Ausbildung am “lebenden Objekt”

4. February 2010 von Dörte Böhner · Kein Kommentar bis jetzt
Kategorie: Ausbildung, Öffentliche Bibliothek
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Das ist eine super Idee, um es gleich vorweg zu nehmen. Schaffen Sie eine Bibliothek für junge Menschen. Dieser Idee folgt die neu eröffnete Stadtteilbibliothek Bocklemünd-Mengenich konsequent. Diese Bibliothek wird innerhalb der öffentlichen Bibliotheken als „Juniorfirma“ betrieben.

Angehende Fachangestellte für Medien und Information (FaMIs) haben in den vergangenen Jahren nicht nur das neue Konzept erarbeitet, sondern setzen es nun seit dem 01.02.2010 auch in der Realität um. Im Vorfeld wurde u.a. durch Umfragen ermittelt, welche Angebote die Zielgruppe möchte, welche Öffnungszeiten angenehm sind und wie die Räumlichkeiten gestaltet sein sollten. Das Konzept einer “Azubi-Bibliothek” ist für Köln neu – und vermutlich auch für viele andere Städt. (Über Anmerkungen, wo es dieses Konzept in Deutschland schon länger gibt oder ob es das überhaupt woanders gibt, wären wir hier dankbar.)

Auch für den inhaltlichen Schwerpunkt als Jugend-Bibliothek gibt es kaum Beispiele. „Wir haben uns an der Hamburger Jugendbibliothek orientiert“, sagt die Auszubildende Cornelia Pohl, eine der insgesamt elf derzeitigen Bibliotheks-Auszubildenden bei der Stadtbibliothek.

Der Medienbestand (inklusive Konsolenspielen und Hörbüchern) soll genauso wie der Kontakt zu den jungen Nutzern weiterentwickelt werden. Zu den Angeboten sollen Veranstaltungen gehören, die die Leselust wecken, eine Hausaufgabenbetreuung und vieles mehr. Die Bibliothek setzt dabei dort an, wo Jugendliche normalerweise das Medium Buch und damit die Bibliothek aus den Augen verlieren. Man will vorrangig Jugendliche ab zwölf Jahren als Nutzer gewinnen und ihnen ein altersgerechtes und attraktives Angebot (Medien und Umfeld) machen. Hierbei setzt man auf die jungen BibliothekarInnen.

Die Direktorin der Stadtbibliothek, Hannelore Vogt, setzt große Hoffnung in das Konzept, die Bibliothek durch Auszubildende betreiben zu lassen. „Im Görlinger Zentrum leben viele Kinder und Jugendliche, die die Bücherei als Freizeit- und Bildungszentrum nutzen.
Diese Zielgruppe kann die Bibliothek am besten erreichen, wenn nahezu Gleichaltrige ihre Angebote entwickeln“, sagte die Bibliotheksdirektorin.

Der Bezirksbürgermeister Josef Wirges betonte, dass es gelungen sei, ein wichtiges Bildungsangebot zu erhalten und attraktiver zu machen. Gerade die Erweiterung der Öffnungszeiten kommt bei vielen Nutzern besonders gut an. So kann diese Bibliothek anstatt wie bisher an zwei Wochentagen von 14 bis 18 Uhr nun an drei Tagen zu auch schülerfreundlichen Zeiten aufgesucht werden. Die Bücherei nun mittwochs und freitags von 12 bis 18 Uhr sowie donnerstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Die Idee, Verantwortung innerhalb der Ausbildung übernehmen zu können und alle Seiten direkt am “lebenden Objekt” kennenzulernen, gefällt mir sehr.

Aufmerksam geworden über:
Plieninger, Jürgen: FAMI-Stadtteilbibliothek, netbib weblog

Quelle:
Rösgen, Heribert: Lesefutter in der „Juniorfirma“, Kölner Stadtanzeiger vom 01.02.2010

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Deutschland ein Wintermärchen

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Der Winter hat Deutschland fest im Griff. Schnee und eisige Temperaturen haben sich flächendeckend über’s Land gelegt. Das Thema verfolgt uns dieser Tage von außen nach innen, auch wenn sich der Schnee vom Sofa aus weit besser ertragen lässt als frierend draußen. Wie schön ist es doch, wenn man es sich bei diesen arktischen Temperaturen im kuscheligen Warmen mit einem Buch bequem machen kann, fehlt nur ein heißes Getränk und die passende Lektüre.

Doch was, wenn das eigene Bücherregal gerade nicht das richtige bietet und der Weg zur nächsten Bibliothek so weit ist? Da würde eine rollende Bibliothek sehr gelegen kommen. Man könnte schnell in Pantoffeln in die Fahrbibliothek huschen und die richtige Lektüre für den Abend wählen. Ja, wenn es so etwas in der eigenen Gemeinde nur geben würde. In Pforzheim gibt es einen solchen Bücherbus, mit 3500 von 10000 Medien rollt die Fahrbibliothek durch die Stadt und hat fast 3600 Nutzer, die rund 40000 Medien pro Jahr ausleihen. Die Bibliothekarin Jana Tenner hat eigens dafür einen Busführerschein gemacht und fährt nun Tag ein, Tag aus mit dem 18 Jahre alten Gefährt durch Pforzheim.

