Kühlt sich der Hype ums E-Book ab?

Ralf Alkenbrecher, einer der wenigen Experten zum Thema E-Book, zieht bei Buchmarkt.de im Sonntagsgespräche eine erste Bilanz zum E-Book nach dem Start den Sony-Readers vor drei Monaten. Alkenbrecher ist froh, dass es um das E-Book ein wenig ruhiger geworden ist, da durch die sehr intensive Berichterstattung in der Fachpresse und den Feuilletons Erwartungen geweckt worden seien, die an den Hype ums Apple iPhone erinnerten und die nicht erfüllt werden konnten. Als problematisch erwies sich auch, dass viele Dienstleiter und Publikumsverlage im März ihr Angebot noch nicht wirklich fertig gestaltet hatten. Alkenbrecher vermied allerdings davon zu sprechen, dass man schlecht vorbereitet war, allerdings hätte man den Buchhandel besser in die Vorbereitungen des E-Books-Starts einbinden können. Im Moment sollte man abwarten, dass die harte Arbeit seiner Dienstleistungs- und Verlagskollegen in den letzten sechs Monaten Früchte trägt.

Die Wissenschaftsverlage hatten es deutlich leichter, sie konnten, ohne in der Öffentlichkeit zu stehen, langsam ihre Produktion auf E-Books umstellen.

Kritisch merkt Buchmarkt an:

Random House meldet in einer Pressemitteilung, dass man „mehrere tausend“ E-Books verkauft habe, bekannt ist aber auch, dass Random House knapp 1.500 Titel erstellt hat, das heißt, im Schnitt wurden wohl eher 5 denn 10 Exemplare verkauft.

Der Hype ums E-Book ist auch bei den Käufern nicht wirklich angekommen. So geht Alkenbrecher davon aus, dass, obwohl es keine offiziellen Reader-Verkaufszahlen gibt, bis heute gerade eine fünfstellige Verkaufszahl erreicht wurden. Damit kann man höhere Download-Zahlen wohl kaum erreichen. Die verfügbare Titelanzahl ist heute allerdings höher als bei den früheren E-Book-Einführungsversuchen.

Eine wirkliche Beurteilung ist wohl erst in 12 Monaten möglich. Das Taschenbuch brauchte bei Markteinführung auch eine ganze Weile bis es sich durchsetzte. Schwierig wirkt sich auch die rechtliche “Kompliziertheit” aus. Dies haben die Verlage stark unterschätzt. Hinzu kommen auch die Probleme bei der Konvertierung.

Ein weiteres Problem ist auch, dass das Thema “E-Book” in vielen Verlagen ein Angstthema ist und eben möglichst auf kleiner Flamme nebenbei läuft. Es ist nicht Chefsache sondern einfach nur ein Test.

Für den Markt war es nicht gut, dass praktisch nur eine der drei großen Publikumsgruppierungen mit großem Engagement sofort E-Books präsentieren konnte. Wer sich beim Kauf neuer E-Books an der Spiegel-Bestseller-Liste orientiert, wird nur in wenigen Fällen fündig, und dies frustriert die Reader-Käufer, wie man in einschlägigen Internet-Foren lesen kann.

Der Buchhandel sah vor und während der Einführungsphase nur die Probleme und weniger die Chancen bei diesem Geschäft. Hier bedarf es eines Umdenkens.

Muss man allerdings auf den Kindle setzen, um das E-Bookgeschäft in Deutschland anzukurbeln? Fast liest man das etwas genervte Schmunzeln in Alkenbrechers Antwort:

Dies werde ich so ungefähr einmal pro Woche gefragt.

