Aus aktuellem Anlass: der 5. Geburtstag der Hannah-Arendt-Bibliothek in Hannover

Jeder Mensch braucht eine Heimat, eine Heimat, die Boden, Arbeit, Freude, Erholung, geistigen Fassungsraum zu einem natürlichen, wohlgeordneten Ganzen, zu einem eigenen Kosmos zusammenschließt. Die beste Definition von Heimat, das ist eine Bibliothek“. (Elias Canetti)

Dieses Zitat aus Canettis Roman “die Blendung” beschreibt sehr anschaulich, welche Bedeutung gerade die Hannah-Arendt-Bibliothek und viele andere Bibliotheken für Menschen haben, deren eigentliche “gefühlte” Heimat nicht Deutschland ist. Dennoch bezieht sich dieses Zitat auch auf uns BibliothekarInnen, da wir die Aufgabe haben/hätten den “geistigen Fassungsraum”, den Ort der Erholung und der Freude  anderen zu vermitteln und mehr Menschen teilhaben zu lassen an einer “zweiten Heimat Bibliothek”. Vor wenigen Tagen, am 06.05.  feierte die Hannah-Arendt-Bibliothek in Hannover ihren fünften Geburtstag. An dieser Stelle gratuliere ich nachträglich, indem ich etwas ausführlicher auf diese Einrichtung eingehe. In der Zeit zwischen 14 und 15 Uhr war die Bibliothek  gestern für BesucherInnen geöffnet. Die normale Öffnungszeit der Bibliothek ist Montag bis Donnerstag zwischen 14 und 18 Uhr. Als Dokumentationszentrum und Präsenzbibliothek können aber auch andere Zeiten vereinbart werden.

Auf Anfrage an Walter Koch, konnte ich die folgenden Einzelheiten über die Entstehungshintergründe in Erfahrung bringen:

“Am 6. Mai 2005 trug Oskar Ansull, Mitbegründer des Hannah Arendt Stipendiums für bedrohte Autoren, dazu bei, dem Ort und dem Ortsgeist einen Namen zu geben. Schon lange fügten sich im hannoverschen Universitätsviertel, aber auch im Stadtteil Linden Fluchtbibliotheken (Iranische Bibliothek, Nordafrika-Bibliothek, Kurdische oder Pontisch-griechische Bibliothek) zu Räumen babylonischer Kommunikation. Diese kaum bekannten Blüten der Vielsprachigkeit sollten durch das Angebot eines einigenden Bandes ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt werden. Eine Bibliothekslandschaft, die die Aura der Durchreise und der Vergeblichkeit nicht kaschiert. Kurz, am 6. Mai 2005 hatten wir eine hannoversche Hannah-Arendt-Bibliothek aus der Taufe gehoben, die vom Heimat- und Paradiesversprechen (J. L. Borges) des „Bibliothekstraumes“ nicht lassen kann.”

Einer der Hauptgründe,  weshalb die Bibliothek nach Hannah Arendt benannt ist, liegt in ihrer eigenen Biographie begründet und in ihrem Werk, in dem sie sich mit den Fragen der Identität, der  Zugehörigkeit, den Themen Flucht und   Nationalstaat auseinandersetzte. In ihrem 1943 erschienenen paradigmatischen Essay “Wir Flüchtlinge” (“We Refugees“), der erst 1986 auf deutsch veröffentlicht wurde und vom politischen Selbstverständnis von Flüchtlingen handelt,  schrieb sie unter anderem:

“Die Gesellschaft hat mit der Diskriminierung das soziale Mordinstrument entdeckt, mit dem man Menschen ohne Blutvergießen umbringen kann; Pässe oder Geburtsurkunden, und manchmal sogar Einkommensteuererklärungen, sind keine formellen Unterlagen mehr, sondern zu einer Angelegenheit der sozialen Unterscheidung geworden.“

