Ein Imagevideo der American Library in Paris

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Aus aktuellem Anlass: Ein Dokumentarfilm zur Bücherrettung der Gazi Husrev-Beg Bibliothek im Jahr 1992

“A biblioclasm or libricide is always totemic of the loss of the better parts of our nature, and the 1992 devastation of Sarajevo’s library was an iconic moment in the devastating war, a symbol of the assault on culture, dialogue, subtlety, multiplicity, and language. The constitutional text that has frozen Bosnia into its compulsory ethnic identity-lines is seen by many as a continuing of this loss – but the plurality of Balkan voices, from the writers who have emerged since the war to the stories of those who struggled to salvage the manuscripts, still speaks to the strength of dialogue, even in book-burning times.” Heather McRobie

Im Januar diesen Jahres wurde im Blog über eine vorübergehende Schließung der National- und Universitätsbibliothek (NUBBiH) in Sarajevo berichtet, die meines Erachtens aufgrund ihres maurischen Stils große architektonische Ähnlichkeit mit der großen Synagoge in der Dohánystraße (Tabakgasse) in Budapest aufweist.Ich denke, es handelte es sich um einen internationalen Weckruf/, um auf die angespannte finanzielle Situation der Bibliothek aufmerksam zu machen und aufgrund der Tatsache, dass es zurzeit eine Renovierung der Innenarchitektur gibt. Weitere Infos auf Englisch oder Deutsch zur Wiederöffnung der Einrichtung fand ich nicht. Die Problematik des multiethnischen Regierens nach einem Bürgerkrieg und einer vierjährigen Belagerung dieser Stadt wurde versucht näher zu erläutern, da nach dem Friedensabkommen von Dayton 1995 neben der Förderation Bosnien und Herzegowina noch die Republika Srpska und der Distrikt Brčko hinzukamen.

Vor exakt 20 Jahren und einem Monat, in der Nacht vom 25.08. auf den 26.08. brannte die Bibliothek. Laut Dubravko Lovrenović, dem heutigen Kulturminister, hat sich das Land von dieser Zerstörung bis heute nicht erholt. Die National- und Universitätsbibliothek brannte zwei Tage lang und Heckenschützen verhinderten den Einsatz der städtischen Feuerwehr oder andere zivile Löschversuche. Nach Auskünften der Stadtverwaltung sollen die Renovierungsarbeiten 2014 abgeschlossen sein. Das alles ist noch Zukunftsmusik und noch ist das kein sicheres Datum, aber es wäre durchaus begrüßenswert einer der nächsten IFLA-Kongreße (nach 2014) in Sarajevo stattfinden zu lassen, um symbolisch die Bedeutung dieser Einrichtung zu würdigen. Weitere interessante Links zur Geschichte, Videos und Facebookseite sind am Ende dieses Beitrags angefügt.

Im Dokumentarfilm “For the Love of Books: Sarajevo Story“, geht es um eine Gruppe von Buchliebhabern bzw. mutige Bürger Sarajevos, die ihr Leben riskierten, um ca. 10.000 Bände der Gazi Husrev-Beg Bibliothek aus dem Jahr 1537 zu retten, die Teil der National- und Universitätsbibliothek sind. Der Film basiert auf eine wahre Begebenheit im Jahr 1992. Die Wertschätzung von Büchern und Bibliotheken wird hierbei deutlich, da sie kultur-, erinnerungs- und identitätsstiftend für eine Kultur sind.

