[Nachtrag zum Bibliothekskongress 2010] Ulmer erklärt sein gerichtliches Vorgehen gegen Leseplatzangebote

30.06.2010 | von Dörte Böhner | 3 Kommentare » |

Eigentlich sollte dieser Beitrag über den Vortrag von Herrn Ulmer auf dem Bibliothekskongress längst veröffentlicht sein. Aber er ist irgendwie untergegangen. Daher nehme ich die Anfrage von Kathrin als Anlass, ihn jetzt doch noch zu veröffentlichen. Herr Matthias Ulmer hielt seinen Vortrag ohne Folien. Er machte deutlich, dass er die Gerichtsverfahren nicht aufrollen will und es ihm mit seiner Klage um eine Musterlösung ging. Er sei kein ideologischer Vertreter der Verlage, sondern er sähe sich als Rechteinhaber, der für so ein Musterverfahren den Kopf hinhält. Sein Ziel sei es, in die Diskussion einzutreten und um Verständnis für die Verlegerseite zu werben. Er könne viele Positionen nachvollziehen, aber häufig seien ihm gemachte Aussagen gerade seitens der Bibliotheken wenig produktiv. Er wolle nicht polemisieren sondern die Verlagssicht (er-)klären. Als erstes definierte er dann die Aufgabe der Verlage / seines Verlages als Sicherstellung einer optimalen Nutzung von Lehrbüchern für Studierende. Prüfkriterien wären das geänderte Lern- und Leseverhalten der Zielgruppe. Für eine optimale Lösung bedürfe es technischer, rechtlicher und wirtschaftlicher Prüfungen. Dazu mussten als erster Schritt die rechtlichen Grundlagen mit den Autoren geklärt werden. Dies ist seiner Meinung nach ein Grund für die verspäteten elektronischen Angebote der Verlage. Um den Studierenden gerecht zu werden, hat sich der der Ulmer-Verlag am UTB E-Book-Angebot beteiligt. Bei den Gesprächen zu diesem Angebot hätten 50% der Bibliotheken für eine Copy&Paste-Option ausgesprochen und 50% wären strikt dagegen gewesen - so in der Art: Um Gottes Willen, der Studierende lernt ja sonst nichts mehr. Da habe ich mich natürlich gefragt, was das für gefragte Bibliotheken waren... Der Ausdruck ...

Der Bibliothekskongress 2010 in der Biblioblogosphäre [Update: 31.03.2010]

25.03.2010 | von Dörte Böhner | 2 Kommentare » |

31.03.2010 Hapke, Thomas: Noch mehr Informationskompetenz auf dem Bibliothekskongress, Hake-Blog, Update 30.03.2010 Kaiser, Ronald: Bibliothekskongress zum “nachhören”, Update 26.03.2010 Hachmann, Gerhard: Die Schwarzen, die Grauen und die Weißen – mein Rückblick auf Leipzig, Haferklees Ausblicke, Update 25.03.2010 Burscheidt, Lisa: BID-Kongress 2010: Users as library co-developers, I'm looking for that black book [Update] Juhst, Sabrina: Mein erster Bibliothekartag…, Nachdruck Munique, Ilona: BT10 Nachlese (4) | BIB-Mitgliederversammlung mit Fortbildungsforum, FobiKom Pohl, Adrian: Dimensionen von Open Bibliographic Data, Übertext: Blog, Update

WuE-Books – führen wir den §52b UrhG ad absurdum

24.03.2010 | von Dörte Böhner | 3 Kommentare » |

Würzburger Universitätsbibliothek startete ebenfalls auf Basis des §52b UrhG ein Angebot für digitale Lehrbücher "WuE-Books". Referent Dr. Karl Südekum, Direktor der Universitätsbibliothek Würzburg, berichtete über seine Erfahrungen. Hier kam es zwar nicht zu einem Verfahren, aber auch bei Würzburg blieb die Reaktion eines namhaften Verlages nicht aus. Südekum wies ebenfalls wie Herr Nolte-Fischer darauf hin, dass es viel Halbwissen gibt. Er machte deutlich, dass es beim Angebot von digitalisierten Büchern nach §52b UrhG nicht um eine Enteignung der Verlage oder rücksichtsloses Handeln von Bibliotheken geht, sondern um die praktische Umsetzung eines schlecht gemachten Gesetzes und um die Gewährleistung von Wissenschaftsinformation. Bibliotheken reagieren damit u.a. auch auf das veränderte Nachfrageverhalten durch Bachelorstudenten, die auf einen bestimmten Bücherkanon festgelegt sind.Bibliotheken haben auch mit einem weiteren Problem gerade in Bayern zu kämpfen. Dort kommt durch das Gymnasium in acht Jahren ein doppelter Abiturjahrgang auf die Hochschulen und damit auf ihre Bibliotheken zu. Zur Zeit befindet man sich in einer Phase der Neustrukturierung des Marktes auf beiden Seiten. Auf der einen Seite heißt dies einen notwendigen Verzicht auf bestimmte verwertungsmodelle und die Schaffung neuer Bewertungsmodelle. In Würzburg hatte man den elektronischen Lesesaal der "WuE-books" trotz der zu erwartenden Konflikte gewollt und die Reaktionen abgewartet. Die Reaktionen waren dann doch überraschend. Würzburg ist eine mittelgroße Volluni ohne eine große technische Fakultät mit 22.000 Studenten. Die dazugehörige Bibliothek ist sehr dezentral und als zweischichtige Bibliothek mit starker Zentral- und 78 Teilbibliotheken organisiert. Das bringt für die Bibliothek aber auch Probleme mit. Neben der starken räumlichen Zersplitterung gibt es ein strukturelles Haushaltsdefizit mit bis zu ...