“Für H. Arendt sind es die selbstbewussten Flüchtlinge, welche “ihre Identität aufrechterhalten”. Sie sind es, die Politik zur Angelegenheit der Bürger machen. Arendt kennt Gesellschaften, deren Verfassung bereits auf den Flüchtlings-schiffen verabredet wurde. Die Mayflower-Auswanderer und ihre Enkel sind die politischen Akteure, die sich Ihre Gesetze und Institutionen in völliger Demokratie selber geben. Auf diese Weise können Bibliothekare eines Einwandererlandes heute beobachten wie die Dienstleistungs- und Wissengesellschaft neue Impulse erhält. Nach ihrem Verständnis wird nicht Politik für die Flüchtlinge gemacht, sondern die Flüchtlinge handeln selber, indem die Politik zur Angelegenheit der Bürgerinnen und Bürger wird. Auf diese Art haben sich auch die fremdsprachigen Büchersammlungen durch Flüchtlinge und Migranten aus unterschiedlichen Teilen der Welt entwickelt, welche eine “zweite Heimat” für sie wurden. Dieser “Schatz” wird nun seit kurzem mithilfe des GBV zu einem internationalem Bibliotheksverbund ausgebaut und stärker vernetzt als bisher. Zusammen mit der Stadtbibliothek Hannover wurde vor einiger Zeit  ein “RunderTisch Internationale Bibliothek Hannover” ins Leben gerufen, der (auch im Netz) an der Öffnung unserer Lese-, Wissens- und Kommunikationsstrukturen arbeitet. Der nächste Runde Tisch findet am  Dienstag, den 15.06.2010 um 18.00 Uhr in der Chinesischen Leihbücherei,  Rotermundstrasse 27, 30165 Hannover statt (Der Haupteingang ist an der Redeckerstr.)

Auf der Internetseite der Bibliothek wird deren Anspruch und Selbstverständnis deutlich formuliert. Dieses Leitbild könnte so bzw. in ähnlicher Form für andere Bibliotheken als Best Practice Beispiel dienen:

Die Hannah- Arendt-Bibliothek versteht sich nicht nur als Bibliothek im herkömmlichen Sinne, sondern auch als Ort für persönlichen Austausch und Kommunikation, als Ort, an dem sich eine „zweite Aufklärung“ (Peter Brückner) ereignen kann. Wir fördern die Begegnung mit den Kulturen der Immigranten durch Gespräche, Arbeitskreise, Vorträge und Inszenierungen. Uns geht es um wechselseitige Wahrnehmungen und um interkulturelle Sensibilisierung für verschiedene Aneignungs- und Verarbeitungsformen des Wissens.

Hannover allein verfügt über 20 verschiedensprachige Sammlungen, die als community-, kirchen-, privat-Sammlungen schwer zugänglich sind. Heute ist die Hannah-Arendt-Bibliothek, sowie viele andere in Hannover, welche einst von ehemaligen Gastarbeitern und Flüchtlingen aufgebaut wurden, ein selbstverständlicher Teil der nun folgenden Auflistung fremdsprachiger Bibliotheken in Hannover: Weiterlesen

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In eigener Sache

Upps, das geht wie’s Brezlbacken. Mit diesem Posting sind genau 1500 Beiträge bei Bibliothekarisch.de online. Ich hätte nie gedacht, dass wir das schaffen. Ich gebe zu, der Hauptanteil stammt von mir, aber die anderen Autoren sind ja auch noch nicht alle so lange dabei.

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Zehnjähriges Jubiläum der Würzburger Stadtbibliothek im umgebauten Falkenhaus

Die Würzburger feiert ihr Zehnjähriges am 08. April. Genau 2000 zog die Würzburger Stadtbücherei nach siebenjähriger Bauzeit in das generalsanierte Falkenhaus mit dem neu aufgebauten Falkenhof. Tausende nutzten den Eröffnungstag, um ihre Bibliothek zu erobern. Seit dem haben knapp 7 Millionen Besucher über 22 Millionen Medien ausgeliehen. Auch Preise hat die Bibliothek abgesahnt. 2003 wurde sie zur “Bibliothek des Jahres” und fand sich auch mehrfach auf den ersten Plätzen im Bibliotheksranking „BIX“ wieder.