Amazon konzentriert sich vorerst auf das USA-E-Book-Geschäft und kämpft darum seinen Vorsprung gegenüber Apple zu sichern. Auch der neue Kindle DX wird keine Konkurrenz für den E-Book-Markt in Deutschland werden wird, da sich Amazon und deutsche Mobilfunkbetreiber nicht einigen konnten. Diese Meldung kannte Alkbrecher noch nicht während des Interviews, wo er noch erwartete, dass Amazon in Deutschland mit dem technisch für den europäischen Markt vorbereiteteten Kindle2 starten würde. Er äußerte zu Buchmarkts Erstaunen, dass diese proprietäre, monopolistische System für den ganzen E-Book-Markt positive Auswirkungen hätte.
Zumindest kann man nachvollziehen, dass die große Werbe- und Pressekampagne die Aufmerksamkeit potentieller Reader-Käufer neu gewinnen würde und dass dadurch eine Vervielfachung der verkauften Geräte und damit ein deutlicher Nachfrageanstieg nach E-Books verursacht würde.

Auch die Verlage, die bereits über Erfahrungen mit E-Books und entsprechend aufbereitete Daten verfügten, könnten schnell auf das Drängen nach Inhalten auch für kindle-kompatible E-Book-Inhalte sorgen. Erste Erfahrungen könne man mit dem iPhone sammeln.

Verlage, die ihre Daten schon jetzt neutral vorrätig halten, können viel schneller auf neue Geräte, neue Anbieter reagieren und erarbeiten sich einen Wettbewerbsvorteil. Daher ist es für die Verlage letztlich auch nebensächlich, ob sich der Sony-Reader, der Kindle oder das iPhone durchsetzen, die eigentliche Frage ist: Wie und wann der Verlag in die neutrale Verfügbarkeit seiner Daten investiert, um für die Zukunft gerüstet zu sein.

Quelle:
Ralf Alkenbrecher: E-Book – ist der Hype vorbei? via BuchMarkt.de



 
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5 thoughts on “Kühlt sich der Hype ums E-Book ab?

  1. Sylvio

    Natürlich flacht der Hype langsam ab. Die Verkaufszahlen der E-Book Reader sind rückläufig und die Hersteller beginnen langsam die Marketingmaschine auf Vollgas zu drehen, auch wegen des beginnenden Wettbewerbdrucks. Neue Anbieter drängen mit günstigeren Modellen auf den Markt, z.B. das Ectaco jetBook für umgerechnet 142 Euro.

    Doch auf der anderen Seite beginnen amerikanische Verlage gegen die 9,99$ pro E-Book zu rebellieren. Es bleibt also spannend. Doch was eigentlich viel wichter ist: Werden die Kunden E-Books als Alternative zum Buch annehmen? Als Substitut hat das E-Book zumindest mittelfristig keine Chance…

  2. Dörte Böhner

    Tswinner bringt es bei Teltarif.de eigentlichen ganz gut auf den Punkt, wie Otto-Normal-Leser über E-Book-Reader denkt

    “Das Bedürfnis nach “Anfassbarkeit” von Informationträgern besteht: Das Fotobuch hat das Fotoalbum wieder aufleben lassen und der Boom von Vinyl-Schallplatten hält an, dies nur als Beispiele genannt. Der Zeitungsleser und die Bücherratte stehen E-Book Readern skeptisch gegenüber, alles nur analoge Nostalgie oder steckt mehr dahinter? “

    Das Substitut E-Book muss sich sehr ändern, um Bewegung in den Fall E-Book zu bringen. Die Mehrwerte für das Erlebnis Lesen reichen nicht aus. Erwartet werden ein Preisvorteil beim Kauf elektronischer Bücher, einfache Benutzbarkeit und preiswerte Lesegeräte. Dabei muss es nicht mal ein spezielles Gerät sein, auf denen die Texte lesbar sein sollen (iPhone, Netbook & Co).

    Nutzungseinschränkungen durch DRM und fehlende Interoperabilität durch fehlende Standards lassen besser informierte potentielle Nutzer ebenfalls zögern. Die schnelle Folge immer besser werdender Geräte sorgt sicherlich auch für das ein oder andere Zögern.

    Für Wissenschaftler, die intensiv mit Texten arbeiten, sind alle Geräte noch nicht geeignet. Also erreicht man auch diese Klientel noch nicht wirklich. So sättigt sich der Markt derer, die den Hype mitgemacht haben und jetzt muss man sich eben auch den anderen Gruppen zuwenden und hier bestimmte Erwartungen erfüllen. Das wird wohl noch eine Weile dauern.

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