3.08.2010 | von Wolfgang Kaiser | Keine Kommentare » |
Die Öffentlichen Bibliotheken in Sacramento erhielten kürzlich ein positives mediales Echo in einer lokalen Nachrichtensendung, da sie nun über eine eigene Fanseite auf Facebook verfügen. Eigentlich ist es nicht ungewöhnlich im anglo-amerikanischen Raum, dass eine Bibliothek über eine eigene Facebookseite verfügt. Dieser Fernsehbeitrag macht meines Erachtens auf eindrucksvolle Weise deutlich, wie in den Medien - zwar sachlich und wertneutral - aber zeitgemäß und aktuell über Bibliotheken berichtet wird. Diese Art des Storytelling, wie sie Individuen hinsichtlich ihrer Erwerbsbiografie heute zu beherrschen haben, ist auch ein zunehmend wichtiger Faktor in der Außenwahrnehmung von Bibliotheken geworden, wobei Storytelling als Inhalt in Seminaren an Bibliotheksfachhochschulen wohl (noch) zu selten vorkommt. Die aus der Wirtschaft und Politik stammende und dort erfolgreich angewandte Disziplin wäre für die Bibliothekswelt ein aufmerksamkeitssteigerndes Element im Wettstreit mit anderen Kulturinstitutionen und könnte eine höhere Wertschätzung bei öffentlichen Unterhaltsträgern zur Folge haben. Auf die Bibliotheken übertragen würde das 2006 vom Pew Center veröffentlichte Zitat folgendermaßen lauten:
Es reicht nicht mehr einfach nur die Bibliothek als klassische Kulturinstitution zu vertreten. Sie muss zu ihrer eigenen Story werden.
Egal wieviele Fans die Bibliothek letztlich in der Onlinewelt gewinnt, die Geschichte, dass sie damit neue NutzerInnen erreicht werden ist oftmals entscheidender. Ähnliches merkte auch Doug Stevens an, laut dem es einfacher ist ein Produkt oder eine Dienstleistung zu verkaufen, indem man eine Erfolgsgeschichte erzählt, statt das Produkt und seine Vorzüge zu beschreiben. Eine derart positive und kundenorientierte telemediale Berichterstattung, die weniger als zwei Minuten dauert und sich noch dem Thema Facebook und NutzerInnenorientierung widmet, ist ...
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8.07.2010 | von Wolfgang Kaiser | Keine Kommentare » |
Eine Gefängnisbibliothek in Edinburgh, welche erst im November 2008 eröffnet wurde, erhielt vorgestern im Rahmen der Libraries Change Lives Konferenz (in London) den Libraries Change Lives Award. Das Chartered Institute of Library and Information Professionals (CILIP) ist der Ausrichter der Konferenz und Sponsor des Preises. Die Auszeichung belohnt gute und innovative Bibliotheks- und Informationsprojekte, welche Menschen zusammenbringen, Nutzer einbeziehen und das Leben von Menschen verändern. Die Gefängnisbibliothek setzte sich damit gegen andere innovativen Initiativen und Projekte aus Manchester und London (Bezirk Barking und Dagenham) durch. Hierfür erhielt sie eine Trophäe und 5.000 britische Pfund. Sie ist die einzige Bibliothek in Schottland mit einer Warteliste. Den Gutachtern zufolge übt die Bibliothek einen bemerkenswert positiven Einfluss auf alle Insassen und Mitarbeiter aus. Das bei der Errichtung der Bibliothek vorgebene Ziel war es, eine soziale Inklusion für alle Insassen zu verwirklichen, indem ihnen Weiterbildungsmöglichkeiten und Berufsperspektiven aufgezeigt und angeboten werden, um ihnen den Übergang von der Haft in die Freiheit zu erleichtern. Dies wird durch ein einladendes Design und eine moderne Ausstattung (z.B. Laptops und Schreibtische) gewährleistet, wobei die Häftlinge bei der Gestaltung und dem Bau der Inneneinrichtung aktiven mitwirkten. Außerdem wird den Insassen nicht nur dabei geholfen ihre Lesefähigkeit zu verbessern, sondern ihnen auch bei der Erstellung ihrer Lebensläufe und Bewerbungen Hilfestellung gegeben. Eine weitere Besonderheit ist die Tatsache, dass dort Häftlingen Fähigkeiten und Kompetenzen eines Bibliothekars vermittelt werden. Betrieben wird die Bibliothek aber von der erfahrenen "Berufsbibliothekarin" der Stadtbibliothek von Edinburgh, Kate King. Sie und einige Häftlinge kommen im folgenden Video zu Wort.
