Was sind gedruckte Bücher und was sind E-Books wert?

Noch ein bißchen was für die Diskussion Buch vs. E-Book, allerdings wirklich neue Argumente konnte ich nicht finden.

Buch E-Book
– man muss in einen Laden gehen + bequem Zuhause herunterladbar
+ gut ausgebaute Infrastruktur für den Vertrieb – monopolistische Strukturen für den Vertrieb
– Mehraufwand durch Schaffung von Mehrwerten: Autorenlesungen, Buch-Communities hosten, Autoren-Blogs, E-Mail-Kontaktpflege + maßgeschneidertes Marketing, direkte Verlinkbarkeit
+ bessere Archivierbarkeit – keine Sammelfähigkeit durch Probleme der Langzeitarchivierung
+ etablierte Formate und Hardware – inkompatible Formate und Hardware
+ verleihbar, verschenkbar, wiederverkaufbar – Abhängigkeit von Lizenzen – damit nicht verleihbar, verschenkbar oder wiederverkaufbar (rechtliche Unsicherheit)
+ etablierte Rechtsstandards (Urheberrecht, Erstverkaufsdoktrine, Gewohnheitsrechte) – jedes Recht muss explizit eingeräumt werden – kann Urheberrechtliche Schranken und Gewohnheitsrecht aushebeln, Erstverkaufsdoktrine umstritten
+ hohe Titelanzahl – geringe Titelanzahl
– keine besonderen Nutzerfeatures + Volltextsuche
+ einfache Bedienbarkeit – komplexere Nutzungsmodalitäten als beim Buch
+ keine technische Abhängigkeit – technische Abhängigkeit
+ keine Soft- und Hardware-Upgrades notwendig – notwendige Soft- und Hardware-Upgrades
– Umweltbelastung durch Papierherstellung – Umweltbelastung durch Elektroschrott, Stromgewinnung, Akkus
+/- höhere Kosten für neue Bücher (Vervielfältigung, Lagerung, Vertrieb), sehr geringe Kosten für gebrauchte Bücher +/- geringere Kosten als für neue Bücher (geringer Vervielfältigungs- und Lageraufwand) – keine Ersparnis gegenüber Gebrauchtbüchern

Quellen:
Printed Books vs. Digital Books:engl: via Squidoo.com
Booksellers Discuss the Value of E-books and Print Books:engl: via LISNews
E-book X-change:engl: via ShelfAwareness

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11 Kommentare

  • Ich glaube ja immer noch, dass beide Formate friedlich nebeneinander existieren können, da jedes Format – wie oben aufgeführt – seine Vor- und Nachteile mit sich bringt. Fachliteratur und Expertenwissen wird vermehrt in elektronischer Form vorliegen, da hier Upgrade- und Suchfunktionalität gegeben ist. Prosatexte werden meiner Ansicht nach jedoch weiterhin hauptsächlich in gedruckter Form vorzufinden sein, da der teure E-Book-Reader eben nicht so gerne mit in die Karibik an den Strand genommen wird!

  • Dörte Böhner

    Beide Formate werden um die Gunst der Käufer buhlen. Ich glaube, das was momentan am schwierigsten für das E-Book ist, ist das Nachhängen der Form “Buch”. Betrachten wir die derzeitigen E-Books ein wenig als die “Inkunabeln” der elektronischen Büchern und lassen uns überraschen, in welcher Form sich E-Books entwickeln.
    Aus meinen Erfahrung mit dem Internet zu urteilen, gibt es Strukturen, die uns durch Bücher so vertraut sind, dass wir sie auch dort suchen. So sind wir an die lineare Struktur eines Buches und Textes gewöhnt. Allerdings hat das Internet mit seinen Verlinkungen diese Strukturen aufgeweicht. Konsequenterweise muss nun diese Entwicklung auf das Buch wirken und hier alte Strukturen mehr und mehr aufweichen. Das Buch kann sich mehr denn je zum Multimedia-Produkt entwickeln. Dies ist vielleicht gerade die Chance für das E-Book.