Gefunden: via FU Berlin Biblioblog und BiB-Facebookseite

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Ein Imagevideo der Bibliothek des spanischen Kulturinstituts in Nicaragua (CCEN)

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Das kulturelle Erbe Timbuktus ist in Gefahr

The group that controls Timbuktu controls the symbolic capital of the entire region, because it’s that well-known across the world. If you control that city, it will be known.” Martin van Vliet

Seit 1988 zählt Timbuktu zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Stadt wird auch als die “Stadt der 333 Heiligen” bezeichnet, da viele Sufis, Scheichs, Wissenschaftler und Imame hier begraben sind. Bereits seit Jahren sind diese Stadt und die umliegende Regionen von Dürrekatastrophen betroffen. Hinzu kommen die derzeitigen kriegerischen und bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen. Vor 2 Jahren bloggte ich über die Bibliotheken in der Wüste am Beispiel der Stadt Timbuktu. Die im 11. Jahrhundert von den Tuareg gegründete Stadt und der Rest Malis sind seit Anfang April von Chaos, Fluchtbewegungen (268.000 Flüchtlinge, die vor der Gewalt der Rebellen fliehen) und politischer Instabilität gekennzeichnet. Viele gehören der Volksgruppe der Tuareg aus der Gegend um Timbuktu an und flohen beispielsweise ins benachbarte Mauretanien. Der U.N. Kommissar für Menschenrechte Navi Pillay warnte davor, dass bei den anhaltenden bewaffnette Konflikten auf Mali bald eine verheerende Lebensmittelkrise und anderen Verknappungen wie etwa ein Mangel an Medikamenten zukäme. Selbst der vom Militär geputschte Präsident Amadou Toumani Toure floh vor drei Tagen in die Hauptstadt des Senegal, Dakar. Tuareg-Rebellen riefen Anfang April nach einem Militärputsch im Norden des Landes einen neuen Staat aus. Die Tuareg sind ja Berber und deren nomadische Lebensweise wurde in den vergangenen Jahren immer wieder zurückgedrängt und beschnitten. Ihr neuer und selbsternannter Staat heißt seit 6. April Azawad. Spiegel Online ging vor wenigen Wochen auf die Hintergründe des Konflikts ein. Der im Norden ausgerufene und für unabhängig erklärte Staat wurde bislang nicht von anderen Staaten Afrikas und auch nicht von Staaten anderer Kontinenten anerkannt:

“Der Konflikt reicht weit zurück. Vor der Kolonialzeit dominierten die Tuareg den Handel durch die Sahara, ein stolzes Nomadenvolk, deren Angehörige sich mit indigoblauen Tüchern vor Sonne und Sand schützen. Sie ritten auf Kamelen und herrschten über ein großes Wüstenreich, bis sie 1902 von französischen Kolonialtruppen geschlagen wurden. Spätestens seit Mali im Jahr 1960 wieder in die Unabhängigkeit entlassen wurde, streben die Tuareg nach Eigenständigkeit; immer wieder begehrten sie auf.”

Angeführt wurden die neueren Aktionen der Tuareg durch Rebellen dieser Volksgruppe, welche bis vor kurzem noch in Libyen für den dortigen Machthaber Gaddafi kämpften. Eine weitere Rebellengruppe nennt sich Ansar Dine, die aus radikalen Islamisten besteht und Verbindungen zum Al-Qaedaarme des islamischen Maghrebs unterhält.


Bildquelle: Ahmed Baba Institute Library

Zu den vielen menschlichen Schicksalen kommt noch die Bedrohung des kulturellen Erbes der vielen Schriften und Büchersammlungen hinzu. Die UNESCO ist besorgt über die mangelnde Sicherheit des kulturellen Erbes in Timbuktu. Berichten zufolge haben Rebellen die kulturellen Zentren mit den wertvollen Schriften übernommen und davon bereits einige geplündert. Malische Wissenschaftler, Bibliothekare und gewöhnliche Bürger verstecken in ihren Häusern und Wohnungen wertvolle Manuskripte des kulturellen Erbes der Stadt. Ziel ist es diese vor Zerstörung und Diebstahl zu schützen. Laut dem südafrikanischen Professor Shamil Jeppie von der Universität Kapstadt gibt es zum Glück noch keine herben Verluste der Hauptsammlungen von Manuskripten. Dennoch befürchtet er in naher Zukunft, dass es bald soweit sein könnte, dass ein wesentlicher Teil Dieben in die Hände fällt. Die MNLA-Bewegung bestehend aus Tuareg-Gruppen und die Islamisten von Ansar Dine (Verteidiger des Glaubens) besetzen derzeit wichtige strategische Orte in Timbuktu, so z.B. den Flughafen oder Militärkasernen. Professor Jeppie drückte vor kurzem der Nachrichtenagentur Reuters seine Besorgnis aus:

“I have no faith in the rebels. They may have an educated leadership, but they are sending in footsoldiers who are illiterate and if they want something they will take it … They won’t have any respect for paper culture. […] I think it’s catastrophic, because it can have long-term economic effects,”

Rebellen haben zum Beispiel Fahrzeuge, die im Besitz des Ahmed Baba Instituts sind, gestohlen. Doch bisher betraten sie die Räume mit den wertvollen Handschriften noch nicht. Ähnlich wie in Ägypten gibt es eine mutige Stadtgesellschaft, die das Gebäude verteidigen, indem sie vor den Toren patroullieren. In einem anderen Gebäude des Ahmed Baba Instituts in Timbuktu wurden Computer und andere Ausrüstungsgegenständen entwendet. Laut Prof. Jippie gibt es Privatbesitzer von Manuskripten, welche Vorbereitungen trafen, um die wertvollen Bestände aus Timbuktu in die sichere Hauptstadt Bamako oder in Nachbarländer wie den Niger zu bringen. Die Fondo Kati, welche finanzielle Zuschüsse zur Erhaltung aus Spanien erhielt, wurde in Spezialboxen ausgelagert. Diese Sammlung ist ein Zeugnis des arabisches Erbes in Andalusien. Ebenso ist die Haidarasammlung in Sicherheit. Schätzungen zufolge varieren der historischen Bestände Timbuktus von 150.000 auf das fünfache dieser Zahl. Die gewalttätigen Ausschreitungen in der Stadt könnten sich auf die speziellen Klimatisierungsbedingungen, die für die alten und von Verfall bedrohten Manuskripte nötig sind. Zudem könnten Besitzer wertvoller Handschriften dazu genötigt werden ihre Sammlungen zu verkaufen, um weiterhin ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

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[Zitat] Unkommentiert – 2012

“Was wäre, wenn die Hälfte der Theater und Museen verschwände, einige Archive zusammengelegt und Konzertbühnen privatisiert würden? 3200 statt 6300 Museen in Deutschland, 70 staatliche und städtische Bühnen statt 140, 4000 Bibliotheken statt 8200 – wäre das die Apokalypse? Was, wenn die frei gewordenen Mittel sich verteilen auf die verbleibenden Einrichtungen, auf neue Formen kultureller Produktion und Distribution, auf die Laienkultur, die Kunstausbildung und eine tatsächlich interkulturell ausgerichtete kulturelle Bildung? […] So wäre Zukunftsfähigkeit wieder Teil der Kulturpolitik.”

Dieter Haselbach/ Armin Klein, Pius Knüsel und Stephan Opitz (In: Der Spiegel 11/2012, S. 139)

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Aus aktuellem Anlass: Die Schließung der Nationalbibliothek von Bosnien-Herzegowina wurde gestern vollzogen