Am Donnerstag, dem 8. April, feiert die Bibliothek ihr Jubiläum im Falkenhaus mit zahlreichen Attraktionen. Leseratten werden auch mit einer Jahreskarte zum halben Preis geködert.

Quelle: Würzburg: 10 Jahre Stadtbücherei im umgebauten Falkenhaus, Radio Gong

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Jetzt haben wir glatt…

Blog Chaoslinie.de

… unseren eigenen 3. Jahrestag verpasst vor so viel anderem. Das netbib weblog feiert ja heute seinen 9. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch unsererseits an alle fleißigen Autoren dieses sehr empfehlenswerten Blogs. Dieses Jubiläum habe ich mal zum Anlass genommen, zu schauen, seit wann es uns eigentlich gibt. Der erste Beitrag, der sich in diesem Blog befindet, ist vom 09.02.2007, als das Blog noch Chaoslinie.de hieß.

Blog Chaoslinie.de

Der erste Beitrag

Inzwischen sind die Ansprüche ans Blog erheblich gewachsen, so z.B. der Mut Kommentare zuzulassen. Dies ging mit Blogger.de leider nicht, so dass zum 01.08.2008 das Blog zu Bibliothekarisch.de und bei Strato gehostet wurde. Dies ging eine Weile ganz gut, aber mit Zunahme des Traffics wurde leider das Paket zu klein und so zog das Blog schließlich nur ein knappes Jahr später wieder um und beherbergt nun Beiträge von inzwischen 5 Autoren und einen Digest-Service, der das Angebot des Blogs um Twitter- und Delicious-Links ergänzt.

Damit es so bunt weiter geht sind wir für Anregungen, Kritik und natürlich auch Lob jederzeit offen. Für einen regen Austausch finden Sie uns auch auf Facebook. Also, auf die nächsten bunten und aufregenden Jahre…

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Nabelschau zum 1001. Posting

Es sind mit diesem Beitrag 1001 Stück. Daher ein bisschen Statistik.

Das Blog ging hervor aus dem Blog Chaoslinie.de, dessen Artikel nach und nach in dieses Blog übertragen. Seit dem 1. August gab es dann statt dem Blog Chaoslinie.de das Blog Bibliothekarisch.de. Aus Maikatze liest… sind schon bald interessante Beiträge integriert worden, bis Doreen den bibliothekarischen Content ganz aus ihrem Blog zu bibliothekarisch.de verlagert hat. Im Oktober 2008 gewannen wir dann Katharina hinzu, die gerade in den letzten Zügen ihrer Abschlussprüfungen steckt. Und mit dem 1000. Posting ist auch ein neuer Autor tätig geworden, Wolfgang, der zukünftig hier den einen oder anderen Bericht zu Konferenzen, Weiterbildungen und anderen Veranstaltungen veröffentlichen möchte

Seit dem 1.8.2008 entstanden mit diesem Posting auf 81 Kategorien verteilt 632 Beiträge, die inhaltlich mit ca. 1.600 Tags erschlossen wurden. Insgesamt wurden 352 Kommentare und Trackbacks bis zur Veröffentlichung hinterlassen.

Seit Beginn des Blogs kamen bis heute ca. 49.000 Besucher. Erfolgreichster Tag war dabei der 30.März 2009 mit 470 Besuchern. Von diesem Tag stammt auch der erfolgreichste Beitrag des Blogs.

  1. Zwitscher-Digest vom 2009-03-29 -> 5520 (29.03.2009)
  2. Google umwirbt Sony -> 4240 (19.03.2009)
  3. Panzerung oder Mückennetz – Die DRM-Gretchenfrage von Matthias Ulmer -> 4188 (07.07.2009)
  4. “Dankes-Blumen” -> 3842 (Seite)
  5. E-Book-Preisbindung -> 3642 (08.04.2009)
  6. Schutzlos der Willkür eines Giganten ausgeliefert -> 3401 (10.04.2009)
  7. 2009 – Jahr des E-Books -> 3346 (31.08.2008)
  8. Einfach lesen… -> 3156 (23.06.2009)
  9. links for 2009-06-19 -> 2990 (20.06.2009)
  10. Das Dilemma des Autor-Google-Verhältnisses -> 2908 (20.03.2009)