Gut, sie würde auch dieser Tage durch die Stadt fahren, ja wenn nicht ausgerechnet jetzt im Bus die Heizung versagt hätte. So steht das Gefährt jetzt auf dem Gelände des Stadtverkehrs Pforzheims. Dort wartet die Fahrbibliothek auf wärmere Temperaturen, denn bei diesem Wetter kann man es weder der Mitarbeiterin, noch den Kunden zumuten, findet die Leiterin der Stadtbibliothek Anja Bendl-Kunzmann. Der Betrieb wurde erstmal für die nächste Woche buchstäblich auf Eis gelegt. Nun hofft man in Pforzheim, dass das Gefährt dann wieder flott ist und zurück auf die Straße kann. Bis dahin bleibt dem Nutzer nur, in die Stadtbibliothek zu gehen oder auf das heimische Bücherregal zurückzugreifen.

P.S.: Das Fahrzeug wurde übrings mit Spenden finanziert. :wink:

Quelle: Messmer, Dorothee: Fahrbibliothek fährt nicht: Heizung im alten Bus defekt. In: Pforzheimer Zeitung

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Rückschau auf den “Study Visit: Multicultural Libraries: practice makes perfect!” vom 2-3 November in Rotterdam (1. Teil)

17. November 2009 von Wolfgang Kaiser · 1 Kommentar
Kategorie: Veranstaltungen/ Berichte, Öffentliche Bibliothek
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Study Visit: Multicultural Libraries practice makes perfect

Vom 2.11.-3.11. fand eine Tagung zur multikulturellen Bibliotheksarbeit in der Stadtbibliothek Rotterdam statt.

Dieses unvergeßliche und interessante Treffen, an dem Gäste aus Schweden, Norwegen, Israel, Spanien, Belgien und Deutschland teilnahmen, bot zahlreiche Gelegenheiten zum Erfahrungsaustausch. Hierbei wurden Best Practice Beispiele vorgestellt, die eine große Bandbreite an Möglichkeiten aufzeigte, wie multi-, inter-  und/ oder transkulturelle Bibliotheksarbeit gelingen kann.

In zwei Blogeinträgen will ich meinen Fachaufenthalt inhaltlich untergliedern und auf die wichtigsten und interessantesten Vorträge und Eindrücke eingehen. Die politische Ausrichtung und die Definition, wie multikulturelle Bibliotheksarbeit in anderen Ländern ausgeübt und auf die jeweilige Bibliothek angewendet wird, sind sehr unterschiedlich. Meist hängt dies auch von der Politik der jeweiligen Kommune zusammen. Rotterdam, mit einem Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund von etwa 50 % zählt mit Sicherheit zu den multikulturellsten Städten in Europa. Die zweitgrößte Stadt der Niederlande liegt hierbei weit vor Amsterdam, was den Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund angeht. Dennoch sollte ergänzend erwähnt werden, dass die Bibliotheksarbeit sich in den Niederlanden mehr multi- statt interkulturell entwickelt hat v.a. durch die politischen Ereignisse der letzten Jahre. Katrin Sauermann, die ebenfalls in Rotterdam dabei war, versicherte mir, dass die Ermordung des umstrittenen Filmemachers Theo Van Gogh im Jahre 2004,  zu einer (radikalen) Kehrtwende in der Integrationspolitik führte. Im Laufe meines Aufenthaltes bestätigte sich das in Gesprächen mit niederländischen Bibliothekaren der Stadtbibliothek Rotterdam und der Chefredakteurin der Zeitschrift NL Unlimited immer wieder.

Es wird nun mehr auf “Integrationsmaßnahmen” gesetzt, die auf Assimilation zu zielen scheinen statt auf interkulturelle Angebote, die auf die Mehrsprachigkeit der Migranten setzen. Statt bewußter das UNESCO-verbriefte kulturelle Recht auf Muttersprache zu unterstützen und fremdsprachige Medien anzubieten, werden oftmals einsprachige Medien angeboten, wie mir auch eine Bibliothekarin einer kleineren Stadt während der Tagung versicherte. Das konnte ich am 04.11. erstaunlicherweise in der Stadtbibliothek Den Haag feststellen, als ich mich bei einem Bibliothekar erkundigte , nur auf fremdsprachige Medien in englischer Sprache verwiesen wurde. Selbst als ich die Bibliothek bis in den letzten Winkel und alle Stockwerke erkundete, fand ich keine Medien in anderen Sprachen. Das war in Rotterdam jedoch anders.  Vermutlich kommt es nach wie vor auf die Prioritätensetzung der Kommunalpolitiker und der der Bibliotheksleiter an. Zudem gibt es zurzeit – angeleiert durch den Rechtspopulisten Geert Wilders – in den Niederlanden eine ernsthafte und besorgniserregende  Debatte darüber die Kosten der Migration zu berechnen[1][2], was durchaus einen weiteren Rückschlag für die dortige Entwicklung bedeutet.