Mit- oder Gegeneinander – Die Bedeutung des §52b UrhG für Bibliotheken

23.03.2010 | von Dörte Böhner | 6 Kommentare » |

In seinem Bericht sprach Herr Nolte-Fischer von der Universitätsbibliothek der TU Darmstadt über eine Sache, die er nur halb versteht. Einen entgültigen Bericht konnte er noch nicht geben, da der Prozess ist noch mitten im Gange ist. Fischer selbst ist kein Jurist, sondern wurde in eine juristische Auseinandersetzung hineingezogen. Es scheinen aber auch die Juristen die Sache nur halb zu verstehen und sind verunsichert, weil noch unklar ist, was gilt. Hier hilft nur reden und dieser Bericht ist ein Teil dieser Aufarbeitung. Es geht um die Schranke des Urheberrechts, welche im § 52b UrhG geregelt ist, die zum 1.1.2008 mit dem Korb2 gültig wurde. Tatbestand Die TU-Darmstadt hat probeweise ca. 100 (Lehrbuch.)Titel Dezember 2008 digitalisiert (tudigilehrbuch) und online gestellt. Ausgegangen war man von einer geringen Nutzung dieses Angebotes. Augerufen werden konnten diese Dateien an 15 PCs im Katalogsaalals rein graphische Datei. Damals war der Druck und der Download kapitelweise möglich. Die Nutzung selbst war gering. Diese digitalisierten Bücher wurden nur durchschnittlich 1,7fach genutzt. Bei normalen E-Books ist die Nutzung 20 - 30 Mal höher. Als Antwort auf das erste Urteil vom 13.05. wurde der Download unterbunden und nach dem zweiten Urteil wurde das Angebot komplett eingestellt, da man aufgrund der gerichtlichen Einschränkungen das Angebot für die wissenschaftliche Arbeit als unnutzbar einstuft ("weil nicht zuverlässig daraus zitiert werden kann").

Viel Neues bei Citavi 3.0

21.03.2010 | von Dörte Böhner | 10 Kommentare » |

Erste Eindrücke konnte man vom großen Upgrade Citavi 3.0 auf der Firmenpräsentation und am Stand von Citavi beim Bibliothekskongress 2010 erhalten. Die Leute von Citavi entschuldigten sich auf der Firmenpräsentation für ihren terminlichen Verzug. Citavi 3.0 sollte eigentlich bereits Winter 2009 erschienen sein. Doch man hat sich entschieden, das beste Produkt zu veröffentlichen. Dafür verschiebt man dann lieber den Veröffentlichungstermin. Bedienbarkeit Citavi setzt auf eine noch bessere Benutzerfreundlichkeit. "Klarer, einfacher, übersichtlicher" heißt das Motto. Der erste Eindruck des neuen Userinterfaces bestätigt dies erfolgreich. Die neue Oberfläche wirkt kompakter und weniger knubbelig. Es ist modulartig aufgebaut.

Informationskompetenz – noch mehr Standards?