Beiträge mit den meisten Kommentaren (ohne die durch diesen Beitrag ausgelösten Pings):

  1. Panzerung oder Mückennetz – Die DRM-Gretchenfrage von Matthias Ulmer – 23 Kommentare
  2. Twittern – Etwas für Bibliotheken? – 11 Kommentare
  3. Was sind gedruckte Bücher und was sind E-Books wert? – 10 Kommentare
  4. Das Drama um “21 gute Gründe” – 9 Kommentare
  5. Gefahr fürs E-Book: DRM und Formatestreit – 8 Kommentare
  6. Nutzung von Literaturverwaltungsprogrammen – 7 Kommentare
  7. 2009 – Jahr des E-Books – 6 Kommentare
  8. Faszination Social Networks – 6 Kommentare
  9. DBIS – Google ist nicht alles – 6 Kommentare
  10. Libreka ist ärgerlich – 6 Kommentare

Neben den Tags für Digest, Twitter und Delicious sind dies die meistbenötigtesten Tags:

  1. Urheberrecht (91)
  2. Bibliothek (65)
  3. Digital Rights Management (63)
  4. Katzenmontag (63)
  5. E-Book (47)

Soviel zur Statistik. Wir werden alles daran setzen, auch in Zukunft ein buntest Programm rund um bibliothekarische Themen zu bieten. 🙂

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Happy Birthday WWW

Zwanzig Jahr bist du nun alt. Was gab es an schönen Erlebnissen mit dir, obwohl Anfangs man dich und deinen Vater wenig ernst nahm. Der Brite Tim Berners-Lee reichte am 13. März 1989 einen Projektantrag „Informationsmanagement: Ein Vorschlag“ ein. Er wollte eigentlich nur eine Technik entwickeln, die es den Forschern des Großforschungsinstituts für Teilchenphysik (Cern) in Genf zu ermöglicht, auf Forschungsergebnisse ihrer Kollegen in aller Welt zugreifen zu können. Etwas skeptisch wurde der Vorschlag betrachtet, als „vage, aber aufregend“. Im Zentrum stand ein „Hypertext“, bei dem Informationen im Netz durch logische Verbindungen miteinander verknüpft werden sollten. Berners-Lee lieferte die beiden wichtigsten Grundlagen des Internets gleich mit, die Hypertext Markup Language (html) und das Hypertext Transfer Protocol (http), die bis heute verwendet werden.

Noch warst du viel zu umständlich zu benutzen, so dass sich erst 1991 erste Universitäten mit die beschäftigten, um eben nach Berners-Lees Ideen Forschungsergebnisse auszutauschen. Dein Durchbruch war damit noch nicht geschafft. Der wichtigste Durchbruch war 1993 die Entwicklung des amerikanischen Students Marc Andreessen, der erste Browser namens Mosaic. Dieser Browser zeigte erstmals Grafiken, so dass auch „Nichttechniker” jetzt die Links fanden zum Draufklicken.

Andreessen gründete Netscape und sein Browser Navigator wurde so zum Tor ins Internet, das nun von Millionen Menschen nutzbar war. Erste Provider, wie AOL und Compuserve, boten ihre geschlossenen Online-Dienste ins Internet an. Jetzt standen E-Mail und der Zugang zum World Wide Web jedem offen. Die Pioniere der Stunde erinnern sich an teure Telefonrechnungen und einen langsamen Zugang übers Modem.
Immer mehr Menschen verfielen der Faszination der weltumspannenden Kommunikation und der plötzlich kinderleichten Informationsbeschaffung. Ab Mitte der neunziger Jahre kamen sie in Strömen. Juli 1995 eröffnete Jeff Bezos mit Amazon das erste Internet-Kaufhaus Amazon. Und September 1995 kam das erste Auktionshaus mit Ebay dazu. Immer mehr Seiten wurden dir hinzugefügt, dass man sie unmöglich alle noch kennen konnte. Aus diesem Grund war 1995 ist auch das Geburtsjahr des Internetkataloges Yahoo.