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3.07.2010 | von Wolfgang Kaiser | Keine Kommentare » |
Vor fast genau einem Monat, am 2. Juni hat die Nationalbibliothek Frankreichs (BnF), die Bibliothèque François Mitterrand das sogenannte "Labo BnF" eröffnet. Die Zeitung "Le Figaro" betonte, dass die zur Eröffnung 1996 vergebene Einschätzung über die Bibliothèque François Mitterrand nun Wirklichkeit wird, dass es sich bei der BnF mit dem "Labo" um eine neue Art von Bibliothek handelt: "N'avait-on pas dit, à l'époque de sa construction, qu'elle serait une bibliothèque «d'un genre nouveau»?" Zu diesem Zeitpunkt war man sich vielleicht noch nicht der Außmaße und der zukünftigen (möglichen) Rolle der Bibliothek bewußt. Spätestens jetzt wird klar, dass es sich bei der Funktion des damals (1996) neuen Baus der Bibliothek, um eine neue und zusätzliche Aufgabe handelt, den Menschen die Befürchtungen und Ängste vor den neuen Technologien zu nehmen. Letzteres betont der Direktor Bruno Racine in vielen Stellungnahmen. "Labo BnF" erstreckt sich auf einer Fläche von 120 m² und ist jeden Montag von 14-19 Uhr, Dienstag bis Samstag von 10-19 Uhr und an den Sonntagen von 13-19 Uhr geöffnet. Im Gegensatz zur kostenpflichtigen und aktiven Nutzung der Nationalbibliothek, ist dieser Bereich für alle Besucher frei zugänglich, unabhängig davon, ob jemand über einen Ausweis verfügt oder nicht. Dieser neugeschaffene Raum ist das erste öffentliche "Experimentierlabor", dass den NutzerInnen ermöglicht die neuen Technologien des Lesens (E-Books), des Schreibens (z.B. elektronische Tinte) und des Web 2.0 näher zu bringen. Den Besuchern wird auf die "userorientierte" Weise ein anderer Zugang zum Bestand der Bibliothek gewährt. Gibt es denn vergleichbare deutschsprachige Bibliotheken, die ähnliche Dienstleistungen zum Ausprobieren anbieten und Räume ...
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29.06.2010 | von Wolfgang Kaiser | Keine Kommentare » |
Letzte Woche berichtete ActuaLitté über die Entwicklungspläne einer neuen Zentralbibliothek in Helsinki (in der Nähe des Hauptbahnhofs), denen bis spätestens Ende des Jahres noch endgültig von politischer Seite zugestimmt werden muss. Pünktlich zum 100. Jahrestag der Unabhängigkeit Finnlands, im Jahre 2017, soll ein neues Gebäude der Zentralbibliothek in Helsinki in der Bucht von Töölö eröffnet werden. Die Kosten werden auf 100 Millionen Euro geschätzt. Ähnlich wie die Stadtbibliotheken in Birmingham und Manchester (geplante Eröffnung: 2013), wird auch hier im Vorfeld auf der Webseite seit 9. Juni für den Neubau geworben, obwohl es bis zur Fertigstellung noch sieben Jahre dauern wird. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen der Regierung, der Stadt Helsinki und anderen sich in der Metropolregion befindenden Städte um Helsinki. Ferner will man täglich 5.000 Besucher täglich und 1,5 Millionen jährlich erreichen. Dafür sollen 25.000 m² zur Verfügung stehen. Davon sollen 12.000 m² für die Bibliothek reserviert werden, 8.000 m² für eine Vielzahl von Veranstaltungen und anderen (kulturellen) Programmen und 5.000 m² für kommerzielle Aktivitäten.
Bereits 2008 schrieb die Leiterin der Zentralbibliothek, Frau Maija Berndtson, in der Zeitschrift Scandinavian Public Library Quaterly einen Artikel über die Hintergründe, welche zur Idee eines Neubaus beitrugen. Hintergrund ihres Artikels, war ein Bericht, der durch den Bürgermeister Helsinkis in Auftrag gegeben wurde und von Mikko Leisti umgesetzt wurde und folgende Fragen thematisierte:
Was bedeutet die Bibliothek für uns und in welche Richtung soll sie sich entwickeln? Wie können wir so gut wie möglich von der Zukunft profitieren und einen Nutzen ...
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17.06.2010 | von Wolfgang Kaiser | Keine Kommentare » |
Das Video "I Love the Library" gewann auf dem letzten von der Library Association of the Republic of China (Taiwan) ausgeschriebenen und gesponserten Bibliotheksvideowettbewerb. Für ihre Rolle als Produzentin des Gewinnervideos, erhielt die Studentin Erin Liu ein Stipendium von Elsevier. Erin zufolge ist die Bibliothek wie ein großer Schatz, der der Inspiration dient und dazu beiträgt ein glückliches Leben zu führen.
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20.05.2010 | von Wolfgang Kaiser | 7 Kommentare » |
Die Niederländische Zeitung "de Volkskrant" berichtete gestern über die weltweit erste Flughafenbibliothek auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol. Der Flughafen war zuletzt mehrmals aufgrund festsitzender Touristen, die wegen der Aschewolke des Vulkans Eyjafjallajökull mehrere Tage dort verbringen mussten, in den Schlagzeilen. Künftig müssen sich dort Touristen nicht mehr langweilen, denn es gibt ab Juli eine Airport Library. Diese Bibliothek wird das kulturelle Aushängeschild für all diejenigen sein, welche zum ersten Mal niederländischen Boden betreten. Die niederländische Staatssekretärin Marja van Bijsterveldt sieht das sehr pragmatisch, denn die Bibliothek wird Reisenden frühzeitig ermöglichen sich mit der niederländischen Kultur vertraut zu machen und die Zeit sinnvoll zu verbringen. Initiiert wurde die Gründung dieser Bibliothek von der niederländischen Organisation für öffentliches Bibliothekswesen ProBiblio, mit Geldern aus dem Kultur-, Bildungs- und Wissenschaftsministerium. Dem Projektleiter Dick van Tol zufolge werden die Bestände nicht nur Bücher beinhalten, sondern auch Filme und Musik, die zum Download bereitgestellt werden. Hierzu werden mehrere Downloadstationen den BesucherInnen ermöglichen ihre Musik bzw. Filme auf ihre Mobiltelfone zu laden. Die Bibliothek wird auch mit iPads ausgestattet sein.