Als 1992 die Nationalbibliothek in Sarajevo brannte, dachte damals keiner noch an Frieden im ehemaligen Vielvölkerstaat Jugoslawien. Laut einem Bericht des Chonicle of Higher Education konnten damals nur 10 % des Bestandes der heute noch 1,5 Millionen Bände umfasst von Mitarbeitern der Nationalbibliothek gerettet werden. Heute gibt es Frieden ohne Waffengewalt, aber es scheint ein fauler Friede zu sein. Gestern musste die Nationalbibliothek aufgrund von Finanznöten schließen, wie Deutschlandradio Kultur berichtete. Bereits sieben weitere Institutionen hatten im vergangenen Jahr keine öffentlichen Gelder erhalten. Neben der Nationalbibliothek waren dies das Historische Museum und das 125 Jahre alte Nationalmuseum. Die Zentralregierung Bosnien-Herzegowinas hat kein Kulturministerium. Es gibt keine finanziellen Zuwendungen die Kulturinstitutionen dauerhaft zu finanzieren. Bereits in den letzten sechs Monaten konnten die Mitarbeiter nicht mehr bezahlt werden. Nichtsdestotrotz erschienen sie an ihrem Arbeitsplatz, um sich um die 400.000 verbliebenen Medieneinheiten zu kümmern. Die Querelen zwischen den ethnischen Gruppen im Lande halten weiterhin an und sind hauptsächlich mit verantwortlich dafür, dass es dem Land und seinen Bürgern nun weiterhin schadet. 20 Jahre nach dem Bürgerkrieg ist das Land nach wie vor gespalten. 15 Monate nach den Parlamentswahlen, kam es am 28. Dezember 2011 zu einer Regierung. Anes Alic beschrieb die Lage im Lande letzte Woche im Economist:

“Republika Srpska [serbische Republik] officials will stay the course of attempting to diminish the power of state institutions, and hints of secession will continue to circulate. Bosnian Croats will continue to work towards the creation of a third entity in the country with a Bosnian Croat majority under the perception that their ethnic identity is under threat. Bosniaks will continue to fight both without any compromise.”

Nationalismus, Kleinstaaterei und Fanatismus vergiften nach wie vor das Land und stehen einer wirklichen Einheit im Wege. Auch der VÖBBLOG zitierte gestern den stellvertretenden Direktor Bedita Islamovic:

“We are in an extre­mely dif­fi­cult situa­tion. There is no way out, we have no hope. The world’s only country which does not care for its national treasures.”

Der folgende Filmausschnitt soll ein Wehrmutstropfen gegen die Zerstörung und das leise Töten jeglicher Kultur sein. Es stammt aus dem Film “Notre Musique” von Godard (2004). Der Film setzt sich mit Gewalt, Moral und Kolonialismus auseinander. In der folgenden Szene tritt der bekannte spanische Schriftsteller Juan Goytisolo auf, der sich während des Krieges in diesem Lande aufhielt und darüber schrieb. Er rezitiert in der halbzerstörten Nationalbibliothek Gedichte.

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Einen dritten Sektor um das Sterben öffentlicher Bibliotheken und anderer Kultureinrichtungen aufzuhalten

 “Die Bibliothek von Zuccotti Park ist in derseben Weise in den Müll gewandert, wie auch andere Bibliotheken in den USA verschwinden. Bibliotheken, deren Buchbestände aufgelöst werden, um jene „Technikzentren“ zu errichten, die man aufsucht, um auf Facebook und eBay zu gehen und das Netz nach Steuertipps und Pornographie zu durchstöbern – so wie das andere Bürger in den eigenen vier Wänden tun; und Bibliotheken, die man deshalb schließt, weil man sie bei der städtischen Budgetplanung nicht mehr berücksichtigt hat.“ Mark Greif

Im oben angefügten Video wird der Text “Take This Book: The People’s Library at Occupy Wall Street” vorgelesen. Es ist eine Geschichte über Freiheit, Gefahren und Bücher und basiert auf den Geschichten von BibliothekarInnen und NutzerInnen. Es ist nur der Anfang, denn die Idee der Occupy Wall Street Library hat sich mittlerweile auch über die USA hinaus verbreitet. In Amsterdam und London gibt es solche Einrichtungen und sicherlich auch anderswo.

Ben Kaden hatte kürzlich einen Artikel des Kultursoziologen Mark Greif im IBI Weblog der HU zum Anlass genommen, um dessen Überlegungen zum Fortbestand der “Public Library” aufzugreifen und einen Strukturwandel der Bibliotheks- und Medienöffentlichkeit zu konstatieren. Auch Robert Reich beklagte gestern in einem Artikel am Beispiel der USA, was geschieht, wenn das öffentliche Gut an Wert (-schätzung) verliert (Here’s What Happens To Countries That Stop Valuing The Public Good) und was eine Gesellschaft kennzeichnet:

“What defines a society is a set of mutual benefits and duties embodied most visibly in public institutions — public schools, public libraries, public transportation, public hospitals, public parks, public museums, public recreation, public universities, and so on.”