Du wurdest von maßgeblichen Leuten unterschätzt, so z.B. von Bill Gates, der Gründer von Microsoft. Der hat versucht, dich einzugrenzen und seine Nutzer im geschlossenen Dienst MSN festzuhalten. Das gelang durch Andreessens Netscape Navigator aber nicht, der sich ransant verbreitete. Es dauerte noch lange, bis Gates mit seinem Browser Internetexplorer die Aufholjagd auf den Pionier Andreessen begann.

Andreessens Firma war die erste Internetfirma, die es an die Börse schaffte. Sein Erfolg sorgte dafür, dass sich 1999 die Börse für dich begeisterte und sich erschreckt 2000 zurückzog, weil die Internetblase der “New Economy” auch gleich wieder platzte. Das schadete dir aber wenig InternetWWW, denn immer mehr Leute kamen und arbeiteten mit dir und deinen Möglichkeiten. Und mit Googles grandiosem Börsendebüt 2004 gewann auch die Börse dich wieder lieb.

Google hatte neben Amazon und Ebay das dritte große Geschäftsmodell gefunden, nämlich die Online-Werbung exakt an den Wünschen der Nutzer auszurichten. Das Modell, kleine Werbetexte (mit Hyperlinks) in maximal 0,5 Sekunden einzublenden, die Antworten auf den gerade eingetippten Suchbegriff liefern, hat Google im vergangenen Jahr mehr als 20 Milliarden Dollar Umsatz gebracht.

Du scheinst Entwicklungen im Zeitraffer ablaufen zu lassen. Breitbandverbindungen und mobile Geräte wie das iPhone bringen noch mehr Leben zu dir. Immer mehr Telefongespräche werden über dich geleitet und auch das Fernsehen erobert immer mehr Platz bei dir.

Und der Trend geht immer mehr zum Mitmachweb. Hat man sich früher mit dem Internet verbunden, verbindet man sich heute darüber mit Menschen.

Quelle:
Schmidt, Holger: Am Anfang wollte keiner etwas davon wissen
FAZ.net

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Ein Jahr bloggen

Das Blog von Chaoslinie ist jetzt seit einem Jahr online. Ich bin selbst ein wenig erstaunt, dass in diesem Zeitraum 316 Beiträge zusammengekommen sind. Zwar ist es zur Zeit etwas ruhiger im Blog, was aber eher den Prüfungen geschuldet ist, als gesunkenem Interesse. Dann hoffe ich mal, dass ich bald wieder mehr Zeit habe, hier wieder aktiver zu werden.

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50. Jubiläum der Wiedereröffnung der Forschungsbibliothek Gotha

Mit ihrem Festprogramm vom 20. und 21. Mai 2007 begeht die Universität Erfurt das 50. Jubiläum der Wiedereröffnung der Forschungsbibliothek Gotha, die durch die Rückführung ihrer Bücher aus der Sowjetunion 1956/57 möglich wurde. Dazu zählen mehr als 300.000 Handschriften und Alte Drucke der Herzoglichen Sammlung auf Schloss Friedenstein, die im April 1946 als Kriegsbeute des Zweiten Weltkriegs durch die Rote Armee in die Sowjetunion verbracht worden waren. 1956 kehrten sie fast vollständig nach Gotha zurück und am 21. Mai 1957 wurde die Forschungsbibliothek Gotha wiedereröffnet.

In der Forschungsbibliothek klafft noch eine Lücke von etwa 25.000 Bänden, auch die Museen auf dem Friedenstein und das Staatsarchiv haben noch Verluste.

Im Rahmen des Jubiläums weißt die Direktorin der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha, Christiane Schmiedeknecht, auf diese noch bestehenden Verluste hin.

“In einer Sonderschau wird neben Originaldokumenten des Abtransports und der Rückführung auch ein repräsentativer Querschnitt durch die wiedergewonnenen Handschriften und Bücher gezeigt”, so die Leiterin der Forschungsbibliothek, Kathrin Paasch.

Quelle:
Panse, Jens: 50 Jahre Wiedereröffnung der Forschungsbibliothek Gotha bei Informationsdienst Wissenschaft

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