20.03.2010 | von Dörte Böhner | 1 Kommentar » |

[Bericht] Der Vortrag von Dr. Fabian Franke handelt von Standards zum Thema Informationskompetenz. Ziel der Standards ist es, die Arbeit zu erleichtern. Franke stellte die Frage, mit welchen Standards wir in Bibliotheken arbeiten und zählte auf: RAK, LSWK, Dublin Core für den Bereich Katalogisierung. Außerdem nannte er Bibliothekspläne und Kennzahlen, welche für die Bibliotheksentwicklung wichtig sind. Aber die Hauptfrage ist: Benötigen wir Standards für die Vermittlung Informationskompetenz? Seine Definition von Standards war der Wikipedia entnommen: Ein Standard ist eine vergleichsweise einheitliche oder vereinheitlichte, weithin anerkannte und meist auch angewandte (oder zumindest angestrebte) Art und Weise, etwas herzustellen oder durchzuführen, die sich gegenüber anderen Arten und Weisen durchgesetzt hat. In dieser Bedeutung ist der Begriff insbesondere in den Bereichen Technik und Methodik üblich, aber auch beispielsweise in Bezug auf Menschenrechte oder Umweltschutz. Dabei findet der Begriff sowohl Verwendung bzgl. allgemein anerkannter Zielsetzungen als auch bezüglich allgemein anerkannter Realisierungen. Ein Standard kann in einem formalisierten oder nicht-formalisierten Regelwerk bzw. in einem sich ungeplant ergebenden Regelfall bestehen, beispielsweise in einer einzelnen Regel bzw. mehreren Regeln oder einer Norm. Als Zielsetzung von Standards sieht er eine höhere Rationalisierung der arbeitsteiligen Arbeit, die Schaffung von Effektivität und Wirtschaftlichkeit, Qualitätssicherung, mehr Kundenorientierung und das Schaffen einer Ordnung für (wiederkehrende) Abläufe. Für Bibliotheken sind Standards für Informationskompetenz (IK) seiner Meinung nach notwendig, da IK-Vermittlung eine Kernaufgabe der Bibliothek ist. Die Standards sind auf Informationskompetenz.de zu finden, so auch die Leitlinien für die Bayerischen Hochschulbibliotheken. Ursprünglich kam das Regelwerk für Informationskompetenz aus dem angloamerikanischen Raum (Information Literacy). Diese wurden übersetzt und hielten eine Umsetzung auch in den Standards für die ...

Letzter Tag Bibliothekskongress 2010

18.03.2010 | von Dörte Böhner | 1 Kommentar » |

Es war ein aufregender Bibliothekartag. Bin ich bei meinem ersten Bibliothekskongress in Leipzig vor drei Jahren und meinen ersten Bibliothekartagen in Dresden und Mannheim noch ziemlich unerkannt durch das Fachpublikum getingelt (trotz eines eigenen Vortrages damals zum Thema DRM), war es diesmal anders. Man könnte fast sagen, diesmal ging die Post ab. Manchesmal bin ich zu einem Vortrag so spät gekommen, dass es nur noch Stehplätze gab, weil ich jemanden zum Unterhalten getroffen habe, den ich lange nicht gesehen habe oder angesprochen wurde, weil mich jemand kennenlernen wollte. Da machen sich wohl mittlerweile auch meine Web2.0-Aktivitäten - oder besser gesagt das Social Networking bemerkbar. Montag war ich ja noch mehr beschäftigt, mich in Leipzig zurecht zu finden und umzuschauen und wow, jetzt sind wir schon am letzten Tag angekommen. Momentan sitze ich im Zug und versuche ein wenig meine Gedanken zu sammeln. Viel ist in den letzten Tagen passiert. Das neuerworbene Wissen muss sich erstmal setzen und ein wenig ruhen, um bei gegebener Zeit zur Anwendung zu kommen. Es gab vieles interessantes und auch einiges, was eher enttäuschte. So erstmal ein erster Eindruck. Super war es, die Leute aus der Bibliotwitter-Bloggos-Facebooker-Sphäre mal live und in Farbe zu sehen und kennenzulernen. Dazu hat heute auch das kleine Treffen am Mittag gezählt. Es war mal wieder überraschend, dass wenn so ein Haufen Gleichgesinnter aufeinander trifft, wie die Bälle und Ideen wie Pingpong-Bälle hinundherwandern. Man mochte da heute an manchen Stellen nicht nur zwei Ohren gehabt haben sondern am besten für jeden der Anwesenden eines. Ich bin jetzt gleich ...