Eine der Konsequenzen ist die Privatisierung (oder die Umwandlung in PPPs), welche Hella Klauser im Aprilheft von BuB 2011 im Artikel “Auf dem Weg zu McBib / Die Privatisierung Öffentlicher Bibliotheken schreitet in den USA voran – Nicht nur klamme Kommunen greifen zu” genauestens beschrieben hatte. Ich halte die Einschätzungen und Vergleiche von Kaden der USA mit Deutschland für äußerst pessimistisch und teile dessen Auffassung nur bedingt. Die Behauptungen wie Stadtkämmerer denken, halte ich für sehr pauschal und einseitig. Er ist ebenso nur ein “Schreibtischtäter” und wenn jemand wie er die Wahl zwischen Pest und Cholera hat, dann kann er höchstens noch aus dem Fenster springen oder seinen Job kündigen. Entscheidungen in diesem Beruf sind schmerzlich und sicher hatte auch manche BibliotheksleiterIn in der Vergangenheit Bauchschmerzen, wenn es keine Möglichkeiten mehr gab als sich ökonomischen Zwängen zu unterwerfen und diese unumgänglich waren, um den eigenen Job zu behalten. Nicht nur der Stadtkämmerer “freut” sich, wenn er Kosten minimieren kann, es sind auch leitende BibliothekarInnen, die 400 € -Jobber (ungelernt, meist Famis) einstellen (wie z.B. in einer bayerischen Gemeindebibliothek), Bundesfreiwilligenhelfer, bis vor kurzem 1-Euro-Jobber nahmen und altgediente Senioren als Ehrenamtliche gewinnen. Die Gemeinschaft besteht in vielen Gemeinden dann eben an einem anderen Ort, in Stadtteiltreffs oder in Kirchengemeindesälen oder in Bürgerhäusern, in den Schach gespielt wird und sich Generationen begegnen. Wenn schon die Ökonomisierung der Bibliotheken und unserer Lebenswelten beklagt wird, warum wurde dies in der bibliothekarischen Ausbildung und im Studium nicht ausreichender reflektiert anstatt nur stur die ökonomisierte und neoliberale Wirtschaftslehre propagiert? MitarbeiterInnen im gehobenen Dienst, welche in Stadtverwaltungen tätig sind, haben oftmals ein Studium absolviert, das sich häufig nicht mehr nur öffentliche Verwaltung nennt, sondern sehr häufig Verwaltungsökonomie, wo New Public Management propagiert wird und ethisches Handeln in den Hintergrund rückt und Bürger Kunden sind. Auch Bücher zum Thema “Governing the commons” von der Wirtschaftsnobelpreisträgerin Ostrom wurden weder in diesem Berufsfeld noch in “unserem” thematisiert. Uns wurde dieses Wissen über die ökonomisierte Haushaltspolitik ja schließlich auch als hilfreich und relevant vermittelt. Eigentlich war mit der Einführung der Doppik in den Kommunalverwaltungen doch klar, dass die Einnahmenseite bei Bibliotheken immer geringer als die Ausgabenseite ausfallen würde. Die doppelte Buchführung hat das Problem um den Eigenwert der Bibliotheken nur noch verschärft, aber im Grunde gab es schon seit längerem den Trend zum Privatisieren von Staatseigentum und einen durch Mindereinnahmen vieler Kommunen herbeigeführten Sparzwang im kulturellen Bereich.