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18.05.2010 | von Wolfgang Kaiser | Keine Kommentare » |
Obwohl das Städtchen Cholet im Départment Maine-et-Loire (49) über durchaus ansehnliche "echte" Bibliotheksbauten verfügt, will ich mich der dort noch relativ neuen architektonischen Sehenswürdigkeit widmen. Im Herzen der Stadt befindet sich seit kurzem eine neue architektonische Konstruktion auf der Außenwand eines Hauses. Sie soll eine Bibliothek darstellen. Um den Platz Rougé wiederzubeleben gab es die Idee einen Architekturwettbewerb auszuschreiben. Auf 136 m² wurde eine Potemkinsche Bibliothek, die Platz für etwa 5.000 Bücher hat, errichtet. Bei Einbruch der Dunkelheit gibt es eine scénographie lumineuse in Form von Lichtinstallationen. Vermutlich handelt es sich dabei um ähnliche Lichtspiele wie beim jährlich Fête des lumières in Lyon.
Die Arcades Rougé sind ein neuer Teil im Zentrum der Stadt und gekennzeichnet von kultureller und gewerblicher Nutzung, aber auch von Wohnanlagen. Peggy Jousse, der Architektin des Büros Labatut zufolge, stellt dieses "städtische Wohnzimmer" den place Rougé dar und eine Besonderheit. Es befindet sich hinter dem place Travot, einem großen Platz, der für Großveranstaltungen gedacht ist. Peggy Jousse und ihre ArchitektenkollegInnen wollten diesem lebhaften und lauten Platz etwas entgegensetzen, was mehr Intimität und Poesie vermittelt, aber auch Raum für Kommunikation bietet. Insgesamt betrugen die Kosten 103.000 €.
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22.04.2010 | von Wolfgang Kaiser | 2 Kommentare » |
Universitetsbiblioteket i Bergen
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2.04.2010 | von Wolfgang Kaiser | Keine Kommentare » |
Der Bibliotheksverband Südtirol lädt am 24.04.2010 zu seiner 29. Jahreshauptversammlung ins Pastoralzentrum Bozen ein, deren diesjähriges Motto ganz im Zeichen der Interkulturellen Bibliotheksarbeit steht. Am 24. April wird es dazu am Vormittag einen Workshop mit vielen praktischen Tipps sowie am Nachmittag ein Referat zum Thema geben. Beide Veranstaltungen werden von Reinhard Ehgartner, dem Leiter des Österreichischen Bibliothekswerks geleitet, der schon einige viel beachtete Projekte auf diesem Gebiet initiiert hat. Er ist Leiter des Projekts „LebensSpuren, Begegnung der Kulturen“ und ehrenamtlicher Bibliothekar. Ausserdem hat das Bibliothekswerk vor kurzem eine 192-seitige Projektmappe veröffentlicht, welche in Kooperation mit vielen anderen Bibliotheken und Institutionen entstand (eine „Arbeits- und Impulsmappe für die bibliothekarische Praxis“). Sie ist zum Preis von € 20,- plus Versandkosten (in Österreich € 3,50) beim Österreichischen Bibliothekswerk (Telnr: 0043-662-881866 oder per E-mail: biblio@biblio.at) erhältlich. Darin enthalten sind Grundlagen zum Thema Migration und Integration, zentrale Dokumente zum Thema "Interkulturellen Bibliotheksarbeit", Impulse zu den Themenbereichen "Mehrsprachigkeit" und "Sprachwechsel", zahlreiche Projektbeschreibungen und Konzepte aus der bibliothekarischen Praxis, Projektmaterialien der STUBE zum Thema "Fremdheit/Vielfalt" und Buchrezensionen zum Thema "Interkulturelle Vielfalt" der bn.bibliotheksnachrichten und des Vereins EFEU. Obwohl ich die Projektmappe noch nicht kenne, bin ich mir sicher, dass diese auch für Bibliotheken in anderen deutschprachigen Sprachräumen zusätzlich zum Webauftritt www.interkulturellebibliothek.de und der Checkliste "Wie interkulturell ist Ihre Bibliothek?" eine gute Ergänzung darstellen könnte, da es meinem Kenntnisstand zufolge noch keine mehrseitigen Materialien zu diesem Thema in Deutschland gibt. Ehgartner betont am Schluss seines Aufsatzes die Bedeutung einer höheren ...
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