  • Ich glaub ich bin ein ewiger Zweifler, aber die Liste überzeugt mich nicht besonders. Fast alles sind keine prinzipiellen, sondern tendenzielle oder zumindest (statthaft) relativierbare Probleme des einem oder anderem.

    Auch beim Status Quo würde ich doch widersprechen, dass ich zum Kauf eines Buches in den Laden muss. Tatsächlich tue ich das quas nie. Die Bücher die ich heute bei einem großen Internetbuchhändler bestellt habe, werden (sehr wahrscheinlich) morgen da sein. Ein wenig langsamer als “direkt”, aber trotzdem ungemein bequem.

    Die technische Abhängigkeit… Ja, da ist gefühlt ein großer Unterschied. Allerdings muss man sagen, dass auch bei einem Printbuch im Produktions- und Bereitstellungsprozess (Transport; auch von Amazon zu mir ;-)) technische Abhängigkeiten und ebenfalls Energie aufgewendet werden muss. Und wieviel Akkus muss ich verbrauchen, um mit dem “Energie”-Wert des Papiers mitzuziehen (was ist wenn ich tatsächlich nur ein bisschen Tageslicht brauche?). Ich bin kein Experte dafür und die Effizienzbewertung hinsichtlich Umwelt (Ökobilanz) und anderer Faktoren überlasse ich auch gerne solchen, aber ich finde die Frage (Hinterfragung) als solches statthaft und sinnvoll.

    Die Archivierung ist so eine Sache, wo ich nur ein tendenzielles Problem sehe. Bei Büchern muss man vielleicht mal überlegen, dass Säurefraß da auch ein Problem ist, dessen Lösung auch viel Zeit gekostet hat und für die man immer noch das Geld haben muss, wo sie nun da ist. Umgedreht spricht ja nichts dagegen ein Ebook als Printversion zu archivieren. Selbst dann, wenn keine Printversion mehr vorgesehen sein sollte. Book On Demand Dienste zeigen ja schon seit einer Weile, dass eine kleine – theoretisch zur Archivierungszwecken aber ausreichende – Menge an Büchern durchaus wirtschaftlich machbar wäre.

    Auch bei den anderen Punkten könnte man so noch ansetzen. Ich glaube es könnte aber etwas missverstanden werden, dass ich “nur” das Buch schlecht reden oder “nur” das E-Book schönreden will. Mir geht es aber eher darum, dass man vielleicht etwas weniger guckt, wie es derzeit ist – und wenn man das tut, dann vielleicht etwas mehr hinterfragt, sondern dass man sich vielleicht besser überlegt was wäre optimal (aus wissenschaftlicher Sicht; Umwelt, Kognition, Psychologie, Wirtschaft, Ethik…) und dabei realistisch. Die begründet optimale Variante (welche auch immer das ist), muss einem am Ende ja auch nicht gefallen und die Mehrheit kann sich ja immer noch dagegen entscheiden (vielleicht ist optimal aber ja auch tatsächliche eine hybride Distribution), aber zumindest kann man sagen, dass man sich auf der Basis dessen was realistisch möglich und wünschenswert (im Sinne der Liste “korrigierbar”) war entschieden hat.

    Oder: Wenn ich Hühnchen mag, dann ess ich ja auch nicht das Ei (obwohl es ja irgendwie schon alle Anlagen hat). 😉