Erster Tag: Bibliothekskongress Leipzig 2010

15.03.2010 | von Dörte Böhner | 1 Kommentar » |

Es war mal was anderes. Statt wie sonst zur Arbeit zu fahren führte der Weg heute weiter. Am Bahnhof kam der ICE dann schon 5 Minuten später, da der vorausfahrende Intercity Verspätung hatte. Ich war froh, mein Geld in eine Platzkarte investiert zu haben, denn es waren kaum unreservierte Plätze vorhanden. In Nürnberg füllte sich der ICE dann schlagartig bis an den Rand - eindeutig mit Bibliothekaren. Dieses Phänomen berichteten auch meine Berliner Kollegen, die dies aus der anderen Richtung mitverfolgen konnten. Alle hatten heute ein Ziel - Leipzig, denn: Vom Bahnhof ging es bei Sauwetter zur Pension weiter und dann gleich zum Bibliothekskongress in der Messehalle. Leider war es für den Vortrag, der mich interessiert hätte, schon zu spät - denn der ICE hatte 15 min Verspätung, was die Zeit in der Pension so sehr beschränkte, dass ich zu spät zum Bus zur Messe kam, was wiederum zur Folge hatte, dass ich die Straßenbahn nehmen musste und somit sich meine Verspätung auf 35 min ausgebaut hatte. Nun, sinnvoll konnte man die Zeit trotzdem nutzen, nämlich kurz bei der Freundin aus Berlin vorbeigeschaut, dort die Zeit verplaudert, dann hinauf zum Stand des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft und ein bißchen mit alten Wegbegleitern gesprochen. Dahinein platzte Patrick Danowski mit dem großen Kindle, was uns letzendlich bewegte, den Stand der Zukunftswerkstatt aufzusuchen und uns dort weitere E-Book-Geräte anzusehen. Den Abend haben wir dann in der Moritzbastei bei Honigmilch, Wein und Pasta ausklingen lassen. Morgen wird es interessant mit dem Schwerpunkt "Hochschulbibliotheken als Partnerinnen der Lehre" und "Neuem zm Urheberrecht ...

Richtfest für die Deutsche Nationalbibliothek

23.03.2009 | von Dörte Böhner | Comments Off |

Heute wird das Richtfest für den Bibliotheksneubau des Erweiterungsgebäudes der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig gefeiert. Der Bau wurde nötig, da das historische Bibliotheksgebäude platztechnisch aus allen Nähten zu platzen drohte. Das neue Haus schafft hier Abhilfe mit 14.000 Quadratmetern. Es handelt sich um einen neustöckigen Bau mit drei unterirdischen Magazinen. In diesem Neubau sollen unter anderem das Deutsch Buch- und Schriftmuseum sowie das Deutsche Musikarchiv Berlin untergebracht werden. Der 50 Millionen Euro teure Bau soll im Herbst kommenden Jahres fertiggestellt sein. Quelle: Richtfest für Bibliotheksneubau bei mephisto 97.6 (Uni Leipzig)

DZB goes digital

1.03.2009 | von Dörte Böhner | Comments Off |

Bei der 1894 gegründeten Deutschen Zentralbibliothek für Blinde (DZB) werden große Veränderungen angekündigt. Nach 55 Jahen verabschiedet man sich dort von den sehr anfälligen reparaturaufwendigen und zu teuren Hörbuchkassetten. Ersetzt wird die Kassette im nächsten Jahr durch das CD-Format DAISY. Die Umstellung wird zeitgleich in den elf weiteren Blindenbibliotheken in Deutschland, Österreich und der Schweiz erfolgen. DAISY bringt einige Vorteile mit sich: Auf eine DAISY-CD passen bis zu 40 Stunden lange Hörbücher, bzw. mehrere kürzere Bücher. Handelsübliche CDs können gerade einmal 80 Minuten speichern. Außerdem kann man in den Hörbüchern wie in einem Buch blättern und man kann (in verschiedenen Ebenen) im Buch suchen. DZB-Direktor Dr. Thomas Kahlisch weiß, dass die Welt digital ist Der blinde Informatiker kündigt damit große Veränderungen für 8754 Nutzer der Bibliothek an. Ein wenig problematisch ist denn schon, denn 4/5 der Nutzer sind älter als 70 Jahre und sind die Handhabung von Kassetten gewohnt. Sie müssen nun auf CD oder Internet wechseln oder warten bis das Buch in Braille-Schrift erscheint. Allerdings beherrschen nur sehr wenige diese Blindenschrift. Das wird an den Entleihungen vom Vorjahr deutlich: 2563 Mal wurden Braille-Bücher ausgeliehen (2007: 2476), 162 229 Mal Hörbücher (2007: 152 229). Ein Drittel der ausgeliehenen Hörbücher waren Kassetten. Durch die Digitalisierung verspricht Kahlish eine bedienerfreundliche Alternative zur Audiokassette. Insbesondere der Versand von Hörbüchern über das Internet sei ein Vorteil. Unumschränkt ist dieser Vorteil noch nicht, denn wirkliche Voraussetzung ist ein flächendeckender schneller Internetzugang auch auf dem Land. Ziel der DZB ist es, ihre Leser stärker in die Gemeinschaaft zu integrieren. "Ein Großteil unserer Anrufer, die ...