Im Folgenden will ich die Vorträge des ersten Tages nennen und möchte auf besonders interessante Best Practice Beispiele eingehen:

  • Die Begrüßung durch den Leiter der Stadtbibliothek Rotterdam, Herrn Gerard Reussink
  • Rotterdam Public Library: The broad approach towards low literacy von Joke Mos, unitmanager Division Innovation and Development. Hierbei beschrieb sie die sogenannte Participation Ladder, einen Plan, wie städtische Regionen Lösungen für die Alphabetisierung ihrer Bürger angehen. Zwischen der Stadtverwaltung, dem Sozialamt, Erwachsenbildungsinstitutionen und natürlich der Stadtbibliothek finden Kooperationen statt, die nach den Richtlinien der Participation Ladder umgesetzt werden. Die “Partizipationsleiter” reicht von der Isolation zur bezahlten Arbeit und gliedert sich in sechs Phasen, wobei ich die drei wichtigsten hier nenne: 1.) Hierbei versucht die Bibliothek die Leute beim Erlernen der Niederländischen Sprache und beim Aufbau sozialer Kontakte zu unterstützen. 2.) Das Wesen der zweiten Phase ist die Integration, den Auf- und Ausbau sozialer Netzwerke und die Teilnahme bei organisierten Aktivitäten. 3.) In der letzten Phase geht es um die Teilhabe in der Gesellschaft durch eine bezahlte oder ehrenamtliche Arbeit. Die Bibliothek ermutigt zum Engagement und zur Partizipation, indem sie Sprachkurse anbietet und bei der Jobsuche behilflich ist. Jede Stadtteilbibliothek lädt einen Coach ein, der den Arbeitssuchenden Workshops und Unterstützung beim Verfassen ihrer Bewerbungen anbietet. Nahezu jede öffentliche Bibliothek verfügt über sogenannte  E-center, die einen kostenlosen Internetzugang  und verschiedene E-Learniningprogramme anbieten z.B. Integrationskurse um die niederländische Staatsbürgerschaft zu erlangen.

Danach folgte eine Bibliotheksführung, bei der wir nur einen kleinen Teil der etwa 24.000 m² großen und sich auf sechs Stockwerken verteilenden Bibliothek besichtigten.  Dadurch, dass Rotterdam – als aller erste europäische Stadt überhaupt – dieses Jahr Europas Hauptstadt der Jugend (EuropeanYouth Capital) ist, finden Aktionen und Veranstaltungen rund um das Thema Jugend und Teenagerdasein statt.  Hierzu gibt es in der Bibliothek eine neu eingerichtet Jugendabteilung, die von einem Innenarchitekten gestaltet wurde und die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen stärker abbildet, was wiederum mehr Identifikation mit der Bibliothek als Ort schafft.

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Zu viele Bibliotheken?

7. June 2007 von Doreen Thiede · Kein Kommentar bis jetzt
Kategorie: Bibliothekspolitik
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Stadtbibliothek Treptow-Köpenick von Berlin

So titelt (PDF, S. 3) die Lokalausgabe für Treptow des Berliner Abendblattes und berichtet vom Kampf der Treptower Bürger gegen die Schließung der Bibliothek des “Ratz-Fatz“. Diese Bibliothek soll bereits in diesem Jahr geschlossen werden statt 2010, wenn in Köpenick eine neue Mittelpunktsbibliothek öffnet. Dabei wird die Bibliothek rege genutzt:

Eine Lehrerin der Grundschule an der Feuerwache schilderte, dass die Kinder eine Doppelstunde in der Bibliothek verbringen, um ihre Lesefertigkeit zu verbessern und selbstständig neue Bücher zu erkunden.

Im Moment existieren im Bezirk Treptow-Köpenick noch 13 Bibliotheken und eine Fahrbibliothek, von denen laut Bezirksstadtrat Simdorn zur Umsetzung der Einsparungen 4 zu schließen wären. Hintergrund ist die vor kurzem bekanntgewordene Feststellung des Landesrechnungshofs, dass Berlin im Bereich der Bibliotheken sparen könne. Das Beispiel des Bezirks Treptow-Köpenick zeigt leider, wie schnell solche unreflektierten und an puren Zahlen orientierten Vorschläge, wie der des Landesrechnungshofs, zur Einsparung aufgegriffen werden und welchen Schaden sie damit anrichten.
Der Ausschuss für Bürgerdienste und Bildung der Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick hat sich zumindest einstimmig gegen die Schließung der Bibliothek im “Ratz-Fatz” ausgesprochen: “Nun hat die Bezirksverordnetenversammlung das Problem auf dem Tisch.”

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