Warum hat die Gemeingüter- oder Commonstheorie nie Eingang in die bibliothekarische (und kaum in die kommunalpolitische Praxis) gefunden? Natürlich vollzieht sich ein solcher Strukturwandel, das will ich nicht Abrede stellen. Was es gibt, ist das Bibliothekssterben, das wie ein Artensterben sich weiter langsam ausbreitet, Opfer und gesellschaftliche Auswirkungen nach sich zieht (Verdummung, kulturelle Abstumpfung und Verlust von kulturellem und sozialen Kapital), doch leider gibt bis dato noch keine vergleichbare Organisation wie WWF oder Robin Wood. Als die letztgenannten Organisationen sich formierten, gab es diese Bewußtsein, welches auch die vor wenigen Jahren vom ehemaligen deutschen Greenpeace-Vorsitzenden Thilo Bode gegründete Organisation FOOD WATCH nun vermehrt verbreitete, auch noch nicht. Doch den Verlust von Kultureinrichtungen und Bibliotheken werden diejenigen, welche selbst kaum in den Genuss solcher Institutionen gekommen sind, am allerwenigsten vermissen. Ist also eine Gemeindebibliothek auch eine Allmende, ein Gemeingut, das erhalten und geschützt werden muss?

Dennoch entstehen immer noch neue öffentliche Räume (z.B. durch die Urban Gardening-Bewegung oder die Give-Away-Bewegung) oder alte Bibliotheken bleiben erhalten und werden von einem ehrenamtlichen Personal weitergeführt. Erneut will ich diesen Blogeintrag zum Anlass nehmen die Gründung einer parteiübergreifenden Organisation vorzuschlagen, die sich dem Schutz und der Erhalt öffentlicher Bibliotheken widmet und offen für Bibliotheksgesetze eintritt und aus Menschen unterschiedlicher beruflicher Richtungen besteht. Eine Lobby, die nicht nur aus BibliothekarInnen und PolitikerInnen besteht, sondern aus Einwohnern jeglicher beruflicher und sozialer Herkunft, um deutlich zu machen, dass Bibliotheken keine exklusiven Einrichtungen sind, die von wenigen “Buchfreunden” besucht und unterstützt werden.

Ich denke, dass das Verschwinden von öffentlichen Bibliotheken hierzulande nicht so schrecklich, wie in den USA ausfallen wird. Weiterlesen

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Drei Videos gegen die Privatisierung und die Schließung öffentlichen Bibliotheken in Toronto

“There is not such a cradle of democracy upon the earth as the Free Public Library…” Margaret Atwood

Annika Tabovaradan, eine Schülerin liefert im ersten Video ein leidenschaftliches Plädoyer für die Stadtbibliothek Toronto. Der Bürgermeister von Toronto, Rob Ford, plant die Schließung mehrerer öffentlicher Stadtteilbibliotheken und die Privatisierung der übriggebliebenen Bibliotheken. Das zweite Video will über die Situation aufklären und sicherlich weitere Mitstreiter dafür gewinnen die Petition zum Erhalt zu unterzeichnen, aber gegen jeglichen Privatisierungswahn aufzurufen. Ist es gerecht sich gegenüber 55 % bzw. 71 % der eigenen Stadtbevölkerung zu widersetzen? Was legitimiert die politische Klasse dazu möglicherweise undemokratische Entscheidungen zu fällen? Wollen diese bei den nächsten Kommunalwahlen nochmal antreten oder die Wahlen verlieren? Die Schrifststellerin Margaret Atwood setzt sich leidenschaftlich mit anderen Wutbürgern für den Erhalt der Bibliothek und gegen die Privatisierungspläne ein. Atwood vereint 234,744 Follower auf ihrem Twitteraccount. Eine weitere starke Lobbygruppe ist die Toronto Public Library Workers Union, welche die folgende Internseite ins Leben rief. Bisher haben erst etwa 42.500 Menschen auf der folgenden Internetseite die Petition zum Erhalt der öffentlichen Bibliotheken Torontos unterzeichnet: http://ourpubliclibrary.to

