Nordhausen hat einen Schatz

Jahrzehnte schlummerte der Schatz im Stadtarchiv1, dabei kann er die Öffentlichkeit zum Staunen bringen. Die historische Sammlung ist vermutlich (durch Kriegswirren des 2. Weltkrieges) nicht mehr vollständig, dennoch geben die vorhandenen Titel eine kostbare Sammlung ab. Die frühsten erfassten Titel stammen aus der Postinkunabelzeit. Insgesamt sind 180 Titel aus dem 16., 170 aus dem 17. und 515 Titel aus dem 18. Jahrhundert erfasst. Häufig enthält ein Band gleich mehrere Titel.

Unter den Schätzchen befinden sich Meisterwerke der Buchdruckerkunst und Einbandgestaltung der Renaissance aus den Druckereien des Aldus Manutius oder Louis Elsevier. Darunter befinden sich mit Pergament bezogene Holzdeckel, mit kunstvollen Initialbuchstaben und Holzschnitten verzierte und mit fein gearbeiteten Kupferschließen versehene Einbände.

Die Bände aus dem Barockzeitalter enthalten Kupferstiche und Goldprägungen. Bei der Gymnasialbibliothek wurden auch inden folgenden Jahrhunderten alle Wissensgebiete erweitert. Unter den Titeln lassen sich die bedeutendsten Werke der europäischen Gelehrtenwelt finden, ua. die wichtigsten Lexika, die geschichtsphilosophischen Werke von Francis Bacon, Hugo Grotius, Descartes, Thomas Hobbes, Pierre Bayle oder Montesquieu sowie wichtigste Arbeiten zur Geschichte der europäischen Staaten, Mathematik2, Astronomie3, Botanik und Medizin4.

Besonders interessant dürfte für die Forschung auch das Werk von Hieronymus Mercurialis (1530-1606) sein, der in den sechs Büchern „De Arte Gymnastica Libri VI“ über Kunst der Gymnastik schreibt und welches als das erste illustrierte Buch zum Thema Sport gilt und damit eine der frühesten Quellen zum Sport in der Antike und seiner Weiterentwicklung darstellt.

Auch die Historie der Sammlung ist recht gut bekannt. So stammen die ältesten Exemplare vom Begründer der Stadt- und Lateinschule, Johannes Spangenberg, und sind von den ersten Rektoren, Lehrern und Schülern angekauft, benutzt oder selbst verfasst worden. Weiterhin sind auch Bücher der ehemaligen Ratsbibliothek erhalten geblieben, wobei dort vor allem juristische Werke und Schriften der großen Reformatoren zu finden sind.

Mit einer bibliographischen Erfassung dieser Bücher wurde ein erster Schritt getan, um sie in das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit zu rücken, sie vor weiteren Verlusten zu schützen und den teils erschreckenden Zustand vieler Bücher durch eine schrittweise vorzunehmende Restaurierung zu verbessern.

Zudem hofft man mit der Errichtung der KulturBibliothek einen Rahmen zu schaffen, der die Möglichkeiten zur Aufbewahrung, Sicherung und Erhaltung verbessert. Der Grundstein für diese neue Stadtbibliothek wurde September 2011 gelegt. Die Eröffnung des neuen Treffpunkts im Herzen der Stadt soll Herbst 2013 stattfinden.

Durch den Neubau wir die Ausstellungsfläche der Stadtbibliothek von 500 auf 1.613 Quadratmeter erweitert und somit neben der adäquaten Unterbringung des Bestandes und der Nutzung auch die Rückkehr der historisch wertvollen „Himmelgarten-Bibliothek“ nach Nordhausen möglich.

Ein entsprechender Vertrag über die Rückkehr der Bibliothek wurde Februar 2011 zwischen der Stadt Nordhausen und der Stadt Wittenberg geschlossen.

Mit beiden Sammlungen würde die Stadtbibliothek über einen historisch sehr wertvollen Bücherschatz verfügen. Hoffentlich werden diese nicht nur gut gepflegt sondern auch in Ausstellungen u.ä. dem interessierten Publikum zugänglich gemacht.

Quelle:
Kuhlbrodt, Peter: Nordhausens verborgener Schatz, Thüringer Allgemeine
Fußnoten

  1. Da von Klaus Graf zurecht kritisiert, hier nachgetragen der Link zum Fabian-Handbuch, 20.02.2012 []
  2. Bei den mathematischen Büchern zu finden ist Jacob Kölbels Rechenbuch auf Linien und Ziffern (1531) und das Rechenbuch auf Linien und Ziffern von Adam Ries von 1558 []
  3. Zu den Büchern des Faches Anstronomie gehören u.a.: „Libellus de Sphaera“, von Johannes de Sacrobosco in einer Wittenberger Ausgabe von 1545 und Erasmus Reinholds „Theoricae Novae Planetarum“ []
  4. Neben damaligen „Standardwerken“ zur Medizin von Hippocrates und Celsus besaß die Bibliothek auch Bücher der frühneuzeitlichen Ärzte Quintus Apollinaris und Tarquinius Schnellenberg oder Valentin Kreutermanns Büchlein „Curieuser und vernünftiger Urin-Arzt“ von 1738 []

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