  • Dörte Böhner

    Die Argumentation oben entspricht eher dem derzeitigen Status Quo. Wenn ich in meine Bücherregale schaue, habe ich dort Bücher stehen, die ich gekauft habe, weil ich die Information benötigte und aufgrund infrastruktureller Gründe (Internetzugang zu teuer, offline nicht verwendbar) die digitale Variante nicht nutzbar war oder deren Beschaffung einen erheblichen Mehraufwand (langwierige Recherche, keine zusammehängende Bereitstellung, keine geprüfte Richtigkeit) bedeutet hätte. Heute wäre das Probleme, die wegfallen würden.
    Die Frage, die sich stellt, ist nicht ob sich das E-Book durchsetzen wird und wann, sondern eher in welcher Form und in welchem Umfang. Und davon (un)abhängig ist die Frage nach dem entsprechenden Darstellungsgerät. Benötigen wird dafür wirklich spezielle Lesegeräte und wenn ja, welche Funktionen erwarten wir von diesem Single-Use-Device oder reichen weiterentwickelte Mehrzweckgeräte? Entsprechende Trends lassen sich ja bei Handys vorausahnen. Hier zu beobachten ist die Zusammenlegung verschiedener Geräte, z.B. Knipskamera, Telefon, (einfache) Variante eines PDA und Navigationsgerät.
    Für das in diesem Kommentar geschilderte Problem würde ich kein spezielles Lesegerät benötigen, sondern eher einen zweiten Bildschirm, wo das E-Book mit den gewünschten Informationen parallel zu meiner zu lösenden Aufgabe angezeigt werden kann.

    Ich finde die derzeitige Diskussion über E-Books reibt sich ein wenig zusehr an dem Unterschied zwischen E-Book und Buch, greift aber in den seltensten Fällen die Frage auf, wann und unter welchen Umständen würden Nutzer eher das E-Book nutzen und wann das Buch? Warum nutzen sie Bücher wenn aus objetiver Sicht, die Nutzung eines E-Books vorteilhafter wäre? Mit welchem Gerät arbeiten sie mit dem E-Book und warum nutzen sie gerade dieses, wenn sie die Wahl zwischen allen Alternativen hätten?
    Welche Maßnahmen müssen für die Archivierung getroffen werden (Papiervariante nicht ausgeschlossen) und welche Formen können E-Books annehmen? Ist es vielleicht nicht sogar sinnvoller, den Begriff Buch für E-Books aufzugeben und daffür alle Möglichkeiten der Darstellung und Wiedergabe von Informationen und Bildern zu nutzen?

  • Ich finde die derzeitige Diskussion über E-Books reibt sich ein wenig zusehr an dem Unterschied zwischen E-Book und Buch, greift aber in den seltensten Fällen die Frage auf, wann und unter welchen Umständen würden Nutzer eher das E-Book nutzen und wann das Buch? Warum nutzen sie Bücher wenn aus objetiver Sicht, die Nutzung eines E-Books vorteilhafter wäre?

    In etwa darauf wollte ich mit dem vorletzten Absatz hinaus. Dieses Aufreiben gibt es, aber ich meine eben, dass die derzeitigen (!) Unterschiede keine gute Grundlage sind um sich daran aufzureiben, sondern es vielmehr die vernünftig machbaren sein sollten. Der Ansatz zu dem Gedanken waren die vorherigen Absätze. Die größte Annäherung an eine objektive Sicht kann ich mir eigentlich nur denken, wenn man das eine mit dem anderen ganzheitlich und methodisch vergleicht und dann die einzelnen Aspekte nach zu bestimmenden Kriterien gewichtet. Ein Aspekt könnte z.B. die Verfügbarkeit von Titeln sein. Dabei kann man feststellen, dass die derzeit bei E-Books relativ schlecht ist. Für ein Beurteilung fände ich es allerdings wichtig, dass man auch überlegt inwiefern ein solcher Aspekt realistisch anders aussehen kann (was wäre wünschenswert und sinnvoll) und wie sich dann die objektive (=methodisch gewonnene Erkenntnisse) Sicht in der Gesamtbewertung verändern würde. Ich denke viele wesentliche Kriterien enthält die Liste schon, aber die Bewertung halte ich nur bedingt (bei beiden zum Positiven und Negativen) für unbedingt richtig.