Auf der eben genannten Seite können sich engagierte Bürger und interessierte Laien über die Hintergründe der Privatisierungsbestrebungen informieren. Wer glaubt die Privatisierung von Bibliotheken sei im Grunde genommen wichtig für den Erhalt des öffentlichen Bibliothekswesens von Kommunen, die zum Sparen gezwungen werden, dem sei der Artikel “Auf dem Weg zu McBib / Die Privatisierung Öffentlicher Bibliotheken schreitet in den USA voran – Nicht nur klamme Kommunen greifen zu” von Hella Klauser in Heft 4 2011 der Zeitschrift BuB empfohlen.  In welcher Stadt auf der Welt, außer Toronto mit 2,5 Millionen EinwohnerInnen, besitzen knapp die Hälfte, etwa 1,2 Millionen ein Bibliotheksausweis?

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[Zitat] Unkommentiert – 2009

“Als Mitglied der Generation der digital immigrants – die gibt es auch – werde ich mein ganzes Leben lang ein leidenschaftlicher Liebhaber öffentlicher Bibliotheken sein, sie sind der Ort, in dem zumindest meine Generation seine primäre kulturelle Bildungssozialisation empfangen hat. Umso zorniger macht es mich bis heute, dass öffentliche Bibliotheken im Vergleich zu Theatern, zu Museen oder Konzerthäusern eigentlich über keine Lobby verfügen, in der Medienöffentlichkeit gerade hier in Berlin. Es ist gerade wieder eine große Bürgerbewegung für ein von der Schließung bedrohtes Boulevardtheater gebildet worden. Wenn Stadtbibliotheken oder Bezirksbibliotheken oder ihre Dependancen geschlossen werden, finden sie keine entsprechenden Proteste in den Medien. Ich glaube, besonders an dieser traditionellen Institution können wir bestens die Chancen des neuen digitalen Zeitalters ablesen. Ich denke, von nun an kann fast jede Bibliothek ein – im besten Sinne – Doppelleben führen, eine Doppelexistenz im virtuellen Raum des Netzes und als physische Institution. Gerade am Beispiel der Bibliotheken können wir auf sehr produktive Art und Weise die wechselseitige Durchdringung von alten und neuen Medien veranschaulichen und auch gemeinsam erleben.

Prof. Dr. Klaus Siebenhaar (Laudatio zur Verleihung des Biene-Award 2008, am 30. Januar 2009)

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Ein Imagevideo zur interkulturellen Bibliotheksarbeit der spanischen autonomen Gemeinschaft Baskenland

“All citizens live in an increasingly heterogeneous society. There are more than 6,000 different communities and languages in the world. The international migration rate is growing every year resulting in an increasing number of people with transnational identities. Globalization, increased migration, faster communication, ease of transportation and other 21st century forces have created cultural diversity in many nations, where it might not have previously existed or has augmented the existing multicultural makeup.”

Auszug aus dem “The IFLA Multicultural Library Manifesto

Im folgenden etwa zehnminütigen Video kommen EinwohnerInnen der spanischen autonomen Gemeinschaft Euskadi in ihrer eigenen Muttersprache zu Wort. Ob auf portugiesisch, englisch, arabisch, berberisch oder in unterschiedlichen afrikanischen Sprachen, es äußern sich unterschiedliche Menschen darüber, welche Dientleistungen sie an den öffentlichen Bibliotheken in “Euskadi” nutzen. Zudem kommen BibliothekarInnen zu Wort, welche ausdrücklich betonen wie sehr ihnen die Einhaltung des IFLA-Manifestos zur (multi-)kulturellen Vielfalt am Herzen liegt.  Die spanische autonome Gemeinschaft Baskenland scheint die UNESCO-Erklärung sehr ernst zu nehmen. Selbst wenn für die ZuseherInnen das Video nicht zu 100% verständlich ist, wird die Wertschätzung der unterschiedlichen Kulturen durch die öffentlichen Bibliotheken aber durchaus deutlich werden. Eines der Ziele der  öffentlichen Bibliotheken Euskadi ist es, sich um die Integration der verschiedenen Kulturen durch  zu bemühen.

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