevant werden? Relevant, indem sie zu ihrem Leben positiv beitragen, nicht bekannt, weil sie eine dufte Werbung machen.

Auch meine Kritik 2 sehe ich in der Auswertung durch Nikolaizig & Co bestätigt.
Mai 2012 beschäftigte sich auch Liane Haensch sich kurz mit dieser Studie in den Stimmen auf Plan3t.info.

Schade nur, sollte die aktuell angestoßene Diskussion wieder in wirre Oberflächlichkeiten versanden, wie Susanne Drauz anmerkt3, und wir uns nicht generell darüber Gedanken machen, wie methodisch fundierte Studien die Arbeit des DBV unterstützen und befruchten können. Ist hier eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Hochschulen möglich? Wie können Studien ergebnisoffen angelegt und interpretiert werden? Welchen Aufwand kann ein Verband überhaupt betreiben? Oder ist es gar sinnvoll, solche Studien an fachfremde Experten in der Erstellung von Studien zu vergeben?

Wie stellen wir uns einen (wissenschaftlichen) offenen Diskurs in der Bibliothekssparte eigentlich vor? Ich gewinne zunehmend den Eindruck, es geht darum, in den eigenen Institutionen möglichst nicht zu kritisch zu sein, nach Außen mehrheitlich konform mit Entscheidungen von Verbänden und Institutionen zu wirken und Probleme tot zu schweigen. Sind wir wirklich so? Ist das die Zukunft der bibliothekarischen Zunft?4

Quellen:
Zur von Philipp Maass angestoßenen Diskussion auf Inetbib: [InetBib] Studie “Wissen wir tatsächlich mehr? – Aussagewert – Artikel BuB
Plieninger, Jürgen: Nichtnutzerstudie, Netbib
Plieninger, Jürgen: “Handlungsempfehlungen, die man immer macht”, Netbib, 01.05.2012
Schuldt, Karsten: Marketingdenken statt Problembewusstsein? : eine kurze Polemik zur „Nichtnutzungsstudie“ des dbv, Bibliotheken als Bildungseinrichtungen, 30.04.2012

 

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  1. Gedruckte Form: Daniela Hoffmann, Andrea Nikolaizig, Helag Tecklenburg und Martina Werder, welcher unter dem Titel “Zum Aussagewert der Studie ‘Ursachen und Gründe für die Nichtnutzung von Bibliotheken in Deutschland’ / Eine kritische Betrachtung” in der BuB 65(2013)04, S. 296-299. []
  2. “Recht schnell entsteht hier der Eindruck, dass die erhobenen Daten in bunte Bilder verpackt worden sind, die wiederum notdürftig und überschnell interpretiert werden. Dabei ist das Ergebnis ganz offensichtlich bereits im Vorfeld feststehend, wie die zum Teil oberflächlich hingeworfenenen, Allgemeinplätzen gleichenden Handlungsempfehlungen für Öffentliche Bibliotheken zeigen (…)” []
  3. “Das dritte spannende Moment in der “Diskussion” auf inetbib ist doch darüber hinaus, dass garnicht über das diskutiert wird, was zur Diskussion steht, oder? Man schmeißt Selbstdarstellungsbrocken in die Liste und damit ist die Angelegenheit erledigt. []
  4. Ich weiß, dass dies überspitzt ist. Ich kenne viele Kolleginnen und Kollegen, die sich engangiert mit diesen Problemen auseinander setzen, aber ihre Ausstrahlung in das bibliothekarische Selbstverständnis und das der dazugehörigen Institutionen ist eher gering. []

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