    Die Frage ist natürlich was ist das Hauptziel einer Revision des “Modells Buch” und gibt es überhaupt existente Mängel (für die Mehrzahl oder vielleicht nur für bestimmte Leser) . Prioritäten kann es ja viele geben: “bessere Leseerfahrung”, Umweltschutz, Archivierung – eben die obige Liste. Meine Frage ist jetzt eben, was wäre das “realistisch” erreichbare Optimum bei allen Prioritäten bei einem E-Book(-reader). Welche “(Buch)-Produzent vs. Zielgruppenmodelle” wären dabei optimal (bei Einbeziehung aller Kriterien) denkbar? Die derzeitigen (!) Modelle sind eben zu aller erst die Vorstellung der Unternehmen von optimal und damit von deren Interessen geprägt.

    Was wäre das Ergebnis einer unabhängigen Marktforschung, wenn man das Buch einigen solcher methodisch entwickelten/optimierten Modelle (und für leicht dem derzeit vorherrschenden “Grundmodell”) gegenüberstellen würde? Ich bin mir nicht sicher, dass das Ergebnis mehrheitlich gegen das Buch ausfallen würde, aber vielleicht würde es mir selber schon das Gefühl nehmen auf einer Welle von Meinungen und “Reibaspekten” zu schwimmen.

    Hmm, ich bin mir nicht sicher, ob mein Punkt ganz klar geworden ist. Ich glaube, dass wir beide aber das selbe meinen – deswegen das obige Zitat. Im Grunde ist mein einziges Problem dabei die Formulierung “das E-Book”, die aber weiter unten mit “welche Formen können E-Books annehmen” aufgelöst ist.

    Himmel. Das nächste Mal schreibe ich einfach, dass wir einer Meinung sind 😉

  • Dörte Böhner

    Vielen Dank für deine Antwort.

    Himmel. Das nächste Mal schreibe ich einfach, dass wir einer Meinung sind 😉

    Das wäre aber schade, denn so eine Diskussion hilft, manche Aspekte, die man nur unterschwellig formuliert oder ungenau ausgedrückt hat, genauer zu fassen zu bekommen oder weitergehende Fragestellungen daraus zu entwickeln. So ging es mir jedenfalls bisher in dieser Diskussion. :cheesy:

    Was wäre das Ergebnis einer unabhängigen Marktforschung, wenn man das Buch einigen solcher methodisch entwickelten/optimierten Modelle (und für leicht dem derzeit vorherrschenden “Grundmodell”) gegenüberstellen würde?

    Und auch hier sehe ich schon wieder Servicemöglichkeiten für Bibliotheken. Sicherlich können Bibliotheken eine solche Marktforschungsstudie nicht durchführen, aber als Partner könnten sie sich schon eignen. So könnten bestimmte Nutzergruppen (Studenten, Schüler, Otto-Normalleser etc.) durch Bibliotheken angesprochen werden.

    Ein nicht rein begriffliches Problem gibt es derzeit beim E-Book. Mit E-Book wird häufig das Lesegerät bezeichnet, aber auch die digitale Form des Inhalts. Ich denke, allein dadurch unterscheiden sich Buch und E-Book bereits deutlich. Der Begriff Buch umfasst sowohl die inhaltliche Form als auch den Inhaltsträger. Bei einer Musik-CD ist diese Trennung deutlicher und wir verbinden auch Musik nicht so sehr mit ihrem Träger wie dies bei Büchern passiert. So lange diese Trennung bei E-Books nicht deutlicher passiert, werden mit ihm auch immer wieder die gleichen Erwartungen assoziiert, die man an (Print-)Bücher hat. Vielleicht vergleicht man mit Buch und E-Book Apfelbäume mit Birnen…

  • Die Begriffsunschärfe ist wirklich interessant. Ich hab meist versucht zwischen E-Book und E-Book-Reader zu unterscheiden, aber der Gedanke ist richtig, dass beim Printbuch Inhalt und Form im Sprachgebrauch weitestgehend eng miteinander verknüpft sind. Auch wenn man einwenden kann, dass das so nur für die (von mir) angenommene erste Assoziation gilt, denn es gibt ja Hardcover, Broschiert usw. als “Form” und Sachbücher, Kinderbücher, Romane etc., als grobe “Inhaltskategorien” die auch bestimmte Vorstellungen von Darstellung und Gebrauchsmodalitäten mit sich bringen.

    Vielleicht wäre E-Reader der bessere Begriff, da dabei die Assoziation nicht so eng ist und andere Textinformationen (Zeitschriften, Magazine etc.) nicht gleich herausfallen. Dummerweise ist “E-Reader” genauso wenig an eine physische Form gebunden wie ein E-Book, denn es kann ja auch eine Software für den PC sein, die das E-Book-Format interpretieren kann. Ich werde wohl bei der Bezeichnung “E-Book-Reader” bleiben, weil ich einfach annehme (!), dass dabei auch die wesentlichen (positiven) Eigenschaften des Buches mit assoziiert werden und klar bleibt, dass die Inhalte immer noch (wenn auch getrennt vom “Träger”) erworben werden müssen. Außerdem bin ich mir zumindest in dem Punkt recht sicher, dass es bei der ganzen Diskussion um die “E-Book-Reader” nicht um die Inhalte selbst geht, sondern vor allem um den Zugang dazu (also um nutzbare Metainformationen oder vielleicht ganz allgemein “das Lesen”). Und – oh je – es geht doch auch schon um die konkreten Inhalte:

    Ist es vielleicht nicht sogar sinnvoller, den Begriff Buch für E-Books aufzugeben und daffür alle Möglichkeiten der Darstellung und Wiedergabe von Informationen und Bildern zu nutzen?

    So hab ich noch gar nicht daran gedacht. Denn vielleicht ist es auf der inhaltlichen Ebene durchaus sinnvoll, wenn abstrakte Darstellungen (“statische Bilder”) auch um Animationen ergänzt werden könnten. Ich würde aber den Begriff “E-Book” deswegen nicht fallen lassen, sondern diese Aspekte eher als einen Teil der Definition betrachten, die es vom Printbuch unterscheidet oder unterscheiden kann. Ich würde es auch nicht als Vergleich von Äpfeln und Birnen empfinden, da das eine (E-Book) wesentlich auf Grundlage des anderen (Printbuch) hervorgeht – es ist halt keine reine Kopie.

    Prinzipiell würde ich – auch deswegen – die Behauptung wagen, dass der Inhalt, sowie der Zugang dazu, wichtiger als der Träger ist. Ein Umweltaktivist mag andere Prioritäten setzen, ebenso wie ein “Dschungelcamper” ohne Strom, wo wir wieder bei der Forderung nach dem “ganzheitlichen” Ansatz wären. Ebenfalls würde ich voraussetzen, dass eine “Weiterentwicklung” des Buches absolut sinnlos wäre, wenn es keine objektiven – und dabei nicht nur minimalen – Mängel gäbe beim Zugang zu den Inhaltsinformationen oder/und bei dem Träger (oder was eben noch – auch “drumherum” – wichtig sein mag). Im Extremfall ist des einen Mangel aber des Anderen Vorzug und dabei ist möglicherweise noch beides höchst subjektiv, insbesondere wenn (oder dadurch dass?) beide unterschiedliche Ziele haben, d.h. nicht mal eigentlich wirklich über das selbe sprechen. Deswegen wär es eben interessant, zunächst zu gucken, wo mehrheitlich Übereinstimmungen bei der Auffassung des Zwecks “des Buches” liegen und ob dann Übereinstimmungen gibt, dass da Verbesserungen in diesem Sinne wünschenswert wären und auf der Basis zu “optimieren”.

    Und es fing mal so einfach an mit “Ich hätte gern so ein Teil, weil..[‘ganz’ klare Punkte]” 😉

  • Dörte Böhner

    Dummerweise ist “E-Reader” genauso wenig an eine physische Form gebunden wie ein E-Book, denn es kann ja auch eine Software für den PC sein, die das E-Book-Format interpretieren kann. – Diese dritte begriffliche Ebene habe ich gestern übersehen. Natürlich führt dies ebenfalls zu einer weiteren Unsicherheit.

    Das Buch als Inhaltsträger entspräche hier wohl dem Begriff des E-Book-Lesegerätes. Die Formkategorien Hardcover, Taschenbuch wären analog zu den verschiedenen Ausstattungsformen des Lesegerätes, z.B. Bussiness-Edition, Studentenausgabe. Der Inhaltsträger könnte spezialisierter auf die Anforderungen der einzelnen Nutzergruppen abgestimmt werden.
    Der E-Book-Reader ist meiner Meinung nach im Vergleich zum Buch der entscheidenste Unterschied. Hier werden die Zusatzfunktionen bestimmt, z.B. Möglichkeiten des Ausdrucks, Verknüpfungen zu Literaturverwaltungssystemen, verschiedene Größendarstellung des Textes usw. Das Lese- oder besser Darstellungsprogramm bestimmt auch, auf welchem Lesegerät das E-Book mit welchen Funktionen genutzt werden kann.
    Und das E-Book selbst steht für den zusammenhängenden Inhalt.

    Der Begriff E-Book, das vom Buch abgeleitet wird, bietet Chancen und Gefahren. Sicher verbindet man mit diesem Begriff einen bestimmten Funktionsumfang, den man auch beim E-Book erwartet. Ob die Unterschiede aufgrund einer Definition akzeptiert werden, wage ich zu bezweifeln. Menschen fragen nicht nach der Definition einer Sache, sondern gehen immer von den Assoziationen aus, die sie auf tradierte Art und Weise mit einem Begriff verbinden. Sie hinterfragen nicht.

    Der Vergleich von Apfelbäumen und Birnen bezog sich auf die Gesamtheit dessen, was man mit dem Begriff Buch bezeichnet und dem E-Book, das eigentlich nur die Gesamtheit des Inhaltes umfasst und momentan eigentlich nicht auch das Lesegerät und die dazu benötigte Software. Hier ist noch zu viel im Fluss. Um sich durchzusetzen muss das E-Book über den engen Rahmen hinauswachsen, den das Modell “Buch” ihm an sich setzt. Es wird nur mit seinen Mehrwerten bestehen können.

    Ich fürchte, es wird nicht reichen das E-Book und seinen Zugang als das entscheidende zu sehen. Zugang und Inhalte waren auch vorher nicht das unmittelbare Problem, dass zum Scheitern des E-Books 2000 geführt hat. Hier war es vor allem die technische Umsetzung des Gerätes und die immer wieder in den Diskussionen genannten fehlenden Nutzungsmöglichkeiten.

    Viele der Probleme, die 2000 zur Ablehnung der Lesegeräte führten, konnten inzwischen positiv gelöst werden. Die negative Beurteilung betraf damals vorrangig Gewicht und die Displays sowie den Stromverbrauch. Heute darf man sie in dieser Hinsicht als Sieger des Fortschritts betrachten. Jetzt geht es darum, dass die Readersoftware die Vorteile des Buches adaptiert und das ist noch ein erhebliches Stück Arbeit – angefangen bei einer genauen Erfassung dessen, was eigentlich erwartet wird, was in den Bereich “nice-to-have” fällt und was an (Bedien-)Problemen eine Durchsetzung des E-Books tatsächlich gefährdet.

    Also ja, es wäre eben interessant, zunächst zu gucken, wo mehrheitlich Übereinstimmungen bei der Auffassung des Zwecks “des Buches” liegen und ob dann Übereinstimmungen gibt, dass da Verbesserungen in diesem Sinne wünschenswert wären und auf der Basis zu “optimieren”. Aber was passiert, wenn man feststellt, dass diese Basis viel zu eng ist?

    Ich hab das Gefühl, wir sind von der Frage, ob es sich heute lohnt, ein E-Book-Reader zu erwerben abgekommen und haben mehr oder weniger inzwischen nur das “Konzept E-Book” betrachtet. Das “was wäre wenn” hilft nicht weiter bei der Beantwortung der Frage, mit welchen Einschränkungen ist man bereit zu leben, wenn man sich heute so ein Lesegerät anschafft.

  • Bei dem einen erwähnten “Zugang” meinte ich eigentlich den inhaltlichen Zugang der durch die Bedienung des E-Book-Readers ermöglicht wird (also nicht der im Handel) – ist aber auch nicht so wichtig.

    Aber was passiert, wenn man feststellt, dass diese Basis viel zu eng ist?
    Im Grunde war es die meinerseits etwas faule (verkürzte) Formulierung, dass sich mal andere als die Firmen an die “Erforschung” des E-Book(-Readers) machen. Andere, die weniger Interessengebunden als die Firmen sind und deswegen viel freier die vielen Aspekte und deren “Ausformungen” (nicht nur die rein technischen im Grundlagenforschungslabor) ausloten können. Firmen sind da vielleicht im wahrsten Sinne des Wortes betriebsblind und könnten durch umfassende Konzepte und Ideen von außen angeregt werden. DAISY (wofür ja auch schon lange E-Book-Reader hergestellt werden) wäre _ein_ Ansatz, wenn vielleicht noch ein paar Schritte weitergegangen würde – immerhin gibt es dort aber Erfahrungen, wie man auf die Bedürfnisse einer sehr speziellen Zielgruppe eingeht, die aber auch andere Gruppen haben könnten. Wie auch immer…

    Das “was wäre wenn” ist eher ein Brainstorming, womit ich mich – maximal – bei diesem Thema auch begnüge, weil ich für viele der genannten Aspekte ewig bräuchte um sie wirklich bewerten zu können – ich glaube aber, dass das vielfach auch frühzeitig möglich wäre. Das wissenschaftliche Vorgehen hätte halt… Methode – das dürfen aber andere kompetente Leute machen (vorzugsweise nicht nur BWLer, aber _auch_ Bibliothekare, da wo sie ihre Kompetenzen haben 😉 ).

    Vielleicht oder wahrscheinlich funktioniert es so nicht und man muss einfach die langsame Evolution der Geräte abwarten – wirtschaftlich ja auch nicht ganz verkehrt, selbst wenn man schon viel bessere Konzepte hätte (etwas zynisch wohl?).

    Ich glaube der Ansatz von Beginn bis hier war, dass die Reader einige Einschränkungen haben, die sie auch heute vielleicht schon nicht mehr haben müssten. Wenn man sich z.B. Konsortien (besser noch unabhängiger von Einzelinteressen) statt einzelne Firmen mit der Formatsfrage beschäftigen lassen würde (könnte/wollte) und auch die anderen Fragen koordiniert anginge.

    Derzeit könnte ich mich persönlich mit einem Irex oder einem Kindle 2 arrangieren, wenn ich damit eine gute PDF-Ausweichmöglichkeit und die anderen Features habe.

    Um das bewerten zu können – und das ist vielleicht ein bisschen ironisch – müsste ich sie aber mal in die Hand nehmen können: teilweise (nicht nur) ja auch ein Haptik-Test. Selbst dann – das ist ein Erfahrungswert – ist das erste (funktional) neue Gerät immer ein Fehlkauf an dem ich erst feststellt, was ich wirklich gerne noch hätte – selten, dass ich es prinzipiell doch nicht will. 🙂

    Also heute muss man noch viel persönliche Ansprüche an “das Lesen” abwägen, aber ich hoffe, dass man morgen nicht mehr so viel darüber nachdenken muss, weil die Lösungen vernünftig erscheinen (auch dem Bauch dann). Und sollte das Printbuch mein Leben lang das vorherrschende Medium bleiben, dann bricht damit für mich sicher auch keine Welt zusammen Es sei denn…

    Nein, ich glaub vielleicht sollte man jetzt einfach mal abwarten, wie der Sony bei Thalia aufgenommen wird 🙂

  • Dörte Böhner

    Okay, jetzt ein “amen” – glaube für den Moment ist alles Wichtige gesagt und nun muss man ein wenig abwarten, wie das Konzept sich durchsetzt, das momentan vorherrscht. Es war jedenfalls eine interessante Diskussion